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05.04.2012

19:50 Uhr

Medienrummel bei Grass

Von einer Entschuldigung meilenweit entfernt

Auch einen Tag nach seiner verbalen „Bombe“ bleibt Günter Grass unnachgiebig. Bei einer Pressekonferenz vor seinem Haus bei Lübeck Hof verteidigt er seine Meinung: Israels Atomwaffen gefährden den Weltfrieden.

Er wolle ein Tabu brechen, eine Debatte auslösen, sagte Grass bei einem Pressegespräch. Das ist ihm gelungen. dpa

Er wolle ein Tabu brechen, eine Debatte auslösen, sagte Grass bei einem Pressegespräch. Das ist ihm gelungen.

BehlendorfAm Rande der kleinen Gemeinde Behlendorf bei Lübeck empfängt Günter Grass am Donnerstag auf seinem abgelegenen Anwesen Kamerateams, Fotografen und Pressevertreter. Wer erwartet hätte, der Literaturnobelpreisträger würde am Tag eins nach der Veröffentlichung seines umstrittenen Israel-Gedichts „Was gesagt werden muss“ verbal zurückrudern oder sich gar entschuldigen, irrte. Ja, Israel gefährde mit seinen Atomwaffen den brüchigen Weltfrieden, bekräftigte der Autor der „Blechtrommel“ in seinem Atelier.

In braunem Jacket und hellgrüner Cordhose, das Zündholz für die Pfeife entflammend, eröffnet der 84-jährige Schriftsteller sein Anliegen - offensiv und unmissverständlich. Ihm sei klar gewesen, eine Kontroverse auszulösen. Er wolle das Tabu brechen und Israels Atomwaffen öffentlich zum Thema machen und vor den verheerenden Folgen eines israelischen Angriffs auf Iran warnen.

Antwort auf Günter Grass: „Judenfeindliche Klischees ohne Ende“

Antwort auf Günter Grass

„Judenfeindliche Klischees ohne Ende“

Mit seinem Israel-Gedicht transportiert Günter Grass eine üble Gesinnung. Er benutzt Begriffe aus dem Nazijargon. Damit demontiert und demaskiert sich der Nobelpreisträger selbst.

Sogar ein Dritter Weltkrieg könne bei einem Flächenbrand in Nahost drohen. Dabei sei ein Präventivschlag ohnehin nicht legitim und weder eine Atombombe Irans noch ein entsprechendes Raketenträgersystem nachgewiesen. Eine Schande sei dabei die Rolle Deutschlands als drittgrößter Waffenlieferant weltweit, der auch Israel atomwaffentaugliche U-Boote liefere.

Öffentlichkeit herzustellen, das ist Grass gelungen. Die internationale Kritik von Washington bis Tel Aviv scheint den alten Mann kaum zu berühren - oder bis zu diesem Zeitpunkt auch nur teilweise bekannt zu sein. Er selbst arbeitet nicht am Computer. Dafür schmerze ihn die seiner Meinung nach von Hass gegen ihn getragene Berichterstattung in einem Teil der deutschen Medien, insbesondere des Springer-Konzerns, sagt er. Der Vorwurf, er sei der ewige Antisemit, sei absurd - sein Werk von der „Blechtrommel“ bis zu seinem jüngsten Buch „Grimms Wörter“ bezeuge das Gegenteil.

Kommentare (77)

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Account gelöscht!

05.04.2012, 20:24 Uhr

liebs handelsblatt, ich fand es sehr schade das man insbesondere beim gastbeitrag des zentralrats der juden die kommentarfunktion abgeschaltet hat, wahrscheinlich weil man angst vor der rechten ecke oder angst vor wiederspruch ansich.
was herr grass da gesagt hat kann man gar nicht hoch genug einschätzen und ihm mit antisemitismus zu kommen ist dumm, unlogisch und schlichtweg falsch. es geht um frieden, menschenleben auch unser leben denn die israelische regierung und ihre hintermänner zündeln am pulverfass, nichts anderes. das das gewollt und geplant ist sieht doch ein blinder mit krückstock. und wir alle auch ihr vom handelsblatt lasst euch da mit einspannen. denn ohne euch geht es nicht, man braucht die öffentliche meinung, man braucht jeden tag eine meldung auch ohne neuigkeit. glaubt irgendjemand das die mehrheit der israelis oder des iranischen volkes krieg will. kein stück und es ist auch nicht notwendig, man will da unten ganz bewusst ein blutbad anrichten. ich bin dagegen und mit mir ganz viele menschen, wir wollen das nicht.

http://www.youtube.com/watch?v=v0icnsJVv5Y

liebes handelsblatt befreit euch davon zu schreiben was euch gesagt wird das ihr schreiben sollt weil den nerv der menschen trefft ihr schon lange nicht mehr. die menschen werden es euch danken.

bitschleuder

05.04.2012, 20:31 Uhr

Bekanntermaßen sind die iranischen Atomanlagen so stark gepanzert, das aktuelle konventionelle Bombentechnik sie nicht knacken kann. Da ist das anschleichen mit U- Booten an die iranische Küste und der Abschuss von Marschflugkörpern mit Atomsrpengköpfen auf die Atomanalgen Irans ein plausibles Szenario. Das so ein Szenario verheerende Folgen für die Welt hätte, die die Falken in Israel nicht wahrnehmen möchten, legitimiert das Vorgehen von Günter Grass voll und ganz. Schließlich wird diese Welt nicht nur von Deutschen und Israelis bevölkert- diese Welt gehört allen Menschen !

Charly

05.04.2012, 20:32 Uhr

"Von einer Entschuldigung meilenweit entfernt"

Warum soll er sich entschuldigen wenn er recht hat ?

(...)

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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