Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.11.2012

13:42 Uhr

Larry Flynt zum 70.

Ein Leben für nackte Tatsachen

Aktivist oder Porno-König? Larry Flynt herrscht als Herausgeber des Erwachsenenmagazins „Hustler“ über ein FSK18-Imperium. Doch gleichzeitig ist er eine Symbolfigur für Redefreiheit und Widerstand. Jetzt wird er 70.

Auch als Film zumindest ein kleiner Skandal: Das Leben von Larry Flynt. ap

Auch als Film zumindest ein kleiner Skandal: Das Leben von Larry Flynt.

Los AngelesWenn der amerikanische Verleger Larry Flynt Enthüllungen und nackte Tatsachen fordert, dann ist damit nicht unbedingt Sex und Schmuddeliges gemeint. Der Gründer des Pornomagazins „Hustler“, der am Donnerstag (1.11.) 70 Jahre alt wird, gibt sich auf seiner Website als Aktivist für Redefreiheit aus. So sorgte der Ultraliberale im September für Wirbel, als er für Infos über die Finanzen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney bis zu eine Million Dollar (etwa 775 000 Euro) in bar bot. „Er ist ein Lügner und ein Schwindler“, wetterte der exzentrische Publizist im Oktober auf seiner Homepage gegen Romney.

Im Falle eines Wahlsieges gegen Amtsinhaber Barack Obama mag der Verleger befürchten, dass der konservative Mormone gegen die Sex-Industrie in den USA vorgehen werde. Auch George W. Bush, laut Flynt „der dümmste Präsident, den wird jemals gehabt haben“, hatte bei dem schillernden Porno-Unternehmer keinen guten Stand. An seinem 62. Geburtstag im Jahr 2004 war Flynt zu seinem Pariser Striptease-Club nahe den Champs-Elysées gereist, „um dem ekelerregenden Klima der Wahlkampagne in den USA zu entfliehen“.

Larry Flynt vor wenigen Jahren. dpa

Larry Flynt vor wenigen Jahren.

Widerwärtig und ekelhaft - das sind Vorwürfe, die der Porno-King selbst oft zu hören bekam. Nach einer ärmlichen Kindheit im ländlichen Kentucky und Indiana, war Flynt noch als Teenager zum Militär gegangen. Mit 22 Jahren gründete er seinen ersten Hustler-Stripclub. Ein kleines Werbeblättchen mit Neuigkeiten über sein wachsendes Geschäft peppte er 1974 zur ersten „Hustler Magazine“- Ausgabe auf. Von Hochglanz-Männermagazinen wie „Playboy“ und „Penthouse“ setzte sich „Hustler“ (was im Englischen für Prostituierte beiderlei Geschlechts steht, aber auch für Drängler oder Schwindler) mit Schmuddel tief unter der Gürtellinie ab.

Das Pornoheft für den kleinen Mann machte immer wieder große Schlagzeilen. Etwa 1975, als Flynt von Paparazzi geschossene Nacktfotos der früheren First Lady Jacqueline Kennedy Onassis veröffentlichte. Den Kampf gegen die Zensur und für die Meinungsfreiheit hat sich Flynt stets auf seine Fahne geschrieben. Unzählige Male stand er vor Gericht, er landete auch kurz im Gefängnis.

Wegen Verbreitung von Pornografie wurde er 1977 in Cincinnati (Ohio) zu einem Vierteljahrhundert hinter Gittern verurteilt, der Jury-Spruch wurde aber später von einem Berufungsgericht aufgehoben. Nach einem Gerichtstermin im US-Staat Georgia wurde Flynt im März 1978 aus dem Hinterhalt angeschossen. Seit dem Attentat ist er von der Hüfte abwärts gelähmt. Der Schütze war vermutlich ein rassistischer Fanatiker, der die Schüsse später zugab, als er bereits wegen einer anderen Straftat im Gefängnis saß. Zu besonderen Anlässen fährt Flynt in einem vergoldeten Rollstuhl vor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×