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06.08.2014

15:00 Uhr

Militär-Schaulaufen

Der neueste Putin-Sport heißt Panzer-Biathlon

VonDésirée Linde

Mitten in der Eskalation der Ukraine-Krise greift Russland zu skurrilen Mitteln, um militärische Überlegenheit zu demonstrieren: Moskau lädt zur Panzer-Biathlon-WM. Doch sogar die Nato richtete lange einen ähnlichen Wettbewerb aus. Nach Russland reist nun aber kein Team des westlichen Militärbündnisses.

Vollgas mit dem Panzer: Nationenwettkampf mal anders bei Moskau. Imago

Vollgas mit dem Panzer: Nationenwettkampf mal anders bei Moskau.

Moskau, DüsseldorfDer Panzer mit der armenischen Flagge hat keine Chance. Quälend langsam schiebt sich das Kriegsgerät den Sandhügel hinauf. Von hinten rollt schon der Gegner an, nimmt die Erhebung und zieht mühelos vorbei. Die Zuschauer an der Strecke bejubeln die Aktion frenetisch. Der russische Panzer, gekennzeichnet mit blauem, dreieckigen Wimpel rast weiter. Sand spritzt unter den Panzerketten meterhoch auf und lässt den Gegner staubbedeckt und abgehängt zurück.

Das erfolgreiche Überholmanöver dürfte nach dem Geschmack von Russlands Präsident Wladimir Putin sein. Mitten in der Eskalation der Ukraine-Krise lässt er sein Militär die zweite Panzer-Biathlon-Weltmeisterschaft (World Tank Biathlon Championship) ausrichten. Und die Welt kann per Livestream und Youtube zuschauen.

Zwölf Nationen duellieren sich auf dem Militärstützpunkt in der Moskauer Provinz Alabino bis zum 16. August. In der Teilnehmerliste ehemalige Sowjet-Staaten und Verbündete: Weißrussland ist dabei, Kuwait und China sind es auch.

Außerdem starten Angola, Armenien, Venezuela, Indien, Kasachstan, Kirgistan, die Mongolei und Serbien. Damit die Teams unter gleichen Voraussetzungen starten können, bekommen alle auf Verlangen einen T-72 B Panzer des russischen Militärs gestellt, nur China benutzt laut russischen Medien eigene 96A-Panzer.

In welche Länder deutsche Waffen exportiert werden

Platz 10

Frankreich - 146,6 Millionen Euro*

Mit den Franzosen ist Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg auch militärisch eng verbunden. Die deutsche Rüstungsindustrie liefert dem Nachbarn fast alles - von Maschinengewehren und Munition über Panzer bis zu Schleudersitzen und Hubschraubersimulatoren. Insgesamt sinken die Exporte nach Frankreich aber.

*Wert der erteilten Einzelgenehmigungen im Jahr 2013. Quelle: Rüstungsexportbericht der Bundesregierung 2013

Platz 9

Singapur - 206 Millionen Euro

Der südostasiatische Stadtstaat gehörte 2013 unter den so genannten Drittstaaten zu den wichtigsten Käufern deutscher Waffen. Zwei Drittel der Importe sind gepanzerte Fahrzeuge, darunter Brückenlegepanzer und Pionierpanzer. Aber auch deutsche Navigationsausrüstung ist dort gefragt.

Platz 8

Südkorea - 207 Millionen Euro

Der ständig schwelende Konflikt mit dem nördlichen Bruderstaat macht Südkorea zum wichtigen Absatzmarkt. Neben der US-Rüstungsindustrie verkaufen auch die Deutschen dort etliche Waffensysteme, unter anderem Panzer, U-Boote und Flugabwehrsysteme.

Platz 7

Großbritannien - 257,8 Millionen Euro

Den Großteil der deutschen Waffenexporte an die Briten machen so genannte „unfertige Erzeugnisse“ aus - also Bauteile, die durch die britische Rüstungsindustrie weiterverarbeitet werden. Aber auch Handfeuerwaffen, Hubschrauber- und Kampfflugzeuge und Fallschirme werden auf die Insel verkauft.

Platz 6

Israel - 266,5 Millionen Euro

Wegen anhaltender Raketenangriffe auf Grenzstädte bauen die Israelis ihre Luftabwehr aus - auch mit deutscher Hilfe. 73,8 Prozent aller deutschen Waffenexporte nach Israel entfallen auf Flugabwehrsysteme. Auch deutsche Raketen sind gefragt.

Platz 5

Indonesien - 295,7 Millionen Euro

Mit 240 Millionen Einwohnern gehört die südostasiatische Inselgruppe zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Mit der deutschen Rüstungsindustrie machte das indonesische Militär im Jahr 2013 lukrative Geschäfte, unter anderem wurden Kampfpanzer, U-Boot-Teile und Kommunikationssysteme in die Region geliefert.

Platz 4

Saudi-Arabien - 361 Millionen Euro

Die Waffenexporte nach Saudi-Arabien wurden besonders scharf kritisiert, weil das saudi-arabische Königshaus mehrere Proteste blutig niederschlagen ließ. Die deutsche Rüstungsindustrie durfte 2013 trotzdem etliche Waffen an die Araber verkaufen, darunter 80.000 automatische Gewehre, aber auch Raketen, Luftaufklärungssysteme und Panzerteile.

Platz 3

USA - 610,7 Millionen Euro

Das größte Militär der Welt setzt ebenfalls auf deutsche Waffen. Die Liste der genehmigten Waffenexporte reicht über zahlreiche Handfeuerwaffen, Panzerhaubitzen und Minensuchbooten bis zu Tauchgeräten und Infrarotausrüstung.

Platz 2

Katar - 673,4 Millionen Euro

Das kleine Emirat Katar hat weniger Einwohner als Hamburg - und davon sind noch etwa 80 Prozent Gastarbeiter. Doch mit den Ölmilliarden hat sich die Herrscherfamilie zum Ziel gesetzt, auf der großen Bühne der Weltpolitik mitzuspielen - auch militärisch. Aus Deutschland wurden dafür im Jahr 2013 Panzerteile, Flugsimulatoren, Radargeräte und Navigationsausrüstung importiert.

Platz 1

Algerien - 825,7 Millionen Euro

Das nordafrikanische Land, das sich über eine Fläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern erstreckt, war 2013 der wichtigste Abnehmer deutscher Waffenexporte. In politisch unruhiger Umgebung soll das Militär mit deutscher Hilfe für Stabilität sorgen. Die Millionensumme wurde komplett für Panzer und gepanzerte Lkw und Geländewagen ausgegeben.

Die T-72-Panzer stammen aus den 70-er Jahren und wurden hauptsächlich in Sowjetkriegen und in Auseinandersetzungen wie dem Libanonkrieg 1982 eingesetzt. Russland hatte laut General Ivan Buvaltsev, Chef der Ausbildungseinheit des russischen Militärs, allen teilnehmenden Teams eine sechswöchige Trainingsausbildung mit den russischen Panzern angeboten.

Militärparaden auf breiten Boulevards auf der einen Seite, der neu erfundene Wettbewerb auf der anderen als Mittel Russlands, seine Kriegsgeräte und vermeintliche militärische Überlegenheit zu demonstrieren. Putin höchstpersönlich kam zur Eröffnung Anfang der Woche, bei der Armeehelikopter Manöver flogen. Hunderte Zuschauer säumen die WM-Strecke nahe Moskau, an der Panzer-Attrappen herausgeputzt wie Spielzeuge mit bunten Farben, Kulleraugen und Brille als Deko stehen.

Die dreiköpfigen Panzerbesatzungen müssen in ihrem Gefährt einen Hindernisparcours mit Wasserlöchern, Matschpisten, Hügeln und Steilhängen so schnell wie möglich bewältigen und gleichzeitig Treffsicherheit beweisen. Als Zielscheiben dienen in ein bis zwei Kilometer Entfernung Pappattrappen von Hubschraubern und anderen Panzern. Wie im echten Biathlon gibt es verschiedene Rennen, etwa Verfolgung und Sprint.

Bei jedem erfolgreichen russischen Manöver und Schuss ins Schwarze erschallen Jubelrufe aus dem Publikum. Als der russische Panzer mit vom Zusammenstoß mit einem Hindernis eingedellter linker Front die Ziellinie überfährt, ertönen „Russland, Russland“-Gesänge.

Selbst von den Rängen ist zu erkennen, welche Nation gerade vorne liegt. Denn jeder Panzer bekommt eine dreieckige andersfarbigen Wimpel, die Landesflaggen sind nur klein an den Seiten der Fahrzeuge zu sehen. Im vergangenen Jahr waren die Panzer noch komplett eingefärbt und trugen die Nationenflagge ebenfalls deutlicher zur Schau.

Kommentare (14)

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Herr Christian Wetzel

06.08.2014, 15:18 Uhr

Den Panzerbiathlon gab es auch schon letztes Jahr vor der Krise in
der Ukraine. Auch der aktuelle Termin stand schon laenger fest.
Wie in der Ueberschrift/Einleitung zu suggerieren dass Putin diesen
Wettbewerb eingefuehrt hat um der Ukraine die militaerische Ueberlegenheit
zu demonstrieren ist schlicht falsch.
Es ist diese tendenzioese Berichterstattung, die viele Leser an der Objektivitaet
der Medien zweifeln laesst.

Warum kann man nicht neutral berichten und dem Leser das Urteilen ueberlassen ?

Herr peter Spirat

06.08.2014, 15:19 Uhr

Erfreulich, dass es auch noch firedliebende Staaten gibt.

Wenn israelische Panzer rollen, sieht das im Ergebnis anders aus.

Frau Helga Trauen

06.08.2014, 15:21 Uhr

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