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09.02.2004

20:33 Uhr

Lehrstück über den Alltag auf deutschen Autobahnen

Indizien-Puzzle gegen „Turbo-Rolf"

Es war ein Tag ohne besondere Vorkommnisse, sagt der mutmaßliche Autobahnraser, der den Tod einer jungen Mutter und ihrer zweijährigen Tochter . Die Zeugen wollen oder können sich nicht festelegen. Schon zum Prozessauftakt wurde klar, welch schwere Aufgabe auf das Gericht wartet.

Prozess gegen Autobahnraser wegen fahrlässiger Tötung. Foto: dpa

Prozess gegen Autobahnraser wegen fahrlässiger Tötung. Foto: dpa

HB KARLSRUHE. Folgt man dem Angeklagten, dann war jener 14. Juli 2003 ein ganz normaler Tag im Leben eines Daimler-Chrysler-Versuchsingenieurs: Er steht früh auf, tankt um 5.21 Uhr in Sindelfingen, fährt zur Teststrecke nach Papenburg. Er ist ein wenig erkältet, und beim Einchecken ins Testgelände gibt es ein Computerproblem. Ansonsten: Keine besonderen Vorkommnisse.

Folgt man der Staatsanwaltschaft, dann hat der 34-Jährige, der seit Montag vor dem Amtsgericht Karlsruhe steht, zwei Menschenleben auf dem Gewissen. Gegen 6 Uhr morgens soll er mit 220 bis 250 Stundenkilometern auf einen 80 bis 100 Stundenkilometer langsameren Kleinwagen aufgefahren sein - so dicht, dass die Fahrerin vor Schreck die Kontrolle über ihr Auto verlor und in einen Wald raste. Die 21-jährige Mutter und ihre zweijährige Tochter waren sofort tot.

Oberstaatsanwalt Matthias Marx stützt sich auf die Aussagen mehrerer Zeugen, die hinter dem Wagen der Frau fuhren. Ein dunkler Mercedes fuhr dicht auf den Kleinwagen auf, mit einem Tempo, das selbst Schnellfahrer staunen lässt. „Ich wurde flott und zügig überholt“, sagt der Betreiber eines Limousinenservice, der selbst mit mindestens 220 Sachen unterwegs war - das passiere ihm nicht oft.

Und tatsächlich war der nun Angeklagte zu jener Zeit auf der Autobahn A 5 unterwegs - mit einem dunklen Mercedes, und wahrscheinlich schnell. Richterin Brigitte Hecking hat ausgerechnet, dass der 34-jährige Ingenieur - seine eigenen Zeitangaben zu Grunde gelegt - die 283 Kilometer von der Unfallstelle bei Karlsruhe bis zur Raststätte Siegerland mit einem Schnitt von rund 158 Stundenkilometern zurückgelegt haben muss. Seine Kollegen nennen ihn „Turbo-Rolf“ und rechnen ihn der „Linksblinkerfraktion“ zu.

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