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08.08.2011

19:31 Uhr

Laut Ermittlerangaben

Breivik stand unter Drogeneinfluss

Der Attentäter von Norwegen stand während er seine Anschläge durchführte unter dem Einfluss illegaler Drogen. Das bestätigte die norwegische Polizei. Die Psychiater beginnen nun mit der Untersuchungen Behring Breiviks.

Anders Behring Breivik. Quelle: AFP

Anders Behring Breivik.

OsloDer geständige Attentäter der Anschläge von Norwegen, Anders Behring Breivik, stand nach Angaben der Ermittler während der Taten unter Einfluss von Drogen. „Ich kann bestätigen, dass er illegale Drogen genommen hatte“, sagte Polizeistaatsanwalt Paal-Fredrik Hjort Kraby am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Dies hätten entsprechende Bluttests ergeben. Angaben zur Art der verwendeten Drogen wollte er nicht machen.

In seinem 1500-seitigen Manifest, das er kurz vor den Anschlägen am 22. Juli mit insgesamt 77 Toten ins Internet stellte, hatte Behring Breivik erklärt, Anabolika eingenommen zu haben. Auch der Anwalt des 32-Jährigen, Geir Lippestad, hatte wenige Tage nach den Anschlägen im Regierungsviertel von Oslo und auf das Jugendcamp der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utöya gesagt, sein Mandant habe Drogen genommen, um sich „stark“ zu machen und wachzuhalten. Hjort Kraby zufolge nahm Behring Breivik neben Anabolika noch weitere Drogen.

Unterdessen nahmen die beiden Psychiater ihre Arbeit auf, die die Zurechnungsfähigkeit des 32-Jährigen untersuchen sollen. Noch in dieser Woche seien Gespräche der Experten mit Behring Breiviks geplant, sagte Hjort Kraby. Bis zum 1. November soll der Bericht der Sachverständigen vorliegen. Breiviks 1500-seitiges Manifest dürfte ein wichtiger Schlüssel bei den Bemühungen sein, den Täter und seine Motive einzuschätzen.

Breivik, der seit zwei Wochen in Isolationshaft sitzt, hatte unterdessen um ein Gespräch mit dem Gefängnispfarrer gebeten. Sein Mandant spüre die Härte der vom Richter angeordneten Isolation, sagte Breiviks Anwalt Geir Lippestad der Internet-Ausgabe der Zeitung „Aftenposten“. Weil die norwegische Polizei einen Selbstmordversuch befürchtet, befindet sich der 32-jährige Attentäter im Gefängnis unter ständiger Beobachtung.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.08.2011, 20:37 Uhr

Also moralisch sollte es ja egal sein, ob er Drogen genommen hat, denn er hat die Tat 9 Jahre lang geplant. Da kann man nicht sagen, die Drogen sind Schuld.
Rechtlich dürfte es aber, so wäre es jedenfalls meines Erachtens in Deutschland, nicht egal sein. Wenn ein Täter bei der Tat unter Drogeneinfluss stand, ist das so, ob er nun die Tat 9 Jahre lang geplant hat oder nicht.
Falls er aber über längere Zeit diese Drogen genommen haben sollte und dadurch irgendwelche Wahnvorstellungen bekommen hat, ist es etwas anderes.

Blinse

08.08.2011, 21:53 Uhr

"Falls er aber über längere Zeit diese Drogen genommen haben sollte und dadurch irgendwelche Wahnvorstellungen bekommen hat, ist es etwas anderes."

Richtig. In Deutschland käme er wahrscheinlich frei, sobald ein Experte das Nachlassen der Wahnvorstellungen feststellte. Der arme Kerl! Und dann Schadenersatz wg Untersuchungshaft, ist doch klar!

Anonymer

09.08.2011, 05:46 Uhr

Ich glaube auch, dass das rechtlich keinen Unterschied macht, weder in Deutschland, noch in Norwegen.
Erstens hatte er die Tat ja geplant, und wenn ich plane, jemanden umzubringen und mich zur Ausführung noch betrinke, dürfte das keine mildernden Umstände geben.
Zweitens scheinen das ja keine Drogen gewesen zu sein, die den Willen oder die Wahrnehmung irgendwie beeinflussen, sondern eher Aufputschmittel. Auch sowas dürfte vor Gericht kaum mildernd berücksichtigt werden.

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