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08.01.2005

19:56 Uhr

Kritik an mangelnden Sicherheitsstandards

Menschliches Versagen Ursache für Zugunglück

Die italienische Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Zugunglück auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Derweil wächst die Kritik an der mangelnden Sicherheit der italienischen Bahn.

HB BERLIN. Das schwere Eisenbahnunglück in Italien am Freitag wird von der Staatsanwaltschaft auf menschliches Versagen zurückgeführt. Vermutlich habe der Fahrer des Passagierzuges bei dichtem Nebel ein Haltesignal übersehen. Ein Defekt einer Weiche sei allerdings auch nicht auszuschließen. Diese Weiche hätte den Zug auf eine kurzes Ausweichgleis umleiten sollen. Die römische Zeitung «La Repubblica» berichtete, die Züge seien mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern ineinander gerast.

Nach dem Unglück stehen die italienische Regierung und die staatliche Eisenbahn im Mittelpunkt der Kritik. Gewerkschaften, Opposition und Medien verwiesen auf mangelnde Sicherheitsstandards auf der eingleisigen Unglückslinie Bologna-Verona. Sie kritisierten außerdem, dass Pläne zum Bau eines zweiten Gleises seit Jahren verschleppt worden seien.

Laut einem Bericht des staatlichen italienischen Fernsehens bargen die Rettungskräfte bisher 16 Tote. Die meisten Leichen sind dem Bericht zufolge durch die Wucht des Aufpralls derart entstellt, dass sich die Identität der Toten nur durch DNA-Tests feststellen lasse.

Kritiker warfen der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi vor, die Sparpolitik bei der Bahn habe zu mangelnder Sicherheit geführt. So habe es an dem Unglücksort kein System gegeben, dass die Züge bei Überfahren eines roten Signals automatisch zum Halten bringt. Außerdem habe die Regierung eher Gelder für die Hochgeschwindigkeits-Linien ausgegeben statt in den Ausbau alter Strecken. Die Regierung erklärte dagegen, die italienische Eisenbahn zähle zu den sichersten in Europa.

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