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19.02.2004

10:26 Uhr

Lautstarker Protest von Hinterbliebenen

Kaprun-Prozess: Freispruch für alle Angeklagten

Im Strafprozess um die Seilbahn-Katastrophe im österreichischen Skiort Kaprun sind am Donnerstag alle 16 Angeklagten freigesprochen worden. Das Beweisverfahren habe eine vollständige Entlastung der Angeklagten erbracht, hieß es.

Foto: dpa

Foto: dpa

HB SALZBURG. Mögliche Schadensersatzansprüche gegen Verantwortliche müssten auf dem zivilen Wege durchgesetzt werden, sagte Richter Manfred Seiss im Landesgericht Salzburg. Hinterbliebene der Opfer reagierten mit lautstarkem Protest auf das Urteil und sprachen von einer Schande.

Am 11. November 2000 war eine Gletscherbahn auf dem Weg zum Skigebiet Kitzsteinhorn in Brand geraten und in einem Tunnel völlig ausgebrannt. 155 Menschen wurden getötet, unter ihnen waren 37 Deutsche. Nur zwölf Wintersportler konnten sich damals aus dem Inferno retten.

Auslöser des Unglücks war nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ein für Badezimmer geeigneter Heizstrahler, der nachträglich und unsachgemäß in den Führerstand eingebaut wurde - direkt hinter den Bremsleitungen des „Gletscherjets“. Die Bremsleitungen überhitzten sich und fingen innerhalb von Minuten Feuer. Der Heizstrahler hatte einen Produktionsfehler, befand das Gericht. Es habe zudem keine Vorschrift gegeben, die den Einbau dieser Heizung verboten hätte. Auch alle anderen Materialen und Sicherheitseinrichtungen hätten dem damaligen Stand der Technik entsprochen.

Angeklagt waren 16 Mitarbeiter der Kapruner Gletscherbahn, TÜV-Spezialisten, Konstrukteure und Spitzenbeamte des Wiener Verkehrsministeriums, die für die Aufsicht der Bahn zuständig waren. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen fahrlässiges Handeln vorgeworfen. Es gab in der Seilbahn weder Feuerlöscher noch ließen sich die Türen öffnen. Die Verteidiger hatten jede Schuld bestritten, weil der Brand nicht vorhersehbar gewesen sei.

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