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23.08.2011

14:28 Uhr

Loriot ist tot

Deutschland trauert um Vicco von Bülow

Der große, feine Mann des deutschen Humors ist tot: Vicco von Bülow alias Loriot verstarb im Alter von 87 Jahren am Starnberger See. Wie kein anderer Humorist prägte er die deutsche Kultur, auch wenn der Ruhm spät kam.

Berlin/AmmerlandLoriot ist tot. Deutschlands berühmtester Humorist, der mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow hieß, starb am Montag mit 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See, wie der Diogenes Verlag mitteilte. Loriot sei zu Hause „sanft entschlafen“, sagte Diogenes-Sprecherin Ruth Geiger.

Loriots Szenen voller Sprachwitz und Pointen sind legendär - etwa der Sketch mit der Nudel im Gesicht beim Rendezvous oder der Cartoon „Herren im Bad“ („Die Ente bleibt draußen“). Auch seine beiden Kinofilme „Ödipussi“ und „Pappa ante portas“ begeisterten Millionen Menschen.

Die Familie habe den Schweizer Diogenes-Verlag gebeten, die Öffentlichkeit zu informieren, sagte Verlagssprecherin Geiger. Eine ergänzende Stellungnahme der Angehörigen sei nicht geplant. „Die Trauerfeier findet im engsten Familienkreis statt“, sagte die Verlagssprecherin. Der Termin wurde von Geiger nicht genannt. „Die Familie möchte dies nicht.“

Loriots bekannteste Figuren

Erwin Lindemann

Der 66 Jahre alte Rentner soll einem Fernsehreporter schildern, was er mit einem Lottogewinn von 500.000 Mark vorhat und wirft alles durcheinander. „Ich heiße Erwin Lindemann, ich bin 500.000 Jahre alt ... In 66 Jahren fahre ich nach Island ... und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herren- Boutique in Wuppertal.“

Ehepaar Hoppenstedt

Frau Hoppenstedt macht gerade ihr Jodeldiplom („Holleri di dudl jö“), was ihr Gatte begrüßt: „Dann hat sie was Eigenes!“ Beim Restaurantbesuch mit einem befreundeten Ehepaar kommt es wegen eines Mokka-Trüffel-Parfaits mit Zitronencreme-Bällchen - genannt Kosakenzipfel - zum Eklat: „Man soll eben auf Campingplätzen keine Bekanntschaften machen!“ Düsseldorfer Konditoren nahmen einst Loriots Sketch zum Anlass, eine Süßspeise „Kosakenzipfel“ zu schaffen.

Herr Müller-Lüdenscheidt

Trifft in seiner Hotel-Badewanne unerwartet auf Herrn Dr. Klöbner. In Loriots Cartoon entbrennt zwischen den knollennasigen Männern ein Streit um Badegewohnheiten und die Bade-Ente: „In meiner Wanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen!“ Und: „Die Ente bleibt draußen!“

Ödipussi

In Loriots Kinofilm (1988) emanzipiert sich ein 56- jähriges Muttersöhnchen (Loriot) zum ersten Mal von seiner Mutter: „Sag' nicht immer Pussi zu mir!“ Vor allem seine Annäherungsversuche an eine Diplom-Psychologin (Evelyn Hamann, 1942-2007) sorgen für Wirbel.

Die Steinlaus

Von Fernseh-Zoofachmann Dr. Grzimek alias Loriot im Studio eingeführtes Nagetierchen, das während der Sendung steinerne Schreibtisch-Aschenbecher und Schalen pulverisiert. Fand sogar Eingang im Klinischen Wörterbuch „Pschyrembel“ als „Steinlaus: syn. petrophaga lorioti“.

Wum und Wendelin

Der Fernsehhund und sein Kumpan, der Elefant, warben seit den 70er Jahren in Cartoons für die „Aktion Sorgenkind“ vom ZDF (heute „Aktion Mensch“) in Wim Thoelkes Sendung „Der große Preis“ („Thööööölke!“).

Loriot wurde zunächst mit Knollennasenmännchen in Zeitschriften-Cartoons bekannt. Später kamen die Fernseh-Sketche, etwa in der ARD-Serie „Loriot I-VI“ in den 70er Jahren, hinzu. In Sketchen wie über die Familie Hoppenstedt trat Loriot meist selbst als wandlungsfähiger Schauspieler auf, oft mit seiner bereits 2007 gestorbenen Kollegin Evelyn Hamann.

Loriot schrieb legendäre Dialoge von Männern und Frauen, die seiner schlitzohrigen Meinung nach überhaupt nicht zusammenpassen, etwa über das weich- oder hartgekochte Frühstücksei. Außerdem machte er den vielleicht bekanntesten Rentner und Lottomillionär der Fernsehgeschichte unsterblich: Erwin Lindemann (vom Schauspieler Heinz Meier dargestellt), der „seit 66 Jahren“ Rentner ist und vor einem Fernsehteam völlig verwirrt seinen Plan verkündet, mit seiner Tochter und dem Papst eine Herrenboutique in Wuppertal zu eröffnen.

Kommentare (6)

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2703jakob

23.08.2011, 13:12 Uhr

Leb wohl, Loriot!! Vielen Dank für Deinen Humor und das Lachen, daß Du uns gebracht hast!

bapthist

23.08.2011, 13:37 Uhr

Ein ganz Grosser ist leider von uns gegangen - aber nie wird er aus unseren Herzen gehen. Von dir konnten und können noch so viele lernen, was wahrlich Humor ist. Deine "Gesammelten Werke" haben schon lang einen Ehrenplatz bei mir.....

eine_bewunderin_JG1963_dankt

23.08.2011, 13:50 Uhr

Auch ich bin sehr traurig über diesen Verlust. Wieder ist ein großer der "alten Garde" von uns gegangen udn zurück bleiben leider nur die weniger Fähigen, die meinen, dass Comedy mit Platten Sprüchen auf Kosten anderer die Leute erfreut. Es wird eben immer ärmer in unserer (Medien-)Welt!

Danke an den großartigen und neiveauvollen Vicco von Bülow.

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