Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.04.2016

13:26 Uhr

Loveparade-Unglück

Gericht will keinen Strafprozess

Bei der Loveparade 2010 starben 21 Menschen, hunderte wurden verletzt und traumatisiert. Trotzdem soll die Katastrophe ohne strafrechtliche Folgen bleiben. Für die Hinterbliebenen wäre das eine riesige Enttäuschung.

Im Gedränge an der Unterführung kamen 21 Besucher um. dpa

Loveparade-Katastrophe

Im Gedränge an der Unterführung kamen 21 Besucher um.

DuisburgDas Unglück bei der Loveparade vor knapp sechs Jahren mit 21 Toten und Hunderten Verletzten wird nach Informationen der „Bild“-Zeitung vorerst nicht in einem Strafprozess aufgearbeitet. Die zuständige Kammer am Duisburger Landgericht habe die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, berichtete die Zeitung (Dienstag) unter Berufung auf Duisburger Justizkreise. Die Entscheidung solle an diesem Dienstag offiziell verkündet werden.

Die zuständigen Richter hätten vor allem mit einem Gutachten des britischen Panikforschers Keith Still Probleme gehabt. Dieses Gutachten ist ein zentrales Beweismittel der Staatsanwaltschaft. Das Gericht hatte zuletzt zahlreiche kritische Fragen an den Experten gehabt. Ein Sprecher des Landgerichts wollte sich am Dienstagmorgen auf Anfrage nicht zu dem „Bild“-Bericht äußern.

Bei der Loveparade in Duisburg am 24. Juli 2010 war es an einer Engstelle zu einem tödlichen Gedränge gekommen. 21 Menschen starben bei dem Technofestival, mindestens 652 wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die Getöteten kamen aus Deutschland, Australien, den Niederlanden, Spanien, Italien und China.

Chronologie zur Loveparade-Tragödie

24.Juli 2010

Vor dem Eingang zum Loveparade-Gelände entsteht eine Massenpanik. Menschen werden erdrückt oder niedergetrampelt.

27. Juli 2010

Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nennt Rücktrittsforderungen gegen ihn nachvollziehbar, bleibt aber im Amt.

31. Juli 2010

Bei einer Trauerfeier nehmen Tausende in Duisburg Abschied von den Opfern. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hält eine bewegende Trauerrede.

18.Januar 2011

Die Staatsanwaltschaft Duisburg nimmt Ermittlungen gegen den damaligen Einsatzleiter der Polizei sowie gegen Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters Lopavent auf. Sauerland und Lopavent-Chef Rainer Schaller gehören nicht zu den Beschuldigten.

12. Februar 2012

Die Duisburger stimmen in einem Bürgerbegehren mit großer Mehrheit für die Abwahl des Oberbürgermeisters.

24. Juli 2013

Am dritten Jahrestag wird eine neue Gedenkstätte am Unglücksort eröffnet. Lange hatten die verschiedenen Opfergruppen und der Besitzer des Grundstücks, ein Möbelhaus-Investor, um die Gestaltung des Geländes gerungen. Nun erinnern 21 Holzkreuze und eine Gedenktafel an die Opfer.

11. Februar 2014

Die Staatsanwaltschaft Duisburg erhebt Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt und gegen vier Mitarbeiter des Veranstalters wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Im Februar 2014 hatte die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters erhoben. Ihnen wurden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Seitdem hat das Landgericht im sogenannten Zwischenverfahren aufwendig geprüft, ob eine Verurteilung im Hauptverfahren – also in der eigentlichen Gerichtsverhandlung – wahrscheinlich ist. Ist das nicht der Fall, wird der Hauptverfahren gar nicht erst eröffnet.

Staatsanwaltschaft und Nebenkläger könnten gegen einen sogenannten Nichteröffnungsbeschluss eine sogenannte sofortige Beschwerde einlegen. Kommt es dazu, wird ein Beschwerdesenat die Entscheidung überprüfen. Dies dürfte wiederum einige Zeit in Anspruch nehmen. Wird die Beschwerde abgelehnt, gibt es kein weiteres Rechtsmittel gegen die Nichtzulassung. Eine erneute Anklage kann dann nur auf Grund neuer Tatsachen oder Beweismittel erhoben werden.

Die Hauptakte mit den wichtigsten Unterlagen für den Prozess umfasst mehr als 46 700 Seiten und füllt 99 Aktenordner. Hinzu kommen mehr als 800 Ordner mit ergänzendem Aktenmaterial.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×