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24.07.2017

04:20 Uhr

Menschenschmuggel in Texas

Neun Menschen sterben in Lastwagen

Neun Menschen sterben bei einem illegalen Transport auf US-amerikanischen Boden. 30 Einwanderer werden verletzt aus einem überhitzten Lkw-Anhänger in San Antonio gerettet. Gegen den Fahrer wird Anzeige erhoben.

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San AntonioVon den aus einem überhitzten Lkw-Anhänger geretteten Menschen in Texas schweben nach Behördenangaben 17 Personen in Lebensgefahr. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AP am Sonntag (Ortszeit) von einem Vertreter, der anonym bleiben wollte. 13 weitere werden demnach wegen nicht lebensbedrohlichen Verletzungen behandelt. Bei dem Vorfall am Samstag in San Antonio starben neun Einwanderer vermutlich an den Folgen von Hitzschlägen

US-Heimatschutzminister John Kelly sagte, der Tod der Menschen verdeutliche die Brutalität von Menschenhändlern. Diese schenkten menschlichem Leben keine Beachtung und „suchen nur nach Profit“, teilte er in einer Erklärung am Sonntag mit. Er habe sein Engagement im Kampf gegen Menschenschmuggel erneuert, um gemeinsam mit den Regierungen in Mexiko und Mittelamerika gegen entsprechende kriminelle Organisationen vorzugehen.

Laut Polizei bat jemand am Samstagabend auf einem Supermarktparkplatz um Wasser. Ein Angestellter des Einkaufsladens habe anschließend die Behörden gerufen, die in dem Anhänger die Toten und teils schwerst verletzten Migranten fand. Die US-Einwanderungsbehörde berichtete, bei Öffnung des in sengender Hitze abgestellten Sattelschleppers seien acht Menschen bereits tot gewesen, ein weiterer starb später.

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Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen rechnet mit einem unvermindert hohen Flüchtlingsaufkommen. Der Menschenschmuggel über Libyen nehme zu, erklärte es. Das organisierte Verbrechen werde immer internationaler.

Einige Überlebende aus dem Anhänger hätten sich als Mexikaner bezeichnet, vier der Migranten waren vermutlich erst zwischen zehn und 17 Jahre alt, hieß es. Die mexikanische Generalkonsulin in San Antonio bestätigte, unter den Toten und Überlebenden seien Menschen mit der Staatsbürgerschaft des Landes. Guatemalas Außenministerium teilte mit, mindestens zwei Bürger des Landes seien in dem Anhänger gewesen und hätten überlebt. Die Grenze zu den USA hätten sie zu Fuß überquert, danach seien sie in den Wagen gestiegen - Ziel der Fahrt war demnach Houston.

Den Behörden zufolge könnten sich ursprünglich mehr als 100 Menschen in dem überhitzten Anhänger aufgehalten haben. Die Außentemperaturen in San Antonio lagen am Samstag bei 38 Grad Celsius - die Opfer waren völlig dehydriert und dem Hitzetod nahe. Durch die Körpertemperatur der Menschen und die Luftfeuchtigkeit dürfte die Hitze im Anhänger noch verstärkt worden sein. Hitzschläge setzen ein, wenn die Körpertemperatur über 40 Grad Celsius steigt. Ab 42 Grad sterben Zellen ab, es kann zu Organversagen kommen.

Der für den Westen von Texas zuständige Staatsanwalt sagte am Sonntag, ein 60-Jähriger aus Florida sei festgenommen worden und stehe unter dem Verdacht, mit dem Vorfall in Verbindung zu stehen. Am (heutigen) Montag werde Strafanzeige gegen ihn gestellt.

Am Sonntagabend kamen rund 100 Menschen in San Antonio zusammen, um in einer Andacht um die Toten zu trauern. Einwanderungsaktivisten und Kirchenvertreter hielten Schilder mit Sprüchen wie „Wer ist hier kein Einwanderer“ hoch. Eine Frau trug ein T-Shirt mit der spanischen Aufschrift: „Mein Name ist Jesus. Ich habe keine Papiere.“.

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