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09.01.2015

06:15 Uhr

Kriminalität

Wie Computer Einbrecher in den Knast bringen

Was wie Science Fiction klingt ist in manchen Städten schon Alltag: Nicht nur das Wetter, auch Kriminalität kann inzwischen mit ein wenig Mathematik vorhergesagt werden. Die Algorithmen dafür kommen aus dem Ruhrgebiet.

Die Benutzeroberfläche der Prognose-Software „Precobs“ („Pre Crime Observation System“). Das von Softwareentwickler Michael Schweer programmierte Programm ist in der Lage, Einbrüche vorherzusagen. dpa

Die Benutzeroberfläche der Prognose-Software „Precobs“ („Pre Crime Observation System“). Das von Softwareentwickler Michael Schweer programmierte Programm ist in der Lage, Einbrüche vorherzusagen.

OberhausenDer schwarze Kreis auf dem digitalen Stadtplan ist ein Alarm. In diesem Gebiet mit einem Radius von 500 Metern wird in den nächsten zwei bis sieben Tagen ein Einbruch geschehen - mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent.

Die zuständige Polizei-Dienststelle wird informiert. Das ist keine Hollywood-Science-Fiction, sondern in Zürich schon Polizei-Alltag. Die alarmierende Prognose hat „Precobs“ („Pre Crime Observation System“) errechnet, ein Computerprogramm aus dem Ruhrgebiet.

„In zehn Jahren wird das Standard sein“, prophezeit der Sozialwissenschaftler Thomas Schweer. Der Wissenschaftler trägt ein kariertes Hemd und Turnschuhe. Er gilt als Erfinder von „Precobs“ und ist ein gefragter Mann - Polizei-Verantwortliche aus ganz Europa klopfen bei ihm an.

Wenn eine Handvoll Polizisten in Zürich das System mit den neuesten Verbrechensdaten gefüttert haben, spuckt es mit den Algorithmen aus Oberhausen jeden Morgen seine Prognosen aus. In ihnen spiegelt sich das Verhalten von Profi-Einbrechern wider: „Menschen hinterlassen Muster“, sagt Schweer.

Um 14 Prozent sind die Einbrüche seither in Zürich zurückgegangen - in den Gebieten, die „Precobs“ beobachtet, sind es sogar 30 Prozent. „Bei einem Alarm gibt es zwei Möglichkeiten: Abschrecken durch sichtbare Präsenz, oder auf die Lauer legen durch unauffällige Fahndungstrupps“, sagt Schweer.

Je besser die Prognose, desto eher lohnt sich der deutlich höhere Aufwand von Fahndungstrupps: Vor kurzem seien dabei drei Täter auf frischer Tat ertappt worden. Oft enden damit Tatserien von 100 Einbrüchen und mehr.

Kommentare (3)

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Herr Fred Meisenkaiser

09.01.2015, 08:54 Uhr

Es mangelt der Polizei - dank Sparpolitik - an grundlegenden Dingen. geht bei Fahrzeugen los, die Personalstärke ist viel zu gering. Die haben gar keine Möglichkeit, die Diebe dann zu schnappen.

Und wie will man dann verurteilen? Für 28Mio-Diebstahl gibt es 3 Jahre Knast.
Dafür müssen Einbrecher ganz schon aktiv sein

Frau Frauke Müller

09.01.2015, 09:56 Uhr

Einbrecher werden bei uns nicht in den Knast gebracht! Weder von Computern noch von der Justiz.

Es gibt fast immer mildernde Umstände wie eine schwere Jugend oder einen Migrationshintergrund.

Habe selbst mal geholfen einen Einbrecher (Serbe) zu stellen.
Die Polizei hat ihn auf freien Fuß gesetzt und bei der Gerichtsverhandlung waren alle da - nur einer fehlte: Der Täter!

G. Nampf

09.01.2015, 10:09 Uhr

"...und auch keine Daten sammeln, die die Polizei nicht schon ohnehin gesammelt hat“, sagt Schweer."


Gernau das ist das Problem. Die Polizei sammelt ALLE Daten, ob legal oder nicht.

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