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20.05.2012

14:33 Uhr

Mannheim

Katholikentag zwischen Reformen und Wut

Die katholische Kirche kommt nur in kleinen Schritten voran, wenn es um Reformen geht. Beim Katholikentag prallten konträre Weltsichten aufeinander: Die der Reformer - und die der Kirchenoberen.

Eine Ordensschwester steht in der Sultan-Selim-Moschee während des 98. Katholikentags. dpa

Eine Ordensschwester steht in der Sultan-Selim-Moschee während des 98. Katholikentags.

MannheimKatholiken in Feierlaune - aber die Kritik an der Amtskirche und der Wunsch nach Reformen sind unüberhörbar: Nach dem 98. Katholikentag hoffen die Laien auf neue Impulse bei der Suche nach Auswegen aus der Kirchenkrise.

„Wir haben eine lebendige, glaubensstarke und vitale Kirche erlebt“, bilanzierte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück. Allerdings sei bei vielen der 80.000 Besucher, die bis Sonntag unter dem Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“ in Mannheim weilten, auch Unruhe und Anspannung deutlich geworden, wie es mit ihrer Kirche weitergeht.

Prominente Katholiken und Reformgruppen übten massive Kritik an den Bischöfen. Vereinzelt sei Erzbischof Robert Zollitsch ausgebuht worden, sagte Christian Weisner von der Initiative „Wir sind Kirche“. „Das ist ein dramatisches Zeichen und macht deutlich, dass der Reformdruck sehr, sehr groß ist.“

Zum Abschluss des fünftägigen Laienforums feierten 20.000 Gläubige am Sonntag einen Open-Air-Gottesdienst unter sonnigem Himmel vor dem Mannheimer Schloss. Daran nahm auch Bundespräsident Joachim Gauck teil.

Ein wichtiges Anliegen vieler Katholiken seien Lösungen im Umgang mit wiederverheiraten Menschen und Paaren unterschiedlicher Konfession, die derzeit nicht an der Eucharistie teilnehmen dürfen, bilanzierte Glück. „Es wird erwartet, dass alle vorhandenen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Vieles kann und muss man jetzt lösen.“ Und: „Es besteht der dringende Wunsch, Fragen der Sexualmoral endlich offener anzugehen.“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hielt den Oberhirten - ebenso wie der österreichische „Priester-Rebell“ Helmut Schüller - mangelnde Dialogbereitschaft vor. „Streit und Kritik sind kein Ausdruck von Illoyalität, sondern von Besorgnis um wichtige Fragen“, sagte Kretschmann. Es könne nicht sein, dass Bischöfe wie Franz-Josef Overbeck aus Essen es als „wenig förderlich“ bezeichneten, dass die Laien erneut über strittige Themen wie das Diakonat der Frau sprechen wollten. Zugleich rief der Katholik Kretschmann die Laien zur Kompromissbereitschaft auf.

Schüller attestierte der Kirchenführung Reformunfähigkeit. „Wir haben keine Glaubenskrise, und wir haben auch keine Kirchenkrise. Wir habe eine Krise der Kirchenleitung“, sagte er beim Alternativprogramm des Katholikentags.

Kommentare (10)

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20.05.2012, 17:27 Uhr

Als der Gesetzgeber die Zwangsehe verboten hat hätte er am besten gleich auch die Zwangsehelosigkeit der römischen Kirche mit verboten. Die verletzt nämlich im gleichen Maß die Menschenwürde.
Und eine gesetzliche vorgeschriebene Frauenquote beim leitenden Personal könnte auch hilfreich sein.

Aber was will man schon von einer Institution erwarten, in der Kindermissbraucher weiterhin fast uneingeschränkt tätig sein dürfen?
Da ja in der Organisation durch die Beichte so gut wie alle Missbrauchsfälle bekannt sind kann man nur konstatieren, dass die römische Kirche eine mafia-ähnliche Organisation ist: Verbrechen werden nicht angezeigt - und die Opfer sind uns egal!
Wenn Jesus noch in seinem Grab läge würde er angesichts dieses Vereins mit höchster Frequenz darin rotieren.

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20.05.2012, 17:47 Uhr

"Kathobellion" als "Aufbruch"!

Die katholischen Teilnehmer des Kirchentages und alle anderen Katholiken möchte ich ermuntern, das Motto "Aufbruch" so zu verstehen, endlich alle Fesseln "aufzubrechen", welche sie behindern, mitmenschlich im Sinne der Menschenrechte und der gleich lautenden – und für wirkliche Christen unerlässlichen – Nächstenliebe tätig zu sein bzw. dafür einzutreten, z.B.
– Anerkennen aller anderen ca. 4000 religiösen und nichtreligiösen Weltanschauungen (als auf gleicher Augenhöhe gleichwertig);
– Abschaffen aller die Gesellschaft spaltenden vielen "christlichen" Privilegien;
– Gleichwertigkeit von Männern und Frauen auf allen Ebenen und in allen Ämtern;
– Demokratisierung innerhalb der Kirche (mit Direktwahl auch eines Papstes bzw. einer Päpstin);
– Zeitgemäßer verantwortungsvoller Umgang mit Sexualität;
– Zubilligen von Heirat und Scheidung für alle, z.B. auch für Homosexuelle, Priester, Papst bzw. Päpstin.

Da aber leider jene für eine funktionierende Gemeinde unerlässliche Mitmenschlichkeit vom – meiner Meinung nach – totalitären, diktatorischen Vatikan her überhaupt nicht in Sicht ist, bleibt – finde ich – als einzig mögliche Rebellion der Kirchenaustritt, welchen ich als eine höchst angebrachte "Kathobellion" bezeichnen möchte.

refox

20.05.2012, 19:51 Uhr

was soll der ganze Quatsch. Kein einziger "Christ" haelt die 10 Gebote ein.

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