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04.06.2015

12:13 Uhr

Mehr als 200 Straftaten

Finanzamt-Mitarbeiterin hilft Einbrechern

Wenn jemand wissen sollte, wer finanziell gut dasteht, dann sind das Mitarbeiter des Finanzamtes. Problematisch wird es, wenn Einbrecher an dieses Wissen kommen. Genau das soll in Bayern geschehen sein.

Eine Datenerfasserin aus dem Finanzamt gab Tipps für die Einbrüche. dpa

Verurteilte Komplizin

Eine Datenerfasserin aus dem Finanzamt gab Tipps für die Einbrüche.

Tipps aus dem Finanzamt sollen eine Serie von mehr als 200 Einbrüchen in Bayern gesteuert haben. Insgesamt 2,4 Millionen Euro Beute hat eine Bande im Raum München und Ingolstadt dabei laut Staatsanwaltschaft gemacht - vier mutmaßliche Mitglieder müssen sich deshalb seit Mittwoch vor dem Landgericht München verantworten. Eine Angeklagte arbeitete in der Datenerfassung des Finanzamts und wies der Anklage zufolge auf lohnende Objekte hin.

Die 43-jährige Frau, ihr fünf Jahre jüngerer Mann und zwei 44 und 47 Jahre alte Komplizen werden des gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls beschuldigt. Alle haben im Ermittlungsverfahren die zehn Jahre währende Einbruchserie gestanden.

Zudem soll eine Rechtsanwältin noch im Juni vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts erscheinen: Sie soll den Einbrechern verraten haben, ob sie bereits unter Verdacht standen und gesucht wurden. Die Informationen hat sich die Anwältin angeblich von einem Polizisten beschafft, der ihr die vertraulichen Daten ahnungslos weitergegeben habe.

Den Geständnissen zufolge plante die Bande ihre Taten 2004 in einem Fastfood-Lokal in Ingolstadt. „Bei der Durchführung gingen die Angeklagten arbeitsteilig vor“, so die Staatsanwaltschaft: Einer stellte seine Wohnung als Unterkunft und Lager für Einbruchswerkzeug und erbeutete Tresore zur Verfügung und war auch der Fahrer der Gruppe. Die Datenerfasserin beim Finanzamt besorgte Adressen und Hinweise auf die finanziellen Verhältnisse möglicher Opfer, ihr Mann kundschaftete die Objekte aus. Die Einbrüche verübte er mit zwei Komplizen, die noch auf ihren Prozess warten.

Die Männer waren professionell ausgerüstet mit Werkzeug zum Aufhebeln von Türen und Fenstern und technischem Gerät zum Ausschalten von Alarmanlagen. Aus den Wohnungen nahmen sie hauptsächlich Schmuck, Uhren und Bargeld mit. Auf die Spur der Bande führte schließlich das von Zeugen notierte Kennzeichen ihres Fluchtfahrzeugs.

Nach ihrer Festnahme machten sie reinen Tisch. Ihre Einbrüche hat die Staatsanwaltschaft auf 58 Seiten aufgelistet. Für schweren Bandendiebstahl sieht das Gesetz Strafen von einem bis zehn Jahren vor.

Von

dpa

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