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26.09.2016

11:21 Uhr

Mensch statt Automat

Das Comeback der Schrankenwärter

Wenn Mäuse an der Technik knabbern, müssen Menschen den Job übernehmen. Der Bahnübergang bei Holtgast in Niedersachsen gehört zu den einsamsten Arbeitsplätzen im Land, erfordert aber viel Verantwortungsgefühl.

Seit Monaten bewachen Sicherheitsleute den Bahnübergang in Holtgast (Niedersachsen), weil das Licht der Signalanlage defekt ist. dpa

Bewachter Bahnübergang

Seit Monaten bewachen Sicherheitsleute den Bahnübergang in Holtgast (Niedersachsen), weil das Licht der Signalanlage defekt ist.

ApenEin Maisfeld, ein Wirtschaftsweg, ein Wohnwagen und ein Dixi-Klo – es ist wenig los am Bahnübergang bei Holtgast, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Apen im Nordwesten Niedersachsens. Doch genau hier, an der Grenze zwischen Ostfriesland und dem Ammerland, sind im April unvermittelt drei Arbeitsplätze entstanden, die zu den einsamsten weit und breit gehören. Sogenannte Bahnübergangsposten (BÜP) bewachen in Früh-, Mittel- und Nachtschicht den Übergang an der Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Leer. Wo früher eine automatische Lichtzeichenanlage vor Zügen warnte, verrichten jetzt Menschen diesen Job – auf unbestimmte Zeit.

Um die 60 Züge passieren täglich den Übergang – die Zahl der Passanten, die den Schienenstrang überqueren wollen, ist geringer. Mal kommen ein Landwirt mit dem Trecker, ein Jäger oder Spaziergänger mit Hund, Reporter, vielleicht demnächst auch die Bewohner des alten Schrankenwärterhäuschens hinzu, das gerade renoviert wurde.

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Und daher muss nun täglich rund um die Uhr der BÜP ran. Bevor ein Zug kommt, steigt der Mann aus seinem Wohnwagen und hängt eine rot-weiße Girlande quer über den Weg - auf beiden Seiten der Gleise. Hat der Zug passiert, geht es in umgekehrter Reihenfolge wieder zurück.

Vermutlich haben irgendwann Mäuse die Kabel der alten, aber intakten Anlage zerfressen. „Da es ein älteres Modell ist, dürfen wir sie nicht mehr umbauen, sonst verlieren wir den Bestandsschutz“, sagt ein Bahnsprecher. Also muss ein Neubau her. Doch das kann sich hinziehen. „Die Planungen haben begonnen, aber es darf erst nach einem Genehmigungsverfahren gebaut werden. Das dauert mindestens ein Jahr“, sagt der Sprecher. Einen Zeitpunkt die Fertigstellung kann er daher nicht nennen.

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Reden darf der BÜP eigentlich nicht, doch zwischen zwei Zügen beschreibt er seinen Alltag. „Die Fahrdienstleiter rufen an, bevor ein Zug kommt. Fernsehgucken oder Handyspiele sind verboten, damit wir nicht abgelenkt werden.“ Acht Stunden dauert eine Schicht. Wenn ein Kollege ihn abgelöst hat, fährt der Angestellte einer Servicefirma zur 50 Kilometer entfernten Ferienwohnung in Oldenburg.

Apens Bürgermeister Matthias Huber hofft, dass die Kommune nicht an den Kosten beteiligt wird, zumal der Weg an der Bahn nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmet ist. Auch einem Neubau der Straße zu einem anderen Bahnübergang ist er abgeneigt: „Das ist schon eine andere Situation hier, aber die Bahn ist bemüht, eine Lösung zu finden.“ Falls ein neuer Weg gebaut würde, rechnet die Bahn allerdings mit noch mehr Planungszeit.

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Von 17.000 Bahnübergängen in Deutschland sind nach Angaben des Unternehmens rund 61 Prozent von Anlagen abgesichert. Wie viele BÜPs dabei tätig sind, lässt sich nur schwer ermitteln. Auch zu den monatlichen Kosten der Bewachung sagt der Sprecher noch nichts: „Abgerechnet wird zum Schluss.“

Von

dpa

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