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28.12.2014

20:46 Uhr

Krebskranke Amerikanerin

Der geplante Tod der Brittany Maynard

Millionen Menschen klicken Brittany Maynards Youtube-Video an. Darin kündigt die 29-Jährige ihren Tod an. Die krebskranke Amerikanerin wird zum Aushängeschild der Sterbehilfe-Bewegung – und vollendet ihren Plan.

Die krebskranke Brittany Maynard Ende 2013 zusammen mit ihrem Hund Charlie. dpa

Die krebskranke Brittany Maynard Ende 2013 zusammen mit ihrem Hund Charlie.

PortlandMit 29 Jahren wollte Brittany Maynard nicht ihr Sterben, sondern ihr Leben planen. Mit ihrem Mann Dan Diaz wünscht sie sich Kinder. Im September 2012 hatte die brünette Kalifornierin ihrer großen Liebe auf einem Weingut das Jawort gegeben. Doch schon kurz nach der Hochzeit kommen die ersten Beschwerden. Starke Kopfschmerzen sind die Vorboten eines Gehirntumors.

Im Januar 2014 erhält sie die tödliche Diagnose. Die Ärzte operieren und geben ihr zunächst drei bis zehn Jahre. Doch der Tumor kommt noch aggressiver zurück. Ihre Lebenserwartung sinkt auf wenige Monate.

Maynard nimmt ihr Schicksal nicht stumm in Kauf. Im Gegenteil. Als kämpferische Verfechterin der Sterbehilfe macht sie mit einem freimütigen Bekenntnis weltweit Schlagzeilen. Statt dass der Tumor sie qualvoll tötet, will sie ihren Tod in die eigene Hand nehmen. Sie plant ihr Sterben im Detail. Maynard wählt den 1. November. Ende Oktober will sie noch den Geburtstag ihres Mannes erleben.

Von ihrem Heimatstaat Kalifornien zieht sie mit ihrer Familie nach Portland im Nachbarstaat Oregon um. Es ist einer von fünf US-Bundesstaaten, in denen die Sterbehilfe erlaubt ist. In Oregon trat der sogenannte Death with Dignity Act (Gesetz für ein Sterben in Würde) auf Drängen der Wähler bereits 1997 in Kraft.

Wo Sterbehilfe erlaubt ist

USA

In den USA ist aktive Sterbehilfe generell verboten, der ärztlich assistierte Freitod aber in einigen Bundesstaaten erlaubt. Oregon ermöglichte als erster US-Staat Ärzten, unheilbar Kranken ein tödliches Medikament zu verschreiben, das der Patient dann selbst einnimmt. Ein Gesetz von 1997 sieht dafür strenge Auflagen vor. Zwei Ärzte müssen bescheinigen, dass der Kranke voraussichtlich nur noch höchstens sechs Monate zu leben hat. Der Betroffene muss volljährig sein, seinen Wohnsitz in Oregon haben und seinen Sterbewunsch mehrfach mündlich wie schriftlich äußern. Ähnliche Regelungen gibt es in den Bundesstaaten Washington und Vermont, in Montana und New Mexico entsprechende Gerichtsentscheide.

Deutschland

In DEUTSCHLAND ist die aktive Sterbehilfe ebenfalls strafbar. Erlaubt ist passive Sterbehilfe, bei der Ärzte lebenserhaltende Maßnahmen abbrechen, indem sie etwa das Beatmungsgerät abschalten. Auch ein Mittel zur Selbsttötung bereitzustellen, das der Betroffene selbst einnimmt, ist vom Grundsatz her nicht strafbar. Unter Umständen können Unterstützer aber wegen unterlassener Hilfeleistung oder Totschlags belangt werden. Ärzten ist die Beihilfe zum Suizid durch die Berufsordnung untersagt

Schweiz

In der SCHWEIZ ist Sterbehilfe zwar weithin gesellschaftlich akzeptiert, eine aktive Unterstützung - wie etwa Tötung auf Verlangen - ist aber auch hier verboten. Die Gesetze erlauben jedoch, aus nicht-selbstsüchtigen Motiven sterbenskranken Menschen auf Wunsch Beihilfe zum Suizid zu leisten. Bei der Einnahme eines tödlichen Medikaments dürfen Sterbebegleiter sowie Angehörige und Freunde zugegen sein. Die Sterbehilfe-Organisation Exit akzeptiert nur Antragsteller, die ihren festen Wohnsitz in der Schweiz haben. Offen für Sterbewillige aus aller Welt ist die Organisation Dignitas.

Im Oktober stellt Maynard ihr erstes Video ins Netz. Ihr Gesicht ist von den starken Krebsmedikamenten sichtlich geschwollen. Sie wischt sich Tränen aus den Augen, doch ihre Stimme ist ruhig und entschlossen. Mehr als elf Millionen Menschen schauen sich das Video an. Sie wolle in ihrem Ehebett sterben, mit ihrem Mann und ihrer engsten Familie an der Seite, erzählt Maynard. Dazu soll leise Musik spielen, wenn sie ein tödliches Betäubungsmittel schluckt.

Ihr Fall wird in den Nachrichten, in Talkshows und in der Öffentlichkeit diskutiert. „Ihr Schicksal berührt viele Menschen, sie ist so jung und dennoch unglaublich entschlossen, etwas zu bewirken“, sagt Gwen Fitzgerald, Sprecherin der Sterbehilfe-Organisation Compassion & Choices. Maynard arbeitet eng mit der Organisation zusammen. Die Medikamente hat sie bei sich zu Hause in einer kleinen Tasche parat, wie sie in dem sechsminütigen Video zeigt. Sie wünsche sich eine Welt, in der jeder in Würde sterben könne.

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