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24.07.2012

12:32 Uhr

Loveparade-Unglück

Duisburg trauert – und versucht den Neuanfang

Die Schuldfrage ist immer noch ungeklärt. Die Strafverfolger ermitteln weiterhin gegen 17 Beschuldigte. Doch trotz Trauertag und noch nicht abgeschlossenem Verfahren stehen die Zeichen in Duisburg auf Neuanfang.

Duisburg trauert

Hunderte Kerzen für Opfer der Love Parade

Duisburg trauert: Hunderte Kerzen für Opfer der Love Parade

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KölnGekommen waren sie zum Feiern, gefunden haben sie den Tod: 21 Menschen starben am 24. Juli 2010 bei der Loveparade in Duisburg, gut 500 wurden verletzt - und auch zwei Jahre danach ist die Schuldfrage ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter, ein Termin für eine Anklageerhebung steht noch nicht fest. "Es ist viel Zeit vergangen, und wir sind alle ungeduldig", sagt Jürgen Hagemann vom Verein Loveparade-Selbsthilfe, einem Zusammenschluss von Opfern und Hinterbliebenen der Katastrophe. "Wir sehen aber auch, dass die Ermittlungen nach einem solchen Ereignis lange Zeit brauchen."

Wegen der tödlichen Massenpanik am einzigen Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände ermitteln die Strafverfolger weiterhin gegen 17 Beschuldigte: elf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, fünf Beschäftigte des Loveparade-Veranstalters Lopavent und einen Polizisten. Klar scheint bisher lediglich, dass Verantwortliche fahrlässig gehandelt haben - sonst hätte die Techno-Veranstaltung auf einem eingezäunten alten Bahnhofsgelände wohl kaum so furchtbar aus dem Ruder laufen können.

Genau 3386 Zeugen hat die Polizei bisher vernommen, die Hauptakten des Verfahrens umfassen mittlerweile 30.000 Blatt. Ein Zeitpunkt für eine abschließende Entscheidung in dem aufwändigen Ermittlungsverfahren lasse sich aber auch weiter "nicht sicher vorhersagen", teilte Oberstaatsanwalt Bernhard Englisch im Vorfeld des zweiten Jahrestags mit.

Doch trotz des Trauertags am Dienstag und der noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen stehen die Zeichen in Duisburg auf Neuanfang. Denn nachdem im Februar der langjährige CDU-Oberbürgermeister Adolf Sauerland abgewählt wurde, scheint sich das zuvor schwierige Verhältnis zwischen Hinterbliebenen der Opfer und der Stadt deutlich zu entspannen. Monatelang hatte Sauerland sich geweigert, zurückzutreten und damit die politische Verantwortung für das Loveparade-Desaster zu übernehmen. Nun scheint Duisburgs neues Stadtoberhaupt Sören Link (SPD) die Wogen glätten zu können.

So fasste der Duisburger Rat vor knapp drei Wochen, kurz nach der Wahl von Link, einen Beschluss, mit dem ein langes Tauziehen um die Größe der geplanten Gedenkstätte am Unglücksort beendet wurde: Der Plan für die Neubebauung des Unglücksgeländes durch einen privaten Investor sieht nun eine Fläche von 660 Quadratmetern für die Gedenkstätte vor - mehr als sechs Mal soviel wie zunächst erwogen. Wie die Gedenkstätte aussehen wird, ist noch offen. "Wir rechnen damit, dass es nach dem zweiten Jahrestag Gespräche mit der Stadt über die Gestaltung geben wird", sagt Hagemann vom Betroffenen-Verein.

Am Dienstagnachmittag werden nun zunächst die Angehörigen und diejenigen, die bei dem Loveparade-Unglück verletzt worden waren, Gelegenheit zu einem gemeinsamen Gedenken am Katastrophenort haben - abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Danach ziehen die Trauernden in einem Mahnmarsch zur Duisburger City. "Die Menschen wollen sich der Bevölkerung zeigen", unterstreicht Hagemann. Vor dem Duisburger Stadttheater beginnt schließlich am Abend die zentrale Gedenkfeier, zu der auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erwartet wird.

Am Rande der Feier dürften die Vertreter von Land und Stadt auch Gelegenheit haben, mit den Hinterbliebenen über deren erneute Bitte um mehr Hilfe zu sprechen. Erst am Wochenende hatte der Betroffenen-Verein unter anderem beklagt, dass der Kampf um Entschädigung nach den ersten Soforthilfen zuletzt wieder "schwierig und belastend" geworden sei. Außerdem beklagte die Loveparade-Selbsthilfe, dass die Finanzierung der bisherigen Treffen von Opfern der Katastrophe künftig ungeklärt sei: "Wir bitten Stadt Duisburg und Landesregierung dringend, diese Treffen auch in Zukunft sicherzustellen."

Von

afp

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