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17.03.2014

14:53 Uhr

Luftwerte weiter dramatisch

Mit Fahrverboten gegen den Pariser Smog

VonThomas Hanke

Die französische Regierung bremst die Autofahrer aus: Wegen der schlechten Luftwerte dürfen nur bestimmte Privatwagen auf die Straßen. Doch die Luftwerte in der französischen Hauptstadt bleiben dramatisch schlecht.

Hunderte Auto-Kontrollen

Paris kämpft gegen den Smog

Hunderte Auto-Kontrollen: Paris kämpft gegen den Smog

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ParisIm Pariser Stadtverkehr gilt noch das Faustrecht: Draufhalten und die Bremse ignorieren – wer zögert, hat schon verloren. Die Umweltplakette ist unbekannt, aus den Auspüffen stinkt, qualmt und rußt es, als wäre man in Manila. Ausgerechnet diese bekennend zügellosen Autofahrer hat die französische Regierung am Montag gezähmt: Mit der Anordnung, dass wegen der extrem hohen Feinstaubwerte in Paris und drei angrenzenden Départements der Ile de France nur Privatwagen mit ungerader Nummer fahren dürfen.

Die vorher als lächerliche Kosmetik abgetane Maßnahme hat sich zumindest mit Blick auf das Verkehrsaufkommen als erstaunlich wirksam erwiesen. Das nationale Informationszentrum für den Straßenverkehr berichtete von lediglich 80 Kilometer Staus in der Umgebung von Paris, während an einem normalen Montag 200 bis 250 Stundenkilometer gezählt würden.

Und der eigene Augenschein bestätigt es: Die Franzosen, die sich gerne als rebellisch und aufsässig sehen, halten sich brav an die Anordnung von Regierung und Präfektur. Kein Auto mit gerader Endnummer ist zu sehen. Auf dem Rond Point de l’Etoile, an dem sich die Fahrzeuge normalerweise Stoßstange an Stoßstange drängen, geht es so entspannt zu wie an einem Wochenende.

Smog-Alarm in Deutschland

Wintersmog

Smog-Alarm war in Deutschland vor allem in den 1980er Jahren ein Thema. Damals war von Wintersmog die Rede: Vor allem bei Inversionswetterlagen, wenn wärmere Luftmassen in der Höhe das Entweichen von Kaltluft am Boden verhindern, entstehen solche Dunstglocken. Dann können sich Schadstoffe von Heizungen, Fahrzeugen und Kraftwerken anreichern.

Alarm

Der letzte Smogalarm sei in Westdeutschland 1987 ausgerufen worden, in Ostdeutschland im Jahr 1993, teilte das Umweltbundesamtes (UBA) am Montag in Dessau-Roßlau mit. Im Februar 1987 waren große Teile Norddeutschlands betroffen. In Berlin und Hamburg wurden Fahrverbote verhängt.

Besonders betroffen

1985 hatte in weiten Teilen der damaligen Bundesrepublik Smog-Alarm oder Smog-Gefahr geherrscht. Betroffen war vor allem Nordrhein-Westfalen, wo für das westliche Ruhrgebiet Smog-Alarm der Stufe III ausgerufen wurde, verbunden mit Fahrverboten und Einschränkungen für die Industrie.

Maßnahmen

Die Luftqualität besserte sich vor allem mit dem Niedergang der DDR-Industrie und der Einführung besserer Schadstofffilter für Kraftwerke und Motorfahrzeuge. Nach Angaben des UBA besteht in Deutschland nicht mehr die Gefahr eines Wintersmog-Alarms.

Sommersmog

Problematisch ist inzwischen eher der Sommersmog, der mit der Ozonkonzentration zusammenhängt. Er entsteht unter intensiver Sonnenstrahlung vor allem aus Stickoxiden, die aus Autoabgasen stammen. Dabei bildet sich das Reizgas Ozon (O3).

Die Luftwerte aber blieben schlecht. Die Regierung hat zu spät reagiert. Seit Tagen liegen die Feinstaubwerte in Paris und Umgebung zum Teil dreimal höher als nach den europäischen Richtwerten zulässig. Am Wochenende entspannte sich die Lage, doch am Montag berichtet Airparif, die für die Messung der Luftqualität zuständige Organisation, erneut von so hohen Werten, dass sie ein Gesundheitsrisiko darstellen.

Erstaunlicherweise nehmen die Pariser das mit großem Gleichmut hin. Sie interessieren sich für die Werte – die Webseite von Airparif ging unter dem Ansturm von Anfragen in die Knie – doch Proteste gibt es nicht. Das in einer Stadt, die von einer rot-grünen Mehrheit regiert wird und eine Woche vor dem ersten Wahlgang der Kommunalwahl.

Vor einigen Monaten hatte der noch-regierende sozialistische Bürgermeister Bertrand Delanoë die Höchstgeschwindigkeit auf der Stadtautobahn, dem Boulevard Périphérique, auf 70 Stundenkilometer herabgesetzt. Eine eher verzweifelte Geste, da sich zu den verkehrsreichen Zeiten ohnehin nur eine qualmende Blechlawine über den in die Jahre gekommenen Autobahn ringt schleppt, der Paris die Luft zum Atmen abschnürt.

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