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12.02.2017

10:11 Uhr

Mexiko

Krieg um das Erbe des Drogenbarons

Der mexikanische Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán steht in New York vor Gericht. In seiner Heimat tobt derweil ein blutiger Kampf um sein Erbe. Die Polizei fürchtet, dass die Gewalt weiter eskalieren könnte.

Der mexikanische Drogenboss Joaquin "El Chapo" Guzman wurde mittlerweile an die USA ausgeliefert. AP

Drogenboss in Handschellen

Der mexikanische Drogenboss Joaquin "El Chapo" Guzman wurde mittlerweile an die USA ausgeliefert.

Mexiko-StadtGlaubt man dem Inhalt des Briefes, verheißt er nichts Gutes. Denn in dem Text, der mexikanischen Medien zugespielt wurde, behaupten zwei Söhne des in den USA inhaftierten Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán, sie seien jüngst im Nordwesten Mexikos in einen Hinterhalt gelockt und bei dem anschließenden Angriff verletzt worden.

Für die Tat verantwortlich machten Jesús Alfredo und Iván Archivaldo Guzmán allerdings nicht rivalisierende Drogenbanden oder etwa die Staatsmacht, sondern: Mitglieder ihrer eigenen Gruppe, des mächtigen Sinaloa-Kartells. Kommt es gerade zu blutigen Umwälzungen in der mexikanischen Unterwelt?

Tatsächlich spitzt sich der Drogenkrieg in dem Land seit Wochen wieder zu. Zu Beginn des Jahres gab es ein Blutbad mit vier Toten in dem eigentlich als ruhig geltenden Karibik-Badeort Cancún; in den vergangenen Tagen starben nun mindestens 16 Menschen bei Gefechten zwischen Soldaten und Bandenmitgliedern im Westen des Landes. An letzteren soll das Verbrechersyndikat Beltrán Leyva, das sich vor Jahren aus dem Sinaloa-Kartell abgespalten hat, beteiligt gewesen sein. Die Gruppe ist in Drogenhandel, Erpressungen und Entführungen verwickelt.

Drogenkrieg: Wer ist Joaquín „El Chapo“ Guzmán?

Ausbrecherkönig

Er ist der wohl mächtigste Drogenhändler der Welt. Mit seiner Flucht vor knapp vier Monaten aus einem Hochsicherheitsgefängnis unterstreicht Joaquín „El Chapo“ Guzmán auch seinen Anspruch auf den Titel des Ausbrecherkönigs von Mexiko.

Herkunft

„El Chapo“ kam 1957 in dem Dorf La Tuna de Badiraguato im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zur Welt.

Jugend

Der Sohn einer armen Familie verkaufte als Jugendlicher Orangen, bevor er sich in den 1980er Jahren der Drogenbande um Miguel Ángel Félix Gallardo anschloss.

Drogenboss

Nach der Festnahme des Chefs gründete er das Sinaloa-Kartell. Die US-Antidrogenbehörde DEA bezeichnet das Syndikat als multinationalen Großkonzern des organisierten Verbrechens.

Festnahme und Flucht

Guzmán war 1993 in Guatemala festgenommen worden, doch 2001 gelang ihm die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Mexiko.

Vermögen

Mit einem geschätzten Vermögen von einer Milliarde US-Dollar schaffte er es auf die Liste der reichsten Menschen der Welt der Zeitschrift „Forbes“.

Erneute Festnahme

Im Februar 2014 nahmen Marineinfanteristen „El Chapo“ in einem Apartment in der Küstenstadt Mazatlán im Westen des Landes fest.

Erneute Flucht

Gerade mal 17 Monate verbrachte der Drogenboss in Haft, dann spazierte er durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel in die Freiheit.

Vor allem aber im nordwestlichen Bundesstaat Sinaloa tobt laut Medienberichten ein erbitterter Krieg. In der Hochburg des von „El Chapo“ gegründeten Sinaloa-Kartells kamen seit Jahresbeginn rund 140 Menschen ums Leben, wie die Zeitung „La Jornada“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtete - eine Folge von Guzmáns Festnahme und Auslieferung an die USA, so das Blatt.

Während sich der entmachtete „El Chapo“ (der Kurze) vor einem New Yorker Gericht verantworten muss, ist demnach ein blutiger Kampf um sein Erbe ausgebrochen. Bereits nach Guzmáns Auslieferung hatten Beobachter vor Verteilungskämpfen in Mexiko gewarnt - sowohl innerhalb des Sinaloa-Kartells als auch zwischen verschiedenen Drogenbanden.

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