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08.01.2016

12:18 Uhr

„Mein Kampf“

Mit der Neuauflage gegen Hitlers Mythen

Historiker haben am Mittag in Berlin die kritisch kommentierte Neuauflage von Adolf Hitlers Pamphlet „Mein Kampf“ vorgestellt. Die soll vor allem eins tun: Es als „aggressive wie ordinäre Hasspredigt entlarven.

„Hitler, Mein Kampf - Eine kritische Edition“ ist in Deutschland erhältlich und wird auch als Schullektüre erwogen. dpa

Im Buchhandel erhältlich

„Hitler, Mein Kampf - Eine kritische Edition“ ist in Deutschland erhältlich und wird auch als Schullektüre erwogen.

Siebzig Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft haben Historiker die erste deutsche Neuauflage von Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" vorgestellt. Die fast 2000 Seiten starke kritische Edition sei als eine "Gegenrede zu Hitlers Schrift" zu verstehen, sagte der Leiter des Editionsprojekts am Institut für Zeitgeschichte, Christian Hartmann, am Freitag in München.

Die umfassend kommentierte Neuausgabe könne einem breiten Publikum verdeutlichen, dass es sich bei dem Buch "über weite Strecken um eine aggressive wie ordinäre Hasspredigt handelt", sagte Hartmann weiter. "Dieses Buch war und ist ein Symbol, daran hat sich bis heute nichts geändert".

Das Buch müsse heute verstanden werden als "das gedankliche Zentrum einer menschenverachtenden wie mörderischen Ideologie, deren Verwirklichung schließlich in der größten Katastrophe endete, welche die Geschichte kennt", führte der Historiker aus.

Die deutsche Neupublikation des Buchs war möglich geworden, weil der Urheberschutz Ende 2015 ausgelaufen war. Nach Hitlers Tod waren die Schutzrechte für das Buch "Mein Kampf", das bis 1945 rund zwölf Millionen Mal in Deutschland gedruckt worden war, für 70 Jahre auf den Freistaat Bayern übergegangen, der die Zustimmung zu einer Neuauflage stets verweigerte.

Dass "Mein Kampf" nun allenthalben ohne urheberrechtliche Einschränkung publiziert werden könne, habe die kritisch kommentierte Edition geradezu zwingend erforderlich gemacht, sagte der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Andreas Wirsching. Es wäre schlicht unverantwortlich, "dieses Konvolut der Unmenschlichkeit" kommentarlos zu veröffentlichen, "ohne ihm eine kritische Referenzausgabe entgegenzustellen, die Text und Autor gleichsam in die Schranken weist".

Der Institutsdirektor räumte ein, dass die Neuausgabe Unbehagen und Kritik hervorrufe - "insbesondere aus der Perspektive der Opfer des nationalsozialistischen Terrors". Es wäre aber "auch politisch-moralisch nicht zu vertreten und mit großen Risiken behaftet, in Sachen 'Mein Kampf' untätig zu bleiben", sagte Wirsching.

Die Neuausgabe "enttarnt die von Hitler gestreuten Falschinformationen und seine Lügen", sie sei ein "wissenschaftlicher Dienst an der Würde der Opfer" und trage zu einer "Entmystifizierung" der Hetzschrift bei.

Wirsching verwies in dem Zusammenhang auch auf das aktuelle Erstarken rechter Bewegungen in Europa. Derzeit drohten "entsprechende Denkhaltungen wieder salonfähig zu werden", warnte er. Deswegen sei es "erforderlich, die entsetzlichen Triebkräfte des Nationalsozialismus und seines tödlichen Rassismus zu erforschen, kritisch zu präsentieren und einer informierten Öffentlichkeit zur Diskussion zu überlassen". Die informierte Öffentlichkeit diskutiert derweil bereits – beim Kurznachrichtendienst Twitter. Es geht bei den Nutzern vor allem um die Frage, ob die kritische Edition ihren Zweck erfüllt oder die Hetzschrift wieder als solche gebraucht werden wird.

Von

afp

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