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21.01.2017

13:58 Uhr

Lawinenunglück in Italien

Helfer befreien vier weitere Überlebende

Am dritten Tag, nachdem Schneemassen die Bewohner eines Hotels in den Abruzzen unter sich begruben, befreien Helfer weiter Überlebende aus den Trümmern. Ihr Glück: Sie kamen nicht direkt mit dem Schnee in Berührung.

Italienische Feuerwehrleute ziehen Überlebende aus den Trümmern des Hotels in Farindola. Auch andernorts in Mittelitalien ist die Not weiterhin groß. Reuters, Sascha Rheker

Rettungsaktion

Italienische Feuerwehrleute ziehen Überlebende aus den Trümmern des Hotels in Farindola. Auch andernorts in Mittelitalien ist die Not weiterhin groß.

Rom/FarindolaRettungskräfte haben am dritten Tag nach dem Lawinenunglück in den italienischen Abruzzen vier weitere Überlebende befreit. Insgesamt seien elf Überlebende in den Trümmern des Hotels Rigopiano im Bergort Farindola geortet worden, sagte Feuerwehrsprecher Alberto Maiolo. Zu diesen zählten auch die vier jetzt Geretteten. Ein sechsjähriges Mädchen war bereits am Freitagabend gerettet worden. 23 Menschen werden derzeit noch vermisst. Dies teilte die Präfektur der Provinz Pescara am Samstag mit, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Das Hotel am Gran Sasso war am Mittwochabend von den Schneemassen verschüttet worden. Vermisst wurden zunächst 30 Personen. Bisher wurden vier Leichen entdeckt. Helfer orteten bald Überlebende unter Bergen von Schnee und Trümmern, hatten jedoch Schwierigkeiten, sich zu ihnen durchzukämpfen. Zum einen war die Zufahrtsstraße zunächst vom Schnee blockiert. Zum anderen befürchteten die Helfer, bei ihren Rettungsversuchen eine neue Lawine auszulösen.

Überlebende nach Lawinen-Unglück

„Sie überlebten dank einer Luftblase im Inneren des Hotels“

Überlebende nach Lawinen-Unglück: „Sie überlebten dank einer Luftblase im Inneren des Hotels“

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Das am Freitagabend gerettete Mädchen war mit seiner Familie verschüttet. Tagsüber wurden bereits ihre Mutter und ihr achtjähriger Bruder sowie drei andere Überlebende aus dem Schnee gegraben. Der Vater war zum Zeitpunkt des Lawinenabgangs nicht im Hotel gewesen und schlug dann Alarm. Die Geretteten wurden mit Hubschraubern nach Pescara an der Adriaküste in ein Krankenhaus geflogen.

Seit Freitagvormittag hatten die Einsatzkräfte nach und nach mehrere Menschen aus dem Vier-Sterne-Hotel gerettet, nachdem am Mittwoch eine gewaltige Lawine über dem Haus hineingebrochen war. Trümmer und Möbel wurden in bis zu 400 Metern Entfernung vom Hotel gefunden. Die Helfer – am Freitag waren es 135 – arbeiteten unter riskanten Bedingungen zwischen Massen an Schnee und Trümmern.

Auch in der Nacht machten sie keine Pause – angesichts der vielen Stunden, die bereits seit dem Unglück am Mittwoch vergangen sind, ist keine Zeit zu verlieren. Ein Arzt in Pescara sagte, dass das Glück der Überlebenden sei, dass sie nicht direkt mit dem Schnee in Berührung gekommen seien.

Überlebende nach Lawinen-Unglück

Bewegende Bilder der Rettungsaktion

Überlebende nach Lawinen-Unglück : Bewegende Bilder der Rettungsaktion

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Auch andernorts in Mittelitalien ist die Not weiterhin groß: Wegen des vielen Schnees sind Tausende Haushalte seit Tagen ohne Strom, einige Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Allein am Freitag brachten Einsatzkräfte 120 Menschen in Sicherheit, wie die Feuerwehr auf Twitter mitteilte. Die Menschen in den Abruzzen kommen nicht zur Ruhe: Seit August werden sie immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht – am Mittwoch trafen vier Erdstöße mit einer Stärke über 5 die Region mitten im Schneechaos. Neben den vier Toten im Berghotel waren vier weitere Todesopfer in anderen Orten zu beklagen.

Das verheerende Beben vom 24. August 2016, bei dem um die Stadt Amatrice rund 300 Menschen ums Leben kamen, die Erdstöße vom 26. und 30. Oktober sowie die Beben vom Mittwoch hängen alle zusammen: Eine italienische Experten-Kommission ordnet sie einer einzigen seismischen Sequenz zu, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Sequenz könnte weitergehen. „Bis heute gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die seismische Sequenz erschöpft hat“, hieß es. Doch wann, mit welcher Stärke und ob tatsächlich weitere Beben kommen, vermag niemand zu sagen.

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