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02.11.2013

12:35 Uhr

Los Angeles

Amokläufer schoss wohl aus Wut über Behörde

Ein Mann holt am Flughafen von Los Angeles ein Gewehr aus dem Rucksack und schießt los, ein Mensch stirbt, fünf sind verletzt. Ein Schreiben in seinem Rucksack gibt nun Hinweise auf die Motive.

Polizisten am Flughafen von Los Angeles AFP

Polizisten am Flughafen von Los Angeles

Los Angeles Wohl aus Wut über die Flugsicherheitsbehörde der USA hat ein 23-jähriger Mann im Airport von Los Angeles um sich geschossen und einen Sicherheitsbeamten getötet. Es gab mindestens fünf Verletzte. Darunter waren zwei weitere Sicherheitsleute und der Schütze, der von mehreren Schüssen getroffen und festgenommen wurde, wie die Polizei am Freitagabend (Ortszeit) mitteilte.

Im Flughafen und im Luftverkehr der USA brach nach dem Zwischenfall Chaos aus. Insgesamt sollen 1550 Flüge und 167 000 Passagiere betroffen gewesen sein, wie die Flughafenverwaltung mitteilte. Der gesamte Flugplan kam ins Rutschen, nachdem 86 ankommende Flüge zu anderen Airports umgeleitet wurden. US-Präsident Barack Obama drückte den Angehörigen des Toten und der verletzten Sicherheitsbeamten sein Mitgefühl aus.

Der 23-jährige Paul Ciancia aus New Jersey soll nach Angaben der Flughafenpolizei Freitagmorgen um 09.20 Uhr (Ortszeit) mit einem halbautomatischen Gewehr und 150 Schuss Munition in das Terminal 3 des Flughafens gekommen sein und das Feuer eröffnet haben. Hinweise auf sein Motiv fand man nach Angaben aus Polizeikreisen in einem handschriftlichen Pamphlet in seinem Rucksack.

Die USA und die Waffen

Undurchsichtige Rechtslage

Im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ist das Recht auf privaten Waffenbesitz verbrieft. Dort heißt es: "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Seit 1993 steht etwa eine Überprüfung von Waffenkäufern im Bundesrecht. Verurteilte Kriminelle, Menschen mit psychischen Störungen oder Drogenabhängige dürfen demnach keine Schusswaffen erwerben. Ein im Folgejahr erlassenes Verbot halbautomatischer Gewehre wurde dagegen 2004 nicht verlängert. Dazu kommt ein Dschungel an Gesetzen und Verordnungen auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Immer wieder landeten regionale Beschränkungen für Waffenerwerb und -besitz dabei vor dem Obersten Gerichtshof, der in Grundsatzurteilen 2008 und 2010 ein Recht auf private Waffen anerkannte.

Zahl der Schusswaffen

Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz - das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr gaben 47 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Jeder dritte US-Bürger ist demnach selbst Waffenbesitzer.

Die Waffenschmieden des Landes produzierten im Jahr 2011 knapp 2,5 Millionen Pistolen, 573.000 Revolver sowie mehr als drei Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen (ATF) zeigen. In den USA gibt es fast 130.000 lizensierte Waffenhändler.

Opfer durch Waffengewalt

Mehr als 30.000 Menschen sterben in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen - darunter sind mehr als 12.000 Morde. Die Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign geben in ihrer Berechnung aus dem Jahr 2011 an, dass 270 Menschen täglich durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden. Darunter seien auch 38 verletzte und acht getötete Minderjährige. Nach Angaben der Bundespolizei FBI wurden im vergangenen Jahr 68 Prozent aller Morde mit Schusswaffen verübt.


Darin heiße es, er wolle Mitarbeiter der Verkehrssicherheitsbehörde TSA und „Schweine“ töten. Die TSA war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gegründet worden. Der Notiz des Amokläufers sei zu entnehmen gewesen, dass er seine Rechte durch TSA-Durchsuchungen verletzt gesehen habe, hieß es weiter. Es handele sich um einen „vergrätzten Patrioten“, der wütend über Heimatschutzministerin Janet Napolitano gewesen sei.

Der Vater des 23-jährigen hatte sich etwa zur Tatzeit an der Ostküste an die Polizei von New Jersey gewandt und auf eine SMS hingewiesen, in der sein Sohn mit Selbstmordabsichten äußerte. Diese soll an eines seiner Geschwister gegangen sein. Daraufhin sei die Polizei in Los Angeles alarmiert worden, die einen Streifenwagen zur Wohnung von Ciancia geschickt habe. Zimmergenossen erklärten, sie hätten ihn zuletzt am Donnerstag gesehen und es gehe ihm gut.

Flughafenpolizeichef Patrick Gannon sagte, der Amokläufer habe sein Sturmgewehr aus seinem Rucksack geholt und zu schießen begonnen. Er habe auf einen Kontrollpunkt gefeuert, an dem ein Sicherheitsbeamter die Dokumente der Fluggäste prüft. Beamte hätten das Feuer erwidert und den Mann festgenommen. „Wie man sich vorstellen kann, brach wegen dieses Vorfalls großes Chaos aus“, sagte Gannon.

Er habe mehr als ein Dutzend Schüsse gehört, sagte Augenzeuge Brian Keech. Ein anderer, Ben Rosen, sagte, er habe Menschen in alle Richtungen fortlaufen gesehen, andere hätten sich niedergekauert. Er selbst habe sich auf den Boden gelegt. Andere Reisende beschrieben chaotische Szenen bei der Evakuierung des Terminals.


Der Flughafen in Los Angeles ist der drittgrößte in den USA. Terminal 3 wird von den Fluggesellschaften Virgin America, AirTran, Alaska Airlines, Horizon Air, JetBlue, Virgin Australia und anderen genutzt. Es blieb am Freitag geschlossen.

Vor mehr als zehn Jahren hatte es schon einmal am Flughafen LAX gegeben. Am 4. Juli 2002 eröffnete der Fahrer einer Limousine das Feuer am Schalter der Fluggesellschaft El Al. Zwei Personen starben, der Attentäter wurde ebenfalls getötet.

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