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24.01.2006

10:04 Uhr

Krasse Diskrepanz zwischen Wort und bezeichneter Sache

„Entlassungs-Produktivität“ ist Unwort des Jahres

Aus rund 1 000 Vorschlägen wählte eine Jury aus Sprachwissenschaftlern das Unwort des Jahres aus, das die gleichbleibende Produktionsleistung eines Unternehmens nach der Entlassung von Mitarbeitern beschreibt. „Es verschleiert damit die meist übermäßige Mehrbelastung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz behalten konnten“, erklärte der Jury-Vorsitzende Horst Dieter Schlosser.

HB FRANKFURT. Die Jury aus fünf Sprachexperten hatte die Wahl zwischen 1 073 verschiedenen Vorschlägen. Zu den Favoriten der 15. Aktion gehörten Begriffe aus der Wirtschaftswelt wie „Smartsourcing“, „Qualitätsoffensive“ oder „Unternehmerische Hygiene“. Gute Chancen haben aber auch „Der Herr Professor aus Heidelberg“, „Bombenholocaust“, „Ehrenmorde“ und „folterähnliche Methoden“.

Insgesamt gingen 1891 Zuschriften ein. Die häufigsten Vorschläge lauten: „Ehrenmord“, „Gammelfleisch“, „Parasiten“ und „Schwampel- Koalition“.

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt. 2004 hatte „Humankapital“ das Rennen gemacht. Zu den fünf Juroren gehört in diesem Jahr der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Klaus Reichert.

Mit dem „Unwort“ rügt die unabhängige Jury sprachliche Missgriffe, die „sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise die Menschenwürde verletzen“. Die Begriffe stammen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Kulturinstitutionen oder Medien. Nicht die Häufigkeit eines vorgeschlagenen Wortes ist entscheidend, sondern „ein besonders krasses Missverhältnis von Wort und bezeichneter Sache“.

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