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04.06.2011

13:49 Uhr

Lübeck

Ehec-Ermittler nehmen Restaurant ins Visier

Auf der Suche nach der Ehec-Infektionsquelle konzentrieren sich die Ermittler auf ein Lübecker Restaurant. Acht Frauen hatten dort Mitte Mai gemeinsam zu Abend gegessen. Kurz darauf erkrankten sie an dem Darmkeim.

Nach neuesten Vermutungen haben sich Restaurant-Gäste mit Ehec infiziert. Quelle: dpa

Nach neuesten Vermutungen haben sich Restaurant-Gäste mit Ehec infiziert.

BerlinBei den Ermittlungen zur Ursache der gefährlichen Ehec-Darminfektionen in Deutschland führt einem Zeitungsbericht eine Spur in ein Lübecker Restaurant. Wie die „Lübecker Nachrichten“ am Samstag berichteten, erkrankten 17 Menschen nach einem Besuch in dem Lokal. Ein Lübecker Mikrobiologe wurde mit den Worten zitiert, das Restaurant treffe keine Schuld. „Allerdings kann die Lieferantenkette möglicherweise den entscheidenden Hinweis geben, wie der Erreger in Umlauf gekommen ist.“

Dem Blatt zufolge besuchten die Erkrankten das Restaurant zwischen dem 12. und dem 14. Mai. „Bemerkenswert ist, dass es sich bei den Erkrankten um Teilnehmer unterschiedlicher Gruppen handelt“, sagte der Wissenschaftler dem Blatt. Einige Besucher waren der Zeitung zufolge Mitglieder einer Gruppe der Deutschen Steuergewerkschaft. Laut Ondracek haben am Freitagabend, dem 13. Mai auch etwa 30 Frauen der Bezirks- und Landfrauenvertretung in dem Lübecker Restaurant gegessen. Später seien acht Frauen an einer Ehec-Infektion erkrankt. Eine Frau aus Nordrhein-Westfalen sei inzwischen gestorben, sie werde am Montag beigesetzt. Die anderen seien zum Teil schwer erkrankt, befänden sich inzwischen aber alle auf dem Weg der Besserung. Alle Teilnehmerinnen des Treffens hätten beim RKI Proben abgeben müssen und seien befragt worden.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtete, der Ausbruch der Epidemie falle womöglich mit dem Hamburger Hafengeburtstag Anfang Mai zusammen. Diese These werde intern beim Robert-Koch-Institut (RKI) favorisiert, schrieb das Blatt in einer Vorabmeldung unter Berufung auf RKI-Kreise. Für eine offizielle Stellungnahmen war das Institut allerdings bisher nicht zu erreichen.

Etwa 1,5 Millionen Menschen hatten vom 6. bis zum 8. Mai das Hafenfest besucht. Gut eine Woche später seien die ersten Patienten mit Durchfall ins Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf gekommen, schrieb „Focus“. Der zeitliche Abstand zwischen dem Fest und den ersten Erkrankungen im Hamburger Uniklinikum würde demnach dem typischen Verlauf einer Ehec-Erkrankung entsprechen.

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Hamburg und Schleswig-Holstein sind - gerechnet auf die Bevölkerungszahl - nach Behördenangaben bislang am stärksten von den Ehec-Infektionen betroffen. Bei vielen Patienten entwickelt sich zudem das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das lebensgefährlich ist und zu einem Nierenversagen führen kann. Bis Freitag wurden nach offiziellen Angaben mehr als 1700 Ehec-Infektionen registriert. 

Indes schließt der Linke-Politiker und Biologe Jan van Aken einen terroristischen Hintergrund der Ehec-Epidemie aus. Die Entwicklung eines solchen Erregers im Labor übersteige die Möglichkeiten terroristischer Vereinigungen, sagte der Fraktionsvize, der auch Gründer der Forschungsstelle Biowaffen der Universität Hamburg ist, am Samstag im Deutschlandradio Kultur. „Die Terroristen sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon an den ganz alten, einfachen, klassischen Biowaffen gescheitert.“ Bundesweit werden bisher 19 Todesfälle mit dem Ehec-Darmkeim in Verbindung gebracht.

Kommentare (2)

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Rainer_J

04.06.2011, 16:27 Uhr

Scheint wohl eine absichtliche oder unabsichtliche Verseuchung eines Lebensmittelgroßhändlers zu sein. Die absichtliche Verseuchung sollte man definitiv nicht ausschließen. Bis zum 11.09.2001 hatte man sich auch nicht vorstellen können, dass Terroristen Großflugzeuge fliegen können. Zugang zu einem Laborschrank und Zugang zu einem Lebensmittelgroßhändler halte ich auch nicht für sonderlich weit hergeholt.

Peti

04.06.2011, 17:40 Uhr

Schaut euch das hier mal an!

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/ehec-raetsel-geloest-informationen-ueber-ein-geheimes-b-waffen-forschungsprojekt-der-bundeswehr.html

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