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20.10.2012

15:40 Uhr

Managerin statt „Mamma“

Italiens Frauen sind im Wandel

Die drei „K“ - Kinder, Küche, Kirche - sind seit jeher die Merkmale der italienischen „Mamma“. Doch ausgerechnet in Italien herrscht Krise: Frauen haben weniger Nachwuchs, heiraten und kochen seltener.

Kirche, Kinder, Küche - Italiens Frauen haben andere Pläne. dpa

Kirche, Kinder, Küche - Italiens Frauen haben andere Pläne.

RomPasta della Nonna, Torta della Nonna, Sugo della Nonna - das Etikett „nach Großmutter-Art“ wirbt für Spaghetti, Kuchen und Tomatensoße. Die Mutter, also die italienische „Mamma“, wäre auch kein gutes Verkaufsargument. Kinder, Kirche, Küche - das alles war einmal. Im Stress zwischen Job und Familie steht sie nicht mehr wie einst die Großmütter stundenlang am Herd, und die Geburtenrate ist eine der niedrigsten in Europa.

Nach einer Studie des Arbeitsministeriums mit dem nationalen Statistikamt Istat und der staatlichen Versicherungsanstalt Inps vom Herbst haben die Frauen 1,4 Kinder - ähnlich niedrig wie in Deutschland. Rechnet man die ausländischen Frauen heraus und betrachtet nur die Italienerinnen, so sind es nur 1,3 Kinder.

Die Paare heiraten auch später, und dabei kommt im katholischen Italien sogar die kirchliche Hochzeit aus der Mode. Mehr als ein Drittel der Paare (37,2 Prozent) gab sich der Studie zufolge 2009 nicht beim Pfarrer das Ja-Wort - der Anteil war drei Mal so hoch wie noch 1980.

Die Frauen stehen auch nicht mehr am Herd. Nur noch 15 Minuten wendet ein Großteil der italienischen Frauen täglich zum Kochen auf, ergab im Frühjahr eine Internetbefragung von 500 Frauen der Psychologin Serenella Salomoni in Padua. „Ihre Großmütter hatten für ihre Kochkünste noch mindestens eine Stunde am Tag aufgewendet“, sagt Salomoni. 33 Prozent der Befragten investierten eine Viertelstunde, 22 Prozent unter einer halben. Nur sieben Prozent verbrachten die „traditionelle“ Stunde in der Küche - wie einst Oma. Salomoni: „Was frappierend ist, dass die Frauen von heute sich wöchentlich im Schnitt vier Stunden Kochsendungen ansehen.“

Das scheint sich nicht in den Kochkünsten niederzuschlagen. 40 Prozent der Männer beklagten zu fade und diätlastige Gerichte, ein Viertel fehlende Fantasie, und 15 Prozent fanden, der Speisezettel gehe zu sehr nach den Wünschen der Kinder. Kein Wunder, dass die Frauen die Lust auf die Küche verloren. Das sei auch ein gutes Zeichen, findet Salomoni. „Die Frauen sind selbstbewusster, sie können auch mal Nein sagen.“

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