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26.01.2007

14:11 Uhr

Komplizierte Operation

Kinderärzte retten 80-Jährige

Ärzte des Deutschen Kinderherzzentrums in Sankt Augustin bei Bonn haben mit einer Operation eine 80-jährige Rentnerin gerettet. Es hatte seinen guten Grund, warum sich die alte Dame von den Medizinern behandeln ließ.

Kinderärzte haben eine 80-Jährige operiert. Foto: dpa

Kinderärzte haben eine 80-Jährige operiert. Foto: dpa

HB SANKT AUGUSTIN/HAMBURG. Wie die Klinik am Freitag mitteilte, verschlossen sie ohne Operation mit Hilfe eines Katheters zwei Löcher im Herzen der Frau, die sich nach einem operativen Herzklappenersatz vor einigen Monaten gebildet hatten. „Durch die Erkrankung konnte das Blut zwischen der linken Herzkammer und dem linken Vorhof hin- und herfließen. Herz und Lunge waren damit extrem belastet“, erläuterte Martin Schneider, Chefarzt der Kinderkardiologie in Sankt Augustin.

Die 80-Jährige, die aus dem baden-württembergischen Villingen-Schwenningen stammt, überstand die Zeit bis zum Eingriff nur unter starken herzentlastenden Medikamenten. Sie wurde von ihrem Kardiologen begleitet.

Minimal invasive Eingriffe dieser Art, die eine Operation unnötig machen, werden bislang nur von wenigen Spezialisten vorgenommen - vor allem von Kinderkardiologen. Zum Verschließen der Löcher wurden bei der Rentnerin zwei sechs- und zehn Millimeter große Schirmchen aus speziellem medizinischem Metall verwendet, die sonst zum Verschluss von Herzscheidewanddefekten verwendet werden. Sie sind ähnlich wie kleine Sektkorken geformt. Der Eingriff dauerte rund sechs Stunden.

„Wir gehen davon aus, dass die Frau in ein paar Tagen wieder ein weitgehend normales Leben führen kann“, sagte Schneider. Für die Deutsche Herzstiftung ist der Fall ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit von Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen. „Der Kinderkardiologe wurde hier zum Rettungsanker für den Herzchirurgen“, sagte Professor Hellmut Oelert, Vorstandsmitglied der Herzstiftung und ehemaliger Direktor im Klinikum für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universitätskliniken Mainz. Dabei sei die spezielle Erfahrung der Kinderkardiologen mit Abdichtungsschirmchen genutzt worden. „Eine zweite Operation wäre für die Frau mit einem sehr großen Risiko verbunden gewesen.“ Die 40-prozentige Chance, die sie mit der „Schirmchenmethode“ gehabt habe, habe sich nutzen lassen. „Das Denken über Fachgrenzen hinaus sollte Schule machen“, sagte Oelert.

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