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09.04.2015

16:27 Uhr

Migranten

Flüchtlingswelle in der Ägäis nimmt neue Dimension an

Die Flüchtlingswelle in der Ägäis erreicht einen neuen Höhepunkt. Eine neue Tragödie konnte nur durch Glück abgewendet werden. Doch wohin die notleidenden Menschen sollen bleibt ungeklärt.

Über 10.000 Flüchtlinge sind in den letzten drei Monaten in Griechenland angekommen. Die Versorgungslage wird immer prekärer. dpa

Flüchtlinge in der Ägäis

Über 10.000 Flüchtlinge sind in den letzten drei Monaten in Griechenland angekommen. Die Versorgungslage wird immer prekärer.

AthenDie Flüchtlingswelle in der Ägäis nimmt immer größere Dimensionen an. Die Zahl der Migranten, die aus der Türkei nach Griechenland kommen, hat sich im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast vervierfacht. Insgesamt seien im Januar, Februar und März 10.445 Migranten aufgegriffen worden, teilte die griechische Küstenwache am Donnerstag mit.

Die meisten stammen aus Syrien. Im ersten Quartal 2014 waren es 2863 Menschen. Am Donnerstag konnten mehr als 100 Migranten mit etwas Glück die abgelegene Kleininsel Gavdos südlich von Kreta erreichen. Zuvor hatten sie ein Notsignal gesendet.

Wie die griechische Küstenwache mitteilte, sollen die an Bord eines ägyptischen Fischkutters angekommenen Migranten von Gavdos nach Kreta gebracht werden. Die rund 150 Einwohner von Gavdos können die Flüchtlinge nicht versorgen, berichtete das Staatsradio.

Die Verbände der Beamten von Polizei- und Küstenwache hatten am Vortag an die Regierung appelliert, nicht noch mehr Migranten aufzunehmen. „Wir heben die Hände hoch“, hieß es in einer Erklärung der Polizeibeamten der Insel Kos.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass dort im Hof der Polizei- und der Küstenwachestationen Hunderte Migranten - darunter zahlreiche Kleinkinder - auf der Erde schlafen. Das Militär brachte nach Medienberichten Zelte, um die Menschen unterzubringen.

Auch Athens Bürgermeister Giorgos Kaminis erklärte im Fernsehen, diese Situation könne „nicht mehr so weitergehen“. Verzweifelte Migranten kommen von den Inseln nach Athen und versuchen etwas Essbares zu finden. Sie hoffen, dass sie irgendwie nach Mitteleuropa gelangen.

Die Mitarbeiter und Konten der humanitären Organisationen sind erschöpft. Der griechische Staat kann auch nicht helfen. Tausende Griechen werden wegen der schweren Finanzkrise von der Kirche durchgefüttert.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

„Wir haben 2000 US-Dollar pro Kopf bezahlt, um von der Türkei nach Kos in Griechenland gebracht zu werden“, sagte ein syrischer Familienvater im griechischen Fernsehen. Jetzt hoffen er und seine vierköpfige Familie, nach Athen und danach nach Schweden weiter zu reisen, hieß es.

In der Westtürkei warten nach Schätzungen der griechischen Küstenwache Zehntausende Migranten auf eine Gelegenheit, nach Griechenland und damit in die EU zu kommen. Allein am Mittwoch waren auf den griechischen Ägäisinseln Lesbos, Chios, Agathonisi, Kos und Rhodos knapp 500 Migranten angekommen.

Von

dpa

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