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22.01.2006

11:32 Uhr

Kritik an Rettungsversuch

"Aktionismus" könnte Entenwal umgebracht haben

Millionen von Menschen nahmen weltweit Anteil am Schicksal des Meeressäugers, der sich aus der Nordsee bis ins Zentrum der britischen Hauptstadt verirrt hatte. Ist der Londoner Themse-Wal trotz oder gerade wegen einer dramatischen Rettungsaktion verendet?

HB LLONDON. Millionen von Menschen nahmen weltweit Anteil am Schicksal des Meeressäugers, der sich aus der Nordsee bis ins Zentrum der britischen Hauptstadt verirrt hatte. Der Entenwal starb am Samstagabend während der Fahrt auf einer Barkasse, die ihn in das offene Meer zurückbringen sollte.

Britische Wissenschaftler begannen am Sonntag mit der genauen Erforschung der Ursachen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, warum der gut fünf Meter lange Entenwal die Themse rund 70 Kilometer bis ins Herz von London heraufschwamm, wo das Wasser für ihn lebensgefährlich flach war. Die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (Hamburg), Petra Deimer, geht davon aus, dass der Wal an Stress gestorben ist.

„Wenn das Tier nicht krank war, dann hat der Aktionismus es umgebracht“, kritisierte die Meeresbiologin am Sonntag die Rettungsbemühungen in Großbritannien. „Sicher war alles gut gemeint, aber es fehlte an Koordination. Boote, Hubschrauber und nächtliche Scheinwerfer haben den Entenwal unter enormen Druck gesetzt.“ Wale seien zwar groß und kräftig, aber sehr sensibel und extrem stressanfällig. Die Expertin vermutet, dass der Orientierungssinn des Londoner Entenwals durcheinander geraten war und das Tier sich deswegen verirrte.

Einer der in Großbritannien beteiligten Meeresbiologen sagte: „Wir haben jetzt viele Rätsel zu lösen.“ Dazu gehörten auch Berichte von Seeleuten, über die Sichtung einer Walfamilie unweit der Themsemündung, von der sich der noch relativ junge Entenwal möglicherweise getrennt habe.

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