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17.02.2014

14:01 Uhr

Medienbericht

Tebartz-van Elst soll Geld aus sozialer Stiftung genommen haben

Offiziell liegt das Untersuchungsergebnis zur Kostenexplosion am Limburger Bischofssitz noch nicht vor. Doch nach Berichten zu zweckentfremdeten Stiftungsgeldern wird ein rasches Eingreifen des Papstes wahrscheinlicher.

Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar Rechnungen sollen für den Bau mit Stiftungsgeld des St. Georgswerkes bezahlt haben, das für arme, kinderreiche Familien bestimmt sei. dpa

Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar Rechnungen sollen für den Bau mit Stiftungsgeld des St. Georgswerkes bezahlt haben, das für arme, kinderreiche Familien bestimmt sei.

München/LimburgDer beurlaubte Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll einem Medienbericht zufolge Stiftungsgelder in Millionenhöhe für seinen neuen Bischofssitz zweckentfremdet haben. Das geht laut „Süddeutscher Zeitung“ (SZ/Montag) aus dem mit Spannung erwarteten Abschlussbericht der kirchlichen Untersuchungskommission zur Kostenexplosion bei dem Bauvorhaben hervor.

Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar haben demnach zur Verschleierung der Kosten Rechnungen für den Bau mit Stiftungsgeld des St. Georgswerkes bezahlt, das für arme, kinderreiche Familien bestimmt war.

Die Deutsche Bischofskonferenz, in deren Auftrag die Kommission arbeitet, machte zunächst keine Angaben zu dem Zeitungsbericht. Auch die Staatsanwaltschaft Limburg äußerte sich nicht dazu. Sie prüft seit Monaten, ob sie gegen den Bischof und weitere Bistumsmitglieder Ermittlungen wegen Untreue einleitet.

Der Skandal um Tebartz-van Elst

Januar 2008

Tebartz-van Elst wird in sein Amt als Bischof von Limburg eingeführt. Er war zuvor Weihbischof in Münster und folgt in Limburg auf Bischof Franz Kamphaus.

Juni 2011

Der Grundstein für den neuen Bischofssitz wird gelegt. Der grundsätzliche Beschluss für den Bau fiel schon vor der Amtszeit Tebartz-van Elsts. Bereits im Februar 2007 hatte dies das Domkapitel, ein Kollegium von Priestern, beschlossen. Diese Entscheidung fiel in die Zeit der sogenannten Sedisvakanz, in der der Bischofssitz nicht besetzt ist.

Januar 2012

Bischof Tebartz-van Elst reist nach Indien, um dort soziale Projekte zu besuchen. Später wird bekannt, dass der Bischof in der Ersten Klasse flog. Es handelte sich dabei laut dem Bistum um ein Upgrade aufgrund gesammelter Bonusmeilen und eine Zuzahlung aus eigener Tasche. Gegen die Berichterstattung im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" geht Tebartz-van Elst juristisch vor und wirft dem Magazin eine unwahre Darstellung vor.

Juni 2013

Die Dienst- und Verwaltungsräume im neuen Bischofssitz werden eingeweiht. Das Gebäude wird mittlerweile offiziell als "Diözesanes Zentrum Sankt Nikolaus" bezeichnet. Die Kosten allein für die Arbeiten am "historischen Bestand" wie etwa an der historischen Stadtmauer werden zu diesem Zeitpunkt auf 9,85 Millionen Euro beziffert. Die Gesamtkosten sollen deutlich höher liegen. Ursprünglich waren für das gesamte Bauprojekt 5,5 Millionen Euro eingeplant. Davon stammen 2,5 Millionen Euro aus einer dafür angelegten Rücklage des Bistumshaushalts aus dem Jahr 2004. Die übrigen Kosten trägt der Bischöfliche Stuhl, bei dem es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts handelt. Dieser wurde bei Gründung des Bistums im Jahr 1827 vom Herzog von Nassau mit Vermögenswerten ausgestattet. Dies war der Grundstock für das heutige Vermögen. Zu dessen Höhe macht das Bistum keine Angaben.

August 2013

Tebartz-van Elst gerät in seinem Bistum zunehmend unter Druck. In einem offenen Brief wenden sich hunderte Katholiken gegen die Amtsführung des Bischofs. In der Kritik steht er unter anderem wegen der Spekulationen über steigende Kosten des Bischofssitzes. In Medienberichten ist von 15 bis 20 Millionen Euro die Rede.

September 2013

Der Vatikan schaltet sich in die Querelen im Bistum Limburg ein. Bei einem einwöchigen Besuch im Bistum macht sich der vom Papst gesandte Kardinal Giovanni Lajolo vor Ort ein Bild von der Situation. Am Ende des Besuchs sagt Tebartz-van Elst eine Prüfung der Baukosten zu.

November 2013

Am 17. November äußert sich die Diözesanversammlung des Bistums Limburg, die Vertretung der katholischen Gläubigen, ziemlich deutlich: Sie sieht nach eigenen Angaben keine Möglichkeit für einen Neuanfang mit Tebartz-van Elst. Da hilft dem Bischof auch nicht, dass am Tag darauf, am 18. November, das Amtsgericht in Hamburg das Strafverfahren gegen den Bischof gegen Zahlung einer Geldauflage vorläufig einstellt – das Image ist angekratzt.

Dezember 2013

Im Dezember wird das Verfahren wegen falscher eidesstattlicher Erklärung nach Zahlung von 20.000 Euro endgültig eingestellt.

Januar 2014

Am 26. Januar 2014 schreibt das Magazin „Focus“, der Bericht der kirchlichen Untersuchungskommission entlaste den Bischof. Die Bischofskonferenz betont dagegen, es liege noch kein Ergebnis vor.

Februar 2014

Am 9. Februar sieht die Lage schon wieder weitaus schlechter aus als nach dem „Focus“-Bericht zu vermuten war. Laut „Spiegel“ belastet der Prüfbericht Tebartz-van Elst schwer. Auch Geld einer Stiftung soll für die neue Residenz verwendet worden sein. Am 17. Februar legt die „Süddeutsche Zeitung“ nach und berichtet, Tebartz-van Elst und sein Generalvikar Franz Kaspar hätten Rechnungen für die neue Residenz mit Stiftungsgeld des St. Georgswerkes bezahlt.

26. März 2014

Der Vatikan spricht ein Machtwort: Der umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst darf nicht in sein Amt in Limburg zurückkehren. In der Diözese Limburg sei es zu einer Situation gekommen, „die eine fruchtbare Ausübung des bischöflichen Amtes“ durch Tebartz-van Elst verhindere, heißt es in der Mitteilung des Vatikans. Der Heilige Stuhl habe deshalb den von dem Bischof angebotenen Amtsverzicht angenommen. Der scheidende Bischof werde zu gegebener Zeit mit einer anderen Aufgabe betraut, erklärte der Vatikan.

28. März 2014

Die BMW 5er-Limousine: Einen solchen Wagen wurde vom Bischöflichen Stuhl im Januar bestellt, wie am 28. März bekannt wurde. Ein Mitarbeiter hatte die Verlängerung des bestehenden Leasingvertrags „im Auftrag des Bischofs“ unterschrieben. Ob er es aus eigener Motivation heraus tat oder Anweisung vom damals bereits vom Papst beurlaubten Tebartz-van Elst bekam, ist noch offen. Ein solches Wagenmodell kostet mit der absoluten Grundausstattung 40.000 Euro und ist im Leasing nicht unter der Rate von 400 Euro monatlich zu haben. Da die Ausstattung des Bischofs-BMW allerdings der Oberklasse entspreche, dürfte der Preis deutlich darüber liegen.

Die Erträge des 1949 gegründeten St. Georgswerkes sollen dem „SZ“-Bericht zufolge eigentlich für bedürftige Familien mit vielen Kindern verwendet werden. Jeder katholische Arbeitnehmer des Bistums war damals aufgerufen, den Lohn einer Arbeitsstunde für das Georgswerk zu spenden.

Die Stiftung ist heute nicht mehr aktiv. Vor einer Woche hatte bereits das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, dass Geld aus mindestens einer Stiftung geflossen sei. Auch von einer Art Geheimwohnung war die Rede. Wiesbadener Medien nannten bereits die Stiftung Georgswerk.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt, insgesamt offenbare der Bericht, dass die Führungsriege im Bistum Limburg ein System der Vertuschung und Verschleierung aufgebaut habe, um möglichst ungestört von Kritik und Kontrolle aufwendig bauen zu können. Die Unterlagen über die Finanzierung seien in eine Geheimregistratur ausgelagert worden; immer wieder habe man Geld zur Zwischenfinanzierung beschaffen müssen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.02.2014, 08:58 Uhr

Sollte an den Vorwürfen echt was dran sein, geht er ganz sicher in den Knast! Frage mich, warum er noch nicht in U-Haft ist...

Account gelöscht!

17.02.2014, 09:34 Uhr

Nun ja, ob es wirklich strafrechtlich relevant ist, ist ja noch nicht raus. Allerdings ist es eine Instinktlosigkeit ersten Ranges Geld für einen Verwaltungsbau aus einem Topf zu nehmen, der dafür gedacht ist Leid zu lindern. Das beweist doch wieder mal die Bigotterie der Religiösen.

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