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22.11.2014

16:47 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern

Neuer Vogelgrippefall in Deutschland

Die Vogelgrippe-Gefahr schien hierzulande nachzulassen. Doch nun gibt es in Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Fall – zum ersten Mal bei einem Wildvogel. Ein nationales Krisenteam wurde einberufen.

Tausende Tiere getötet

Neuer Fall von Vogelgrippe in den Niederlanden

Tausende Tiere getötet: Neuer Fall von Vogelgrippe in den Niederlanden

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Schwerin/BerlinNeuer Vogelgrippe-Fall in Mecklenburg-Vorpommern: In einem Wildvogel ist das aus Asien eingeschleppte Virus H5N8 nachgewiesen worden. „Damit wurde erstmals in Europa dieser Erreger außerhalb der Nutztierhaltung festgestellt“, teilte das Landwirtschaftsministerium am Samstag in Schwerin mit. Der Verdacht verdichte sich, dass Wildvögel das Virus verbreitet haben könnten. Die Geflügelpest ist auch für Menschen potenziell gefährlich.

Die Krickente sei im Landkreis Vorpommern-Rügen im Rahmen der Überwachung der Geflügelpest gezielt geschossen worden, erklärte Minister Till Backhaus (SPD) – deutlich außerhalb des Risikogebiets, das 50 Kilometer rund um einen Seuchenbetrieb in Heinrichswalde (Landkreis Vorpommern-Greifswald) liegt. Dort war die Vogelgrippe Anfang November in einem Putenbetrieb ausgebrochen. Rund 31 000 Mastputen wurden getötet, nachdem rund 2000 Tiere verendet waren.

Die Vogelgrippe hatte sich zuletzt in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien ausgebreitet. Das nun in Europa aufgetauchte Virus H5N8 war zuvor nur aus Asien bekannt. „Wir müssen jetzt von einem europaweiten Seuchengeschehen sprechen“, sagte Backhaus. Zum Schutz der Nutztierbestände müsse Geflügel nun in ganz Mecklenburg-Vorpommern in den Ställen bleiben.

Infos zur Vogelgrippe H7N9

Was ist H7N9?

Das Virus H7N9 ist nach der Kombination zweier Eiweiße - Hämagglutinin und Neuraminidase - auf seiner Oberfläche benannt. Es geht in Geflügelfarmen um, gilt aber als „gering pathogenes“ Virus, das Vögel in der Regel nicht krank macht. Dies kann dazu führen, dass es sich unbemerkt verbreitet, was es deutlich erschwert, seinen Ursprung zu finden.

Wie gefährlich ist das Virus für den Menschen?

Seit Februar haben sich in China mehrere Dutzend Menschen infiziert. Zu den Symptomen gehören Fieber und Atemprobleme bis hin zu schweren Atemwegserkrankungen. Wie die Ansteckung genau verläuft, ist noch unklar. Viele Betroffene dürften sich bei infiziertem Geflügel angesteckt haben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch galt lange als unwahrscheinlich, wird jetzt aber nicht mehr ausgeschlossen.

Welche Veränderungen des Virus beobachten Wissenschaftler?

Auch wenn es noch nicht sicher ist, scheint das Virus auf eine Weise mutiert zu sein, die es ihm einfacher macht, sich an Säugetiere anzupassen. Wissenschaftler versuchen derzeit, den aktuellen Wirt des Virus zu ermitteln. Eine Möglichkeit sind Schweine, weil sie einige grundlegende biologische Ähnlichkeiten mit Menschen aufweisen und als eine Art „Mischgefäß“ fungieren könnten, wenn sie mit verschiedenen Grippeviren-Typen gleichzeitig infiziert sind.

Gibt es eine Impfung?

Eine Impfung gegen H7N9 existiert nicht, allerdings arbeiten die Weltgesundheitsorganisation WHO und ihre Partner bereits daran, mögliche Viren zu isolieren und zu identifizieren, die künftig falls nötig für Impfungen genutzt werden könnten. Die Herstellung eines Impfstoffs würde allerdings Monate dauern.

Wie unterscheidet sich diese Vogelgrippe vom gefürchteten H5N1-Virus?

Anders als das H7N9-Virus war H5N1 meist tödlich bei Vögeln, was es leichter machte, Ausbrüche der Vogelgrippe zu identifizieren und ihnen entgegenzuwirken. H5N1 bleibt eine Vogelgrippe und hat nicht die Abzweigung zu weiteren Spezies wie Schweinen genommen. Die meisten Ansteckungen bei Menschen gingen entsprechend auf den Kontakt mit infizierten Vögeln zurück.

Der Erreger H5N1 infizierte seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen. 371 Patienten von ihnen starben. Experten fürchten allerdings, dass das H5N1-Virus in eine Form mutieren könnte, die leicht von Mensch zu Mensch übertragen wird und damit möglicherweise eine Pandemie auslöst.

Sollte man Geflügelfleisch derzeit meiden?

Solange Geflügelprodukte vernünftig gekocht werden, gilt ihr Verzehr als ungefährlich.

Krisenteam einberufen

Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat die Bundesländer zu umfassenden Vorsichtsmaßnahmen aufgefordert. „Ich appelliere eindringlich an alle Geflügelhalter zu hoher Aufmerksamkeit und zur konsequenten Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen", erklärte Schmidt am Samstag. Unter anderem sollte Hausgeflügel vorsorglich in Ställen untergebracht werden. Für Sonntag ordnete er eine Sitzung des erweiterten nationalen Krisenteams an.

Schmidt erklärte, unklare Krankheits- oder Todesfälle bei Vögeln müssten schnellstmöglich untersucht und bei Verdachtsfällen den zuständigen Veterinärämtern gemeldet werden. Mit dem Untersuchungsergebnis in Mecklenburg-Vorpommern erhärte sich der Verdacht, dass Wildvögel an den Fällen von Geflügelpest in Mecklenburg-Vorpommern, sowie den Niederlanden und Großbritannien beteiligt seien, erklärte Schmidt. Um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern, haben die Behörden in den Niederlanden bereits über 200.000 Vögel töten lassen.

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