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10.08.2011

18:24 Uhr

Massaker auf Utöya

Norwegische Polizei verteidigt ihr Vorgehen

Nach dem Massaker auf Utöya ist die norwegische Polizei überzeugt, in der außergewöhnlichen Situation richtig gehandelt zu haben. Immer wieder wurde Kritik laut - etwa an der späten Ankunft der Spezialeinheit.

Vor der Insel Utöya haben Trauernde Blumen niedergelegt. Quelle: dapd

Vor der Insel Utöya haben Trauernde Blumen niedergelegt.

OsloDie norwegische Polizei hat sich gegen Kritik an ihrem Einsatz während des Massakers auf der Insel Utöya verteidigt. Die Polizei sei überzeugt, die Situation so gut gehandhabt zu haben, wie es ihr angesichts der vorliegenden Informationen möglich war, sagte Johan Fredriksen von der Osloer Polizei bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Er rechtfertigte auch die Entscheidung, keinen Helikopter für den Einsatz zu verwenden.

Fredriksen begründete die Entscheidung, das Einsatzteam auf dem Land- und Seeweg statt mit einem Helikopter zur Insel zu schicken, damit, dass die Polizeihubschrauber für den Transport des Einsatzteams zu klein seien. Die Möglichkeit der Entsendung eines Scharfschützen an Bord eines Helikopters, die von anonymen Polizeiquellen in der Zeitung „Dagsavisen“ genannt worden war, wies er zurück. Polizeihelikopter seien ausgelegt als Kommandozentrale und für Such- und Beobachtungseinsätze, nicht aber für bewaffnete Interventionen.

Fredriksen hatte am Dienstagabend im norwegischen Fernsehsender NRK eingeräumt, dass das Polizeiboot unnötig weit von der Insel abgelegt habe. Laut NRK stiegen die Polizisten einer Sondereinheit aus Oslo in 3,6 Kilometer Entfernung in ein Boot, obwohl es eine andere Ablegestelle nur 670 Meter von Utöya entfernt gab. Fredriksen gab am Dienstag zu, dass die Ablegestelle „wenig geeignet“ gewesen sei. Er wollte jedoch keine Angaben dazu machen, welche Zeitverzögerung es durch die Wahl des Startpunktes möglicherweise gegeben habe.

NRK zeigte auch ein Amateurvideo, auf dem rund ein Dutzend Polizisten auf einem kleinen roten Schlauchboot zu sehen sind. Wegen der zu großen Besatzung drang Medienberichten zufolge Wasser in das Boot ein. Die Polizei selbst nannte dagegen Motorprobleme als Grund, dass die Beamten in zwei viel schnellere Privatboote umsteigen mussten, mit denen sie letztlich nach Utöya gelangten. Fredriksen sagte am Mittwoch, die Polizei sei „voller Demut“ in Erwartung der endgültigen Auswertung des Einsatzes.

Die Polizei steht in der Kritik, weil nach dem ersten Hilferuf mehr als eine Stunde verging, bis ein Einsatzteam auf der rund 40 Kilometer nördlich von Oslo gelegenen Insel Utöya eintraf. Der geständige Attentäter Anders Behring Breivik hatte am 22. Juli nach einem von ihm verübten Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo auf der Insel Utöya das Feuer auf Teilnehmer eines Jugendlagers der regierenden Arbeiterpartei eröffnet. 69 Menschen wurden bei dem Massaker getötet, acht weitere Menschen starben bei dem Anschlag in Oslo.

Von

afp

Kommentare (1)

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Besseresser

10.08.2011, 22:06 Uhr

nur eine Frage: wenn das Massaker nicht so nah, sondern vielleicht 500 km entfernt passiert wäre (ja, Norwegen ist groß), wie wäre man dann gereist, mit dem, Postschiff ?

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