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27.09.2012

18:07 Uhr

Leonardo da Vinci

Zweifel an zweiter Mona Lisa

Die Aufregung war groß: Eine Stiftung behauptet, Beweise für eine frühere Version von Leonardo da Vincis Mona Lisa zu haben. Kritiker äußern Zweifel.

Alessandro Vezzosi, Direktor des Leonardo da Vinci Museums in Vinci deutete auf die vermeintliche Frühfassung der berühmten „Mona Lisa“. AFP

Alessandro Vezzosi, Direktor des Leonardo da Vinci Museums in Vinci deutete auf die vermeintliche Frühfassung der berühmten „Mona Lisa“.

Genf/WienDas berühmteste Bild der Welt, die Mona Lisa, soll eine ältere Zwillingsschwester haben, die Leonardo da Vinci selbst gemalt hat. Unter großem Blitzlichtgewitter wurde am Donnerstag in Genf die angeblich zehn Jahre ältere Version präsentiert. Die Stiftung „Mona Lisa Foundation“ stellte neue Erkenntnisse zu dem Bild vor, um die Authentizität ihrer Behauptung zu belegen. Kritiker schenken den Behauptungen allerdings wenig Glauben.

Wissenschaftliche Studien ließen keinen Zweifel daran, dass da Vinci (1452-1519) die Frau im Abstand von etwa zwölf Jahren zweimal selbst gemalt habe, sagten Vertreter der Stiftung. Unterschiede der Bilder seien mit unterschiedlichen Materialen und Maltechniken zu den verschiedenen Entstehungszeiten erklärbar. Der gleiche geometrische Aufbau der Bilder, Röntgentests und Pigmentvergleiche bestätigten die Echtheit.

Mit wissenschaftlichen Analysen soll die Echtheit des zweiten Werks belegt werden, das zehn Jahre vor dem Exemplar im Pariser „Louvre“ angefertigt worden sein soll. AFP

Mit wissenschaftlichen Analysen soll die Echtheit des zweiten Werks belegt werden, das zehn Jahre vor dem Exemplar im Pariser „Louvre“ angefertigt worden sein soll.

Dass das um 1503 entstandene weltbekannte Bild der Mona Lisa, das jährlich Millionen Menschen in den Pariser Louvre zieht, eine Zwillingsschwester habe, sollen auch historische Dokumente zeigen: An der Universität Heidelberg wurde demnach 2005 ein historisches Dokument gefunden, das die Entstehung der ersten Version beschreibe. Der den Angaben zufolge vom FBI ausgebildete forensische Künstler Joe Mullins führte in Genf aus, dass die frühere und die spätere Mona Lisa die gleichen Gesichtszüge hätten. Nur sei die Frau der ersten Version etwa ein Jahrzehnt jünger.

Doch Kunsthistoriker meldeten Zweifel an: „Es gibt keinerlei Grundlage zu behaupten, dass dieses Bild ein Original von da Vinci ist“, sagte der emeritierte Professor für Kunstgeschichte an der Universität von Oxford, Martin Kemp, vor der Präsentation. Viele Details wiesen darauf hin, dass keinesfalls beide Bilder aus der Hand des Meisters entstanden seien. „Die Haare, die Struktur ihrer Hände, der durchscheinende Stoff ihres Kleides, die Atmosphäre der Landschaft ist völlig anders“, sagte Kemp der dpa. Der Wissenschafter vermutet, dass die Stiftung die Gelegenheit nutze, um mit der lange verschollenen „Isleworth Mona Lisa“ Geld zu verdienen.

Das in Genf präsentierte Bild wurde 1913 erstmals von einem englischen Sammler in einem englischen Landhaus entdeckt und wurde 1938 in London ausgestellt. Der britische Kunstliebhaber Henry Pulitzer kaufte 1962 das Gemälde und brachte es in die Schweiz, wo es über 40 Jahre in einem Safe war. Nach seinem Tod übernahm 2008 ein internationales Konsortium das Bild. Zwei Jahre später folgte die Gründung der Mona Lisa Foundation, die die Überprüfung der Echtheit des Bildes zum Ziel hatte.

Die Non-Profit-Organisation Mona Lisa Foundation wollte nur die Fakten sprechen lassen. „Jeder Experte hat das Recht zu anderen Ergebnissen zu kommen“, sagte der Präsident der seit Juli 2011 in Zürich ansässigen Stiftung, Markus Frey, bei der Präsentation.

Von

dpa

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