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10.07.2015

15:40 Uhr

Kritik im Netz

Ein skurriles Gastgeschenk für den Papst

Ein Geschenk für Papst Franziskus sorgt in den sozialen Netzwerken für Aufregung. Boliviens Präsident Morales hatte dem Papst ein Kreuz in Form von Hammer und Sichel übergeben. Manch einer findet das geschmacklos.

Ein Gastgeschenk der besonderen Art hat sich Boliviens Präsident Evo Morales für Papst Franziskus überlegt. dpa

Papst Franziskus in Bolivien

Ein Gastgeschenk der besonderen Art hat sich Boliviens Präsident Evo Morales für Papst Franziskus überlegt.

Santa Cruz de la Sierra Ein ungewöhnliches Geschenk des bolivianischen Präsidenten Evo Morales an Papst Franziskus hat am Donnerstag in Bolivien für Kontroversen gesorgt: Ein Kreuz in Form von Hammer und Sichel, das von dem 1980 ermordeten Jesuitenpater Luis Espinal geschaffen worden war. Führende Vertreter der katholischen Kirche erklärten anschließend, die Holzskulptur passe zur eigenwilligen Persönlichkeit des linksgerichteten Präsidenten, waren aber über den Sinn des Geschenks verwirrt - ebenso wie das offenbar völlig verblüffte Oberhaupt der katholischen Kirche.

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„Das ist eine Provokation, ein Scherz“, sagte Bischof Gonzalo del Castillo. Der Apostolische Vikar der Amazonasregion Pando, Eugenio Coter, sagte, alle seien inzwischen an die „kreative Originalität“ ihres Präsidenten gewöhnt. Im Internet erntete das Geschenk vorwiegend negative Reaktionen, ein Nutzer sprach von „Respektlosigkeit“, ein weiterer fand die Vermengung zwischen Kommunismus und Religion „hässlich“.

Klartext – deutliche Worte von Papst Franziskus

Aufsehen mit ungewöhnlichen Äußerungen

Papst Franziskus hat mehrfach mit für den Vatikan ungewöhnlichen Äußerungen Aufsehen erregt. Einige Beispiele:

Familienplanung

„Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen.“

Familienehre

„Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mama beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag.“

Flüchtlinge

„Wir sind eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie man weint. Wir haben uns an die Leiden anderer gewöhnt. Es betrifft uns nicht, es interessiert uns nicht, es geht uns nichts an. (...) Die Wohlstandskultur macht uns unempfindlich für die Schreie der anderen und führt zur Globalisierung der Gleichgültigkeit.“

Oberflächlichkeit

„Und so vergeuden wir unsere gottgegebenen Geschenke, indem wir uns mit Schnickschnack beschäftigen; wir verschwenden unser Geld für Spiel und Getränke und drehen uns um uns selbst.“

Kurie

„Eine Kurie, die sich nicht selbst kritisiert, die sich nicht weiterentwickelt, die nicht versucht, sich zu verbessern, ist ein kranker Körper.“

Eitelkeit von Kardinälen

„Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. Wenn das Auftreten, die Farbe der Kleidung und die Insignien der Orden das erste Ziel im Leben werden.“

Tratsch

„Es ist die Krankheit der feigen Menschen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen und hinter dem Rücken reden. (...) Brüder, schauen wir auf den Terrorismus des Geschwätzes!“

Kommunikationsministerin Marianela Paco erklärte dazu, Hammer und Sichel repräsentierten Zimmermänner und Bauern und damit „einfache Arbeiter, Gottes Geschöpfe“. Morales habe mit diesem Geschenk nur auf dieses Symbol anspielen wollen. „Es gab keine andere Absicht“, sagte sie Radio Patria Nueva. Der Papst selbst äußerte sich nach Angaben des Vatikans nicht zu dem skurrilen Kruzifix.

Von

afp

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