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18.06.2015

08:33 Uhr

Massaker in Carolina

Neun Menschen in US-Kirche erschossen

In einer Kirche in Charleston haben sich Schwarze zum Gebet versammelt. Dann marschiert ein junger weißer Mann in das Gotteshaus und schießt etliche Menschen nieder. Neun sterben. Was steckt hinter der Tat?

Massaker in Carolina

Rassenhass: Weißer tötet neun Schwarze in Kirche

Massaker in Carolina: Rassenhass: Weißer tötet neun Schwarze in Kirche

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CharlestonEin 21-jähriger Weißer hat in einer von Schwarzen besuchten Kirche in der US-Stadt Charleston neun Menschen erschossen. Polizeichef Greg Mullen sagte in der Nacht zum Donnerstag, acht Personen seien noch am Tatort im Stadtzentrum gestorben, die neunte später im Krankenhaus. Zum Zeitpunkt der Tat habe in der altehrwürdigen Kirche ein Gebetstreffen stattgefunden. Der Schütze sei noch auf freiem Fuß.

Als Motiv vermute die Polizei Hass, sagte Mullen. Es gebe Überlebende. Wie viele, wollte Mullen nicht sagen. Der Polizeichef wollte auch keine Gerüchte bestätigen, wonach der Pastor und amtierende demokratische Senator Clementa Pinckney unter den Todesopfern war. Die Großstadt Charleston hat rund 120.000 Einwohner und liegt im US-Staat South Carolina.

Gewalt gegen Schwarze in den USA

Juli 2016

Am 5. Juli wird ein 37-jähriger Afroamerikaner in Baton Rouge (Louisiana) von einem Polizisten erschossen, nachdem er zuvor zu Boden gedrückt wurde. Mehrere Zeugen halten den Vorfall auf Video fest, es kommt zu Protesten.

Juli 2016

Ein 32-Jähriger wird während einer Fahrzeugkontrolle in Minnesota von einem Polizisten in den Bauch geschossen. Die Freundin des Afroamerikaners hält den Vorfall in einem Facebook-Live-Video fest, das für einen internationalen Aufschrei sorgt.

März 2015

Tödliche Schüsse auf einen unbewaffneten jungen Schwarzen lösen in Madison (Wisconsin) Proteste aus. Angeblich schoss der Polizist in Notwehr.

April 2015

In North Charleston (South Carolina) erschießt ein Polizist einen flüchtenden, unbewaffneten Schwarzen von hinten. Der auf einem Video festgehaltene Fall sorgt international für Aufsehen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

April 2015

Ein Afroamerikaner stirbt in Baltimore (Maryland) an den Folgen einer Rückenverletzung. Er war in Polizeigewahrsam misshandelt worden. Es kommt zu schweren Krawallen.

Juli 2015

Ein Polizist erschießt in Cincinnati (Ohio) bei einer Verkehrskontrolle einen unbewaffneten Schwarzen. Sein Wagen hatte vorne kein Nummernschild.

Dezember 2015

In Chicago erschießen Polizisten eine fünffache Mutter und einen Studenten. Beide sind schwarz. Der 19-Jährige hatte seinen Vater mit einem Baseballschläger gedroht, die Nachbarin wird nach Polizeiangaben aus Versehen getroffen.

Mai 2016

Am Steuer eines gestohlenen Autos wird eine junge Afroamerikanerin in San Francisco von einer Polizeikugel tödlich getroffen. Auf Druck des Bürgermeisters nimmt der Polizeichef seinen Hut.

November 2014

Ein weißer Polizist muss wegen tödlicher Schüsse auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen in Ferguson (Missouri) vorerst nicht vor Gericht. Eine Geschworenenjury sieht keine Beweise für eine Straftat. Der Vorfall löste schwere Unruhen aus.

Juli 2010

Nach einem milden Urteil gegen einen weißen Ex-Polizisten kommt es in Kalifornien zu Ausschreitungen und Plünderungen. Der Mann hatte einen unbewaffneten Schwarzen erschossen, er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

November 2006

Ein unbewaffneter Schwarzer stirbt im Kugelhagel der New Yorker Polizei. Er hatte nach dem Verlassen einer Bar im Auto mit Freunden ein Zivilfahrzeug der Polizei gerammt. Im April 2008 werden drei Polizisten freigesprochen.

April 2001

Schüsse eines Polizisten auf einen unbewaffneten Schwarzen lösen schwere Rassenunruhen in Cincinnati (Ohio) aus. Die Behörden rufen den Notstand aus. Der getötete 19-Jährige war bei einer Kontrolle geflüchtet, der Polizist wurde freigesprochen.

Februar 2000

Vier Polizisten, die einen afrikanischen Einwanderer erschossen hatten, werden freigesprochen. Das Urteil der Jury aus schwarzen und weißen Schöffen ist heftig umstritten, in New York kommt es zu Ausschreitungen.

März 1991

Vier Autobahn-Polizisten schlagen den Afroamerikaner Rodney King nach einer Verfolgungsjagd zusammen. Ein Amateur-Video geht um die Welt. Der Freispruch der Männer führt in Los Angeles zu Unruhen mit Dutzenden Toten. In einem Revisionsverfahren werden zwei der Polizisten 1993 zu jeweils 30 Monaten Haft verurteilt. Außerdem erhält das Opfer eine millionenschwere Entschädigung.

Bürgermeister Joseph P. Riley bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass es neun Tote gegeben habe. „Der einzige Grund, warum jemand in eine Kirche geht und betende Menschen erschießt, ist Hass“, sagte Riley. „Es ist die hinterhältigste Tat, die man sich vorstellen kann, und wir werden diese Person vor Gericht bringen.“ Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, teilte am Donnerstagmorgen mit, dass man die Motive für solch eine Tat in einer Kirche niemals verstehen können werde.

Laut einem Bericht der Zeitung „The Post and Courier“ ging zudem eine Bombendrohung ein. Die Polizei rief Anwohner demnach auf, sich in Sicherheit zu bringen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP sah vor Ort, wie Polizeihubschrauber die Gegend umkreisten. Medienvertreter wurden seinen Angaben zufolge wegen der Drohung weggebracht. Eine Gruppe von Pastoren stellte sich in einem Kreis auf und betete.

Aus dem Umfeld des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Jeb Bush wurde bekannt, dass der Politiker aufgrund der Schüsse eine Veranstaltung in der Stadt am Donnerstag abgesagt habe.

Bei dem betroffenen Gotteshaus handelt es sich um die Emmanuel African Methodist Episcopal Church, der ältesten Kirche ihrer Art in den Südstaaten der USA. Die Geschichte der schwarzen Gemeinde reicht in das Jahr 1816 zurück, als sich mehrere Kirchen von der Methodistenkirche in Charleston abspalteten.

Von

ap

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