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15.08.2013

11:15 Uhr

Langlebigkeit

123-Jähriger Bolivianer ist womöglich ältester Mensch

Keine Nudeln, kein Reis, kein Alkohol: Ein Ureinwohner in den bolivianischen Anden soll nach diesen Regeln 123 Jahre alt geworden sein. Er könnte der älteste jemals registrierte Einwohner des Planeten sein.

Der vermutlich älteste Mensch der Welt: Carmelo Flores Laura mit seinen Großenkeln in Bolivien. ap

Der vermutlich älteste Mensch der Welt: Carmelo Flores Laura mit seinen Großenkeln in Bolivien.

FrasquiaDer Bolivianer Carmelo Flores Laura könnte der älteste jemals auf der Welt registrierte Mensch sein - sofern die Meldebögen korrekt sind: Demnach ist er 123 Jahre alt. Der Ureinwohner vom Stamm der Aymara lebt in einer Strohhütte in einer winzigen Siedlung in der Nähe des Titicaca-Sees auf 4000 Metern Höhe. Er kann nicht lesen oder schreiben, spricht kein Spanisch und hat keine Zähne mehr.

Stock, Brille oder Hörgerät trägt er nicht, doch sagte er jüngst einem AP-Reporter: „Ich sehe nicht besonders gut. Früher war es besser. Aber immerhin habe ich gesehen, wie Sie kamen.“ Mit erhobenem Arm und einem Lächeln begrüßte er den Reporter und setzte sich dann auf einen Stein. Im Mund hatte er einen großen Klumpen Coca-Blätter, wie er sie - wie viele Bolivianer im Hochland - schon sein ganzes Leben lang kaut.

Das Ausweisdokument von Carmelo Flores Laura. Das erfasste Geburtsdatum ist der 16. Juli 1890. dpa

Das Ausweisdokument von Carmelo Flores Laura. Das erfasste Geburtsdatum ist der 16. Juli 1890.

Nach dem Guinness-Buch der Rekorde ist die älteste lebende Person, die ihr Alter auch mit einer Original-Geburtsurkunde nachweisen kann, die 115-jährige Japanerin Miso Okawa. Das höchste jemals offiziell registrierte Alter waren die 122 Jahre und 164 Tage der Französin Jeanne Calment, die 1997 starb. Guinness-Sprecherin Jamie Panas betont, ihr sei kein neuer Rekord eines Bolivianers geläufig.

Flores selbst hat an einer Rekordjagd offenbar auch kein Interesse und gibt sein eigenes Alter reichlich vage an. „Ich bin wohl so etwa 100 Jahre oder älter“, sagte er. Sein Gedächtnis sei nicht mehr das beste.

Aber der Direktor des bolivianischen Einwohnermeldeamts, Eugenio Condori, zeigte der AP ein Verzeichnis, das Flores' Geburtsdatum mit dem 16. Juli 1890 angibt. Allerdings räumte Condori ein, dass es Geburtsurkunden in Bolivien erst seit 1940 gibt. Vorher wurden Taufregister der Katholischen Kirche genutzt. „Für den Staat gilt die Taufurkunde“, sagte Condori. Zeigen wollte der Beamte das Dokument aber nicht. Dieses sei privat, betonte er.

Carmelo Flores Laura vor seinem Haus. Er hat aufgehört, seine Lebensjahre zu zählen. ap

Carmelo Flores Laura vor seinem Haus. Er hat aufgehört, seine Lebensjahre zu zählen.

Nun ja, alt ist Flores in jedem Fall. Bleibt die Frage nach dem Geheimnis hinter seiner Langlebigkeit. „Ich laufe viel herum, das ist alles“, sagte der Greis, der lange als Hirte gearbeitet hatte. „Ich esse keine Nudeln oder Reis, nur Gerste. Früher habe ich Kartoffeln angebaut, Bohnen, Sauerklee.“ Alkohol hat er seit seiner Jugend aufgegeben. Nie sei er weiter von der Heimat entfernt gewesen als im 80 Kilometer entfernten La Paz. Und ernsthaft krank war er auch nie, wie er sagte.

Schmerzlich vermisst Flores seine Frau, die vor zehn Jahren gestorben ist. Und auch von ihren drei Kindern lebt nur noch der 67-jährige Cecilio. Immerhin gibt es Dutzende Enkel und Urenkel.

Von

ap

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