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29.01.2007

12:32 Uhr

„Medienmenschen“

Prominente und ihr „Pakt mit dem Teufel“

Prominente leben zwei Leben. Ihr eigenes und ein Leben in den Medien. Doch während sie ihr erstes Leben weit gehend kontrollierten können, verläuft das zweite nach seinen eigenen Regeln. 30 Prominente verraten im Buch „Medienmenschen“, wie sie mit den Medien umgehen und einen „Pakt mit dem Teufel“ schließen.

HB HAMBURG. Verona Pooth, als „Dummchen der Nation“ bekannt geworden, soll sich als klug outen - und wehrt lachend ab. „Das kann ich leider nicht, sonst wäre ja mein Image ruiniert“, witzelt die 38- Jährige erst, meint dann aber doch: „Ja, ich halte mich für intelligent.“ Sie selbst habe nie behauptet, dumm zu sein, betont die erfolgreiche Geschäftsfrau. Die „Dummchen“-Rolle sei ihr zugeflogen, und sie habe das Beste daraus gemacht. „Ich gebe aber zu, mit diesem Image gespielt und damit kokettiert zu haben“, gesteht sie in dem Buch „Medienmenschen“. Pooth ist eine von 30 Prominenten, mit denen Hamburger Journalistik-Studenten über ihr Verhältnis zu den Medien und ihre Rollen in der Inszenierungsgesellschaft gesprochen haben.

„Wer prominent wird, gibt auf dem Weg zum Ruhm einen Teil seiner Persönlichkeit ab; sie wird zu einer fiktiven Figur im medialen Spiel und tritt ihm in dieser Gestalt wieder entgegen“, schreiben die Herausgeber, Journalistik-Professor Bernhard Pörksen und Redakteur Jens Bergmann. „Zu Beginn der jeweiligen Medienkarriere hat der Prominente noch Einfluss auf das, was über ihn und die Seinen veröffentlicht wird“, meinen sie. Doch dann verliere er an Autonomie und Kontrolle über sein öffentliches Bild. „Sie zurückzugewinnen ist schwierig, vielleicht sogar unmöglich.“

„Ich klage, weil ich Privatsphäre will“, berichtet etwa Sport-Idol Franziska van Almsick. „Und vor mir sitzen Anwälte großer Verlage und sagen: „Privatleben? Das haben Sie doch schon lange nicht mehr, Frau van Almsick““, erzählt die 28-Jährige, die schon im Alter von 14 zum Medienliebling wurde. Der einstige Schwimm-Star war früher nach eigenem Bekunden sehr offen, ist mittlerweile aber beim Schutz der Intimsphäre konsequent.

Auch SPD-Politikerin Andrea Nahles schottet Privates ab: „Wenn die Medien erst einmal einen Happen von einem haben, dann wollen sie mehr.“ Die ehemalige Juso-Vorsitzende hat den Umgang mit den Medien früh gelernt und bleibt „verdammt vorsichtig“. „Die Medien gucken nicht nur hin, wenn es dir gut geht, sondern auch dann, wenn du am Boden liegst. Dann sagen sie: „Wir haben dich groß gemacht, jetzt machen wir dich klein!““, meint Nahles.

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