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25.01.2008

14:26 Uhr

Maschine als Schönschreiber

Roboter schreibt die Bibel ab

Welches künstlerisches Potenzial haben Industrieoboter? Dieser Frage gehen seit einigen Jahren drei Karlsruher Künstler nach. Ihr jüngster Schützling, ein einarmiger Roboter, hat jetzt sein Werk vollendet und die gesamte Lutherbibel in Schönschrift zu Papier gebracht.

Sieben Monate brauchte der Roboter für seine Arbeit. Foto: dpa dpa

Sieben Monate brauchte der Roboter für seine Arbeit. Foto: dpa

HB KARLSRUHE. Nach sieben Monaten durchgehender Schreibarbeit darf die Maschine „bios ÄbibleÜ“ endlich ihren verdienten Feierabend genießen. Der einarmige Roboter hat Großes geleistet: Mit Hilfe einer Kalligraphie-Feder hat er seit Juni vergangenen Jahres die gesamte Lutherbibel in Schönschrift zu Papier gebracht. Seine Schöpfer sind Künstler am Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM). Unter den Namen „robotlab“ programmieren Martina Haitz, Matthias Gommel und Jan Zappe seit 2000 Roboter um. „Es werden weltweit über eine Million Industrieroboter wirtschaftlich eingesetzt. Uns interessiert ihr künstlerisches Potenzial“, erklärt Zappe.

Im vergangenen Sommer hat „bios ÄbibleÜ“ seine Mission aufgenommen und damit begonnen, die 66 Bücher der Bibel feinsäuberlich abzuschreiben. Rund 3,5 Mill. Buchstaben hat der Roboter in den folgenden Monaten zu Papier gebracht. Dabei hat die Maschine 700 Milliliter Tinte auf eine 900 Meter lange Papierrolle aufgetragen. Das Projekt „bios ÄbibleÜ“ ist „ready-made“, das heißt, an dem Roboter selbst haben die drei Künstler nichts verändert. „Er bleibt eine Arbeitsmaschine und wird doch zum Teilnehmer an der Gesellschaft“, so Gommel. Über die Schrift teilt er sich mit.

Doch verkehrte Welt: Anstelle des erwarteten maschinellen Drucks verwendet der Roboter die gebrochene Handschrift „Schwabacher“ des 15. Jahrhunderts - Buch für Buch in mittelalterlicher Schnörkelschrift. Die Bibel ist für die Künstler und ihre Maschine eine besondere Herausforderung. „Sie ist eines der bedeutendsten Werke unserer Zeit und besitzt eine riesige Datenmenge“, sagt Zappe. Die Gruppe habe die Maschine zu einem Übermittler im Kommunikationsprozess gemacht. Der Roboter ist aber nicht ganz perfekt: Immerhin haben sich bei 800 000 Wörtern doch zwei Fehler eingeschlichen - da hatte „bios ÄbibleÜ“ geschummelt und Buchstaben ausgelassen.

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