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06.01.2003

14:45 Uhr

Luftwaffen-Jets sollten abschrecken

Abschuss über Frankfurt war kein Thema

Ein Abschuss des entführten Motorseglers über Frankfurt stand nach Angaben des Verteidigungsministeriums nie zur Debatte. Sehr schnell sei klar geworden, dass sich in dem Kleinflugzeug außer dem Treibstoff keine anderen Explosivstoffe befanden, sagte der Ministeriumssprecher am Montag in Berlin.

HB/dpa BERLIN. Ebenso wie die Flugsicherung gelangten auch die Militärs zu der Auffassung, dass der Entführer kaum einen dramatischen Gebäudeschaden hätte anrichten können, wenn die Maschine in ein Hochhaus geflogen wäre.

Ein Motorsegler des entführten Typs sei in etwa vergleichbar mit einem VW-Golf. „Stellen Sie sich vor, ein Auto dieses Typs rast auf ein Hochhaus zu. Der Schaden wäre relativ gering“, meinte der Sprecher.

Dennoch wurde eine so genannten Alarm-Rotte der Bundesluftwaffe, bestehend aus zwei F4F-Phantom-Jäger mit je zwei Mann Besatzung, vom Fliegerhorst in Neuburg an der Donau Richtung Frankfurt geschickt. Dabei sei zunächst auch auf eine Abschreckung des um 15.05 Uhr in Babenhausen gestarteten Piloten gesetzt worden, sagte der Ministeriumssprecher.

Offiziell informiert von dem Luftzwischenfall wurden die Behörden von einem der zwei Luftverteidigungsgefechtsständen, die in Meßstetten auf der Schwäbischen Alb und in Kalkar (Nordrhein- Westfalen) beheimatet sind. Militärische Spezialisten aus mehreren Nato-Staaten verrichten in diesen Gefechtsständen ihren Dienst. Die Sicherung des deutschen Luftraumes werde in einem engen Verbund mit den Nato-Partnern wahrgenommen. Um 16.09 Uhr sei die Bundesluftwaffe „ins Spiel gekommen“, sagte der Sprecher. Von diesem Zeitpunkt an hatte sich auch Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) eingeschaltet, der in ständigem Telefon-Kontakt mit Bundeskanzler Gerhard Schröder stand.

Die Entscheidung zum Start der Alarm-Rotte sei von einem deutschen Luftwaffengeneral in Abstimmung mit Struck getroffen worden. Die zwei Phantom-Maschinen starteten um 16.28 Uhr von Neuburg und hatten nach rund 15-minütiger Flugzeit um 16.44 Uhr über Frankfurt Sichtkontakt zu dem Piloten des Motorseglers. Der Einsatz der Bundeswehr-Jets sei eine „Frage der Güterabwägung“ gewesen, sagte der Sprecher auf die Frage nach der Zeitdifferenz zwischen dem Start des Motorseglers und dem Eingriff der Luftwaffe.

Eine Entscheidung, den Motorsegler anzugreifen, wäre nach Angaben des Ministeriumssprechers am Sonntag zwischen Struck als Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt im Frieden sowie Schröder und dem hessischen Ministerpräsidenten gefallen.

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