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24.01.2007

17:34 Uhr

Korruptionsvorwürfe gegen EDV-Firma

Erste Razzien: GEZ-Affäre weitet sich aus

Im Zuge der Ermittlungen der Wuppertaler Staatsanwaltschaft gegen eine nordrhein-westfälische EDV-Firma sind auch die Privatwohnung des AMB-Generali-Chefs Walter Thießen und Büros des Versicherers DEVK durchsucht worden.

Sitz der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in Köln. Foto: GEZ

Sitz der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) in Köln. Foto: GEZ

HB DÜSSELDORF. Zudem habe es Razzien in Räumen eines weiteren AMB-Mitarbeiters und in Büros des Konzerns in Aachen gegeben, teilte AMB Generali am Mittwoch mit. Ein DEVK-Sprecher sagte, die Fahnder hätten Räume der Versicherungszentrale in Köln durchsucht. Mitarbeiter der Versicherer stünden ebenso wie Angestellte der GEZ im Verdacht, Geschenke von der EDV-Firma angenommen und dieser im Gegenzug überteuerte Aufträge zugeschanzt zu haben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Der mutmaßliche Schaden gehe nach ersten Erkenntnissen „in die Zigtausend Euro“.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach früheren Angaben bislang gegen zehn Personen wegen des Verdachtes der Bestechlichkeit beziehungsweise der Bestechung.

DEVK und die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) sagten den Fahndern ebenso wie die AMB Generali ihre Zusammenarbeit zu. Der Verwaltungsrat der GEZ schaltete Prüfer von ZDF und WDR ein, die nun zusammen mit Kontrolleuren der Gebührenzentrale „eine umfassende Prüfung der Vorgänge“ einleiten sollten. Personelle Konsequenzen für den Geschäftsführer der GEZ solle es derzeit nicht geben, teilte die GEZ mit.

Bodellbesuche, Formel1 und Luxusrestaurants

Hintergrund der Ermittlungen gegen mehrere Unternehmen in Deutschland ist der AMB Generali zufolge ein „Anfangsverdacht“ der Anklagebehörde. Ein AMB-Sprecher wollte sich mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht weiter äußern. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, eine Wuppertaler EDV-Firma stehe im Verdacht, Kunden mit Besuchen im Rotlichtmilieu, Reisen, Besuchen von Sportveranstaltungen wie Formel-1-Rennen und Fußballspielen, Essen in Luxusrestaurants sowie Geschenken geködert zu haben.

Ein Verkäufer und ein Buchhalter der Computerfirma sollen sie so bestochen haben, um an Aufträge zu kommen. Bei den Durchsuchungen sei Material sichergestellt worden, das nun ausgewertet werde. Dies könne sich noch „über Wochen, wenn nicht Monate“ hinziehen. Die Ermittlungen über die mutmaßlichen Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von EDV-Aufträgen seien durch eine detaillierte anonyme Anzeige ins Rollen gekommen.

Der Anwalt von GEZ-Geschäftsführer Hans Buchholz sagte der Boulevardzeitung „Express“, der Verkäufer behaupte, dass er zwei Besuche von Buchholz im Kölner Bordell „Kokett“ finanziert habe. Diese Behauptung sei „frei erfunden“, schrieb Anwalt Norbert Gatzweiler. Er werde den Verkäufer wegen Verleumdung anzeigen. Gegen Buchholz bestehe nur ein „an der untersten Verdachtsschwelle liegender so genannter Anfangsverdacht“. Das bedeutet, dass die Anklagebehörde prüft, ob die Vorwürfe für ein formelles Ermittlungsverfahren gegen Buchholz reichen.

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