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14.01.2005

07:49 Uhr

Kreative Karossen sind ihr Ding

Denken in Gegensätzen

VonInge Hufschlag (Handelsblatt)

Die Designerin Klaudia Kruse geht für BMW in New York auf die Suche nach den neuesten Autotrends.

Kritisch schaut der Fotoredakteur auf die Bilder, die bei einem Trendvortrag in Bangkok entstanden sind. „Ein Sigourney-Weaver-Typ“, murmelt er beim Anblick der mit konzentriertem Gesichtsausdruck abgelichteten Frau auf dem Podium.

Auf den ersten Blick hat sie wirklich was von der aparten US-Schauspielerin, die im Film immer so tapfer gegen Aliens kämpft und sogar Gorillas im Nebel versteht. Im übertragenen Sinn macht Klaudia Kruse als Trendscout für BMW vielleicht sogar einen ähnlichen Job. Die Diplom-Designerin muss schon mal mit Ingenieuren ringen: „Dabei gibt es Dinge, die auf der Strecke bleiben, weil sie nicht bezahlbar sind.“

Klaudia Kruse leitet das temporäre BMW-Design-Studio in New York. Ziel der US-Ideenfabrik ist, Trends aufzuspüren, Inspirationen zu vermitteln, Visionen in Konzepte, sprich Autos umzusetzen.

Wie kommt ausgerechnet eine Frau zu so einer männlichen Automarke und dann noch gleich in ein Innovationszentrum jenseits des Atlantiks? Ihre Mappe habe damals – das war 1990 – überzeugt, meint sie. Sicher hat sie sich auch als Person und Persönlichkeit durchgesetzt. Nicht zuletzt, weil der klassische BMW-Slogan „Aus Freude am Fahren“ auch der ihre ist. „Ich fahre gern, und ich fahre gern schnell“, gesteht Klaudia Kruse. Ihr erstes Auto war ein R 5 von Renault, dem folgte ein Peugeot 104. „Dabei hätte ich auch gern eine Ente gehabt oder eine Dyane.“ Ihr Traumauto? „Aston Martin“, kommt es mit einer Beschleunigung von 0 auf 100, die James Bond zur Ehre gereicht hätte.

Dabei ist Klaudia Kruse heute eher Vielfliegerin, pendelt ständig zwischen München und New York. Manchmal ist’s auch nur eine Zwischenlandung zu Hause wie gerade, nachdem sie mit BMW in Bangkok bei der Auslieferung der 7er Flotte ans legendäre Luxushotel Oriental gewesen ist.

Das fremde Königreich inspiriert sie. Bewundernd und ein bisschen ehrfürchtig zeichnet die Diplom-Designerin mit den Fingern die Muster des Schmucks im Museum am Goldenen Tempel des Königspalasts nach: „Ich hab’ mal ein Praktikum in einer Goldschmiede gemacht.“ Mit ihrer Handy-Kamera sammelt sie alte grafische Muster, Beispiele für die Formensprache im einstigen Siam – bis ein Wachmann darauf hinweist, dass dies verboten ist. Sie reagiert charmant. Rasch sind die Bilder auf dem Handy gelöscht, doch gespeichert im geschulten optischen Gedächtnis der Designerin. Wer weiß, ob sie nicht vielleicht irgendwann irgendwo wieder auftauchen, vielleicht in einem Sondermodell für den Fuhrpark eines anderen Herrscherhauses?

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