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12.01.2011

02:43 Uhr

Michael Jackson

War es doch fahrlässige Tötung?

Michael Jacksons früherer Leibarzt muss sich vor Gericht verantworten. Ein Richter in Los Angeles befand: Es gibt genügend Hinweise, die eine Anklage des Herzspezialisten rechtfertigen.

Muss Rede und Antwort stehen: Jacksons Leibarzt (im Bild auf dem Zeugenstuhl).

Muss Rede und Antwort stehen: Jacksons Leibarzt (im Bild auf dem Zeugenstuhl).

HB LOS ANGELES. Richter Michael Pastor ordnete zugleich ein sofortiges Berufsverbot für den 57-jährigen Kardiologen Dr. Conrad Murray an, berichtete der Internetdienst „Tmz.com“. Der nächste Gerichtstermin wurde für den 25. Januar festgesetzt.

Im Falle einer Verurteilung drohen dem Mediziner bis zu vier Jahre Haft. Der Popstar war am 25. Juni 2009 an einer Überdosis des Narkosemittels Propofol gestorben.

Seit Anfang Januar waren bei einer Anhörungen in Los Angeles über 20 Zeugen zu Wort gekommen. Ein Apotheker sagte aus, Murray habe bei ihm große Mengen des starken Narkosemittels bestellt, das gewöhnlich zur Betäubung bei Operationen eingesetzt wird.

Der Gerichtsmediziner Christopher Rogers hielt dem Kardiologen am Dienstag medizinische Fehler und die Verletzung seiner Sorgfaltspflicht vor. Der Popstar sei gesund gewesen und an den Folgen „unterdurchschnittlicher“ ärztlicher Betreuung gestorben, zitierte die „Los Angeles Times“ den Zeugen.

Die Anklage warf Murray vor, er habe durch die Verabreichung vieler Schlaf- und Narkosemittel den Tod des Sängers fahrlässig herbeigeführt. Jacksons Leibwächter hatte ausgesagt, Murray habe, als der Sänger schon ins Koma gefallen war, Ampullen beiseitegeschafft und dann erst den Notarzt gerufen. Der 50 Jahre alte Jackson litt an chronischer Schlaflosigkeit.

Murray erklärte im Februar 2010, er sei „nicht schuldig“ an Jacksons Tod. Er soll dem Sänger kurz vor dessen Tod erst Beruhigungspillen gegeben und dann das Narkosemittel gespritzt haben. Laut Murray war die Dosis aber viel zu niedrig, um einen Herzstillstand hervorzurufen.

Murray, der weiterhin in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Nevada und Texas als Arzt arbeiteten durfte, muss nun seine Arbeit einstellen. Das Gericht entzog ihm mit sofortiger Wirkung seine Lizenz. Im vorigen Jahr war ihm bereits die Vergabe starker Narkosemittel - wie Propofol - untersagt worden.

Murray war im Mai 2009 von Jackson als Leibarzt eingestellt worden. Der Sänger soll selbst darauf gepocht haben, dass der Mediziner ihn vor und während seiner von Juli an geplanten Konzertreihe in London betreuen würde. Murray bezog angeblich ein Gehalt von 150 000 Dollar pro Monat.

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