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25.02.2012

09:16 Uhr

Kontroverse um Biohof

Wenn Schweinefleisch ein Gesicht bekommt

Wer bei „Meine kleine Farm“ Schweinefleisch bestellt, bekommt erstmal glückliche Ferkel zu sehen. Über das Internet können sich Käufer vom glücklichen Leben der Schweine überzeugen - und sich die Gewissensfrage stellen.

Werbematerial von „Meine kleine Farm“. dpa

Werbematerial von „Meine kleine Farm“.

Von der Internetseite „Meine kleine Farm.org/Schweine“ blicken dem Besucher muntere Ferkel entgegen. Schwein zwei hat helles Fell mit schwarzen Flecken und fühlt sich sichtlich wohl, während es mit seinen Artgenossen durch den Schlamm stapft oder abends neben ihnen liegt.

Darunter sind Fotos aufgeführt von Knoblauchmett, Leberwurst im Glas und Sülze. Neben einem Bild steht „Schlackwurst ähnelt Salami in Konsistenz und Geschmack - lecker!“ Das Stück von 500 bis 600 Gramm kostet 15 Euro plus Porto. Ein Mausklick, und die Wurst ist bestellt.

„Wer ein Schwein essen will, der muss auch bereit sein, es zu töten“, sagt Biobauer Bernd Schulz aus Brück, Ortsteil Gömnigk, im Kreis Potsdam-Mittelmark. Der Diplom-Agraringenieur liefert die Schweine für das Online-Projekt. „Man sieht, es hat glücklich gelebt“, meint er mit Blick auf ein Ferkelfoto. „Wir erfinden das Rad nicht neu“, sagt der Mittfünfziger, aber es seien Unterschiede zu sehen und zu schmecken zwischen seiner und der Supermarktwurst.

Zu DDR-Zeiten war Schulz Zuchtleiter einer ZGE (Zwischengenossenschaftlichen Einrichtung) mit mehreren Tausend Sauen. Nach der Wende ging er ein halbes Jahr nach England und war später nach eigenen Angaben größter Ökoferkelproduzent Deutschlands: 5000 Ferkel, das sei nicht lange gut gegangen. Das Futter sei nicht so gut gewesen damals, der Bestand habe reduziert werden müssen - es folgten sehr harte Zeiten. Schließlich weilte er mehrere Wochen am Baikalsee, wo sein Vater früher einmal Kriegsgefangener war - „Der Baikal ist Balsam für die Seele, hat er gesagt.“ Und das stimme.

„Man muss sich der Tatsache stellen, dass wir von Jägern und Sammlern abstammen“, meint er. „Aber man muss auch Respekt und Ehrfurcht vor den Tieren haben und sich überlegen, die sterben jetzt für uns“, sagt Schulz, der Schlachtungen von Kind an kennt und nun auch Stadtmenschen die Zusammenhänge zeigen möchte.

Kommentare (1)

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25.02.2012, 09:40 Uhr

Der Mensch kann ohne Fleisch leben - nicht aber überleben ohne Gemüse und Obst.

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