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15.11.2015

16:31 Uhr

Mehrere Tote, fünf Vermisste

Tragödie um entgleisten TGV

Schweres Zugunglück in Frankreich: Bei Straßburg ist am Samstag auf einer Testfahrt ein Hochgeschwindigkeitszug entgleist. Dabei sollen mehrere Techniker ums Leben gekommen sein - offenbar waren auch Kinder an Bord.

Der TGV stürzte auf einer Testfahrt in einen Kanal. Reuters

Zerstörter Schnellzug

Der TGV stürzte auf einer Testfahrt in einen Kanal.

StraßburgBeim schwersten Unglück eines französischen TGV-Schnellzugs seit seiner Inbetriebnahme 1981 sind am Samstag nahe Straßburg mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Der Zug entgleiste bei Eckwersheim im Elsass, als er bei einer Testfahrt mit 350 Stundenkilometern unterwegs war. Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen gab es nicht. In dem Unglückszug befanden sich entgegen den Bestimmungen offenbar mehrere Kinder.

Mit dem silberschwarzen Unglückszug waren nach offiziellen Angaben 49 Techniker und Bahnmitarbeiter auf einer Testfahrt unterwegs. Der Zug sei „wegen überhöhter Geschwindigkeit entgleist“, sagte der Kabinettschef der Präfektur Elsass, Dominique-Nicolas Jane. Aus Ermittlerkreisen hieß es, das Tempo habe zum Unglückszeitpunkt bei 350 Kilometern pro Stunde gelegen. Die Gewerkschaft Sud Rail erklärte, der TGV sei für „Tests bei zu hohem Tempo“ eingesetzt worden. Die staatliche Bahngesellschaft SNCF leitete eine Untersuchung ein.

Das Unglück ereignete sich am Samstag gegen 15 Uhr nahe der Gemeinde Eckwersheim unweit der deutschen Grenze. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kamen elf Menschen ums Leben und 37 weitere wurden verletzt. Wie viele Kinder darunter waren, blieb offen. Vier der Verletzten schwebten am Sonntag noch in Lebensgefahr, wie Staatsanwalt Alexandre Chevrier mitteilte. Auch die Sucharbeiten dauerten noch an. Unter einem der umgestürzten Wagen befand sich offenbar eine Kinderleiche, wie Rettungskräfte sagten.

Schwere Zugunglücke

Juli 2013

In Spanien entgleist nahe der Pilgerstadt Santiago de Compostela ein Hochgeschwindigkeitszug. 79 Menschen sterben, 140 werde verletzt. Der Lokführer soll mit etwa 190 Stundenkilometern in eine enge Kurve eingebogen sein, in der nur Tempo 80 zugelassen war.

September 2006

Bei einem schweren Unglück auf der damaligen Transrapid-Teststrecke im niedersächsischen Lathen kommen 23 Menschen ums Leben, mehr als 10 werden verletzt. Die Magnetschwebebahn war mit Tempo 170 auf einen abgestellten Werkstattwagen geprallt.

Januar 2006

Nahe der montenegrinischen Hauptstadt Podgorica entgleist ein Regionalzug, vier Waggons stürzen 50 Meter tief in eine Schlucht. 44 Menschen kommen ums Leben, etwa 200 werden verletzt. Die Bremsen hatten versagt.

April 1999

Eine Metallkralle lässt einen Zug der Schwebebahn in Wuppertal entgleisen. Er stürzt in die Wupper - fünf Menschen sterben, 47 werden verletzt. Die Kralle hatten Bauarbeiter in der Fahrschiene vergessen.

Juni 1998

Mehrere Waggons eines ICE zerschellen bei Tempo 200 an einer Straßenbrücke am Rande der niedersächsischen Gemeinde Eschede. 101 Menschen sterben, mehr als 100 werden verletzt. Ursache des Unglücks ist ein gebrochener Radreifen, der den Zug entgleisen ließ.

Die Anwesenheit von Kindern in dem Testzug gab Rätsel auf: Die interne Untersuchung werde zeigen, welche „Begleitpersonen“ in dem Zug waren und „unter welchen Umständen es ihnen gestattet wurde einzusteigen“, sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy. Ein SNCF-Sprecher bestätigte, dass auch Kinder unter den Verletzten sind.

Der Unglückszug bestand aus fünf Waggons, von denen die hinteren unter einer Brücke in den Rhein-Marne-Kanal stürzten. Die Lokomotive lag auf der Böschung. An den Rettungsarbeiten beteiligten sich rund hundert Einsatzkräfte der Gendarmerie, des Zivilschutzes und Taucher. Die SNCF betonte, es gebe keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris vom Freitagabend.

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