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16.09.2016

20:00 Uhr

Milliardengeschäft Oktoberfest

122 Ochsen, 500.000 Brathendl und 7,5 Millionen Maß

VonAxel Höpner

Am Samstag wird das 183. Münchener Oktoberfest eröffnet. Überschattet wird die Vorfreude in diesem Jahr von der Sorge um die Sicherheit. Doch beim traditionellen Wiesnrundgang ist die Stimmung demonstrativ gut.

Oktoberfest 2016

Gegen Terror - Diese strengen Maßnahmen werden auf den Wiesn getroffen

Oktoberfest 2016: Gegen Terror - Diese strengen Maßnahmen werden auf den Wiesn getroffen

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MünchenIn München sind derzeit alle um Normalität bemüht. Wiesn-Chef und Bürgermeister Josef Schmid hat die knielange Lederhosn angelegt, Haferlschuh, ein kariertes Hemd. Die Kapelle „Kaiserschmarrn“ spielt ein Eröffnungslied, dann beteuert Schmid: „Der Charakter des schönsten Volksfests der Welt ändert sich nicht.“

Man muss das betonen in diesen Tagen, denn schon beim Anmarsch merkt man, dass etwas anders ist. Erstmals ist das Festgelände von einem Zaun umschlossen. Ob das ein Mehr an Sicherheit bringt, ist in München umstritten.

Auch sind diesmal Rucksäcke und Taschen mit mehr als drei Litern Fassungsvermögen verboten. „Im Lichte der jüngsten Ereignisse, nach dem Amoklauf am OEZ und vor allem nach dem Bombenanschlag in Ansbach, haben wir das Konzept für die Wiesn auf den Prüfstand gestellt“, sagte Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle zur Begründung.

Oktoberfeste 2016: „O'zapft is“ von Brasilien bis Westjordanland

Überall auf der Welt

Rund um den Globus ist das Oktoberfest ein Schlager. Wer es nicht nach München schafft, hat vielerorts eine Alternative: Denn Wiesn-Fans in aller Welt haben den Spieß umgedreht - und feiern ihr eigenes Bierfest.

Blasmusik statt Samba

Eines der größten Oktoberfeste hat Blumenau in Brasilien. Seit mehr als 30 Jahren feiern die Menschen 19 Tage lang in der von deutschen Einwanderern gegründeten Stadt mit Blasmusik und Bier, mancher hat gar eine echte Lederhose. Nach dem Karneval in Rio soll es das zweitgrößte Straßenfest Brasiliens sein.

Stars und Stripes

Das Fest in San Francisco soll es schon seit 125 Jahren geben. Das nach eigenen Angaben größte Oktoberfest in den USA findet allerdings in Cincinnati im Bundesstaat Ohio statt - demnach werden in einem Jahr ungefähr 80.000 Bratwürste, 23.000 Brezeln und 16.000 Strudel bei dem Fest verschlungen.

Bunte Wiesn

Neben traditionellen Varianten gibt es in Berlin auch die Regenbogen-Version: Zum sechsten Mal werden in diesem Jahr die Gay-Wiesn veranstaltet.

Dirndl und Kufija

Ein Bierfest kann man sich zwischen Militäranlagen im Westjordanland kaum vorstellen. Doch genau deswegen sollte man feiern, meinen die Besitzer der einzigen palästinensischen Brauerei. Seit 2005 tragen sie im kleinen Ort Taybeh nahe Ramallah ein Bierfest aus - das nach eigenen Angaben jährlich mehr als 16.000 Menschen anzieht.

Brezn mit der Queen

Gleich mehrere solcher Bierfeste feiern die Briten. Allein in London, wo die Maß wegen der britischen Pint-Einheit ein bisschen mehr als einen Liter hat, waren zeitweise mindestens fünf Oktoberfeste bekannt. In der schottischen Uni-Stadt St. Andrews veranstalten Studenten jährlich im März ihr eigenes bayerisches Bierfest - die Einnahmen gehen an einen guten Zweck.

Bier statt Wodka

Das Bierfest in Moskau fand zumindest zeitweise Anfang des Sommers statt. Angeblich wurde es auch erfunden, um die Alkoholproblematik in den Griff zu bekommen - die Russen, so das Kalkül, sollen von der „harten Droge“ Wodka auf vergleichsweise mildes Bier umsteigen.

Beim Wiesn-Rundgang darf das Thema natürlich nicht fehlen. 450 Ordner habe man in diesem Jahr statt sonst 250 berichtet Schmid an einer Zwischenstation. Die meisten würden ihren Rucksack ja gleich daheim lassen. „Es kann zu Rückstauungen kommen, aber vorgesehen sind sie nicht.“ Im Übrigen gelte: „Es gibt bis zur Stunde keinerlei konkrete Hinweise auf irgendein Sicherheitsthema.“

Weiter geht es, die Kapelle „Kaiserschmarrn“ schreitet musizierend voran, vom Saftstand zum Laufgeschäft Amazonas. Auf drei Etagen ist ein tropischer Regenwald nachgebildet, mit echten Spinnen, Piranhas und Reptilien. Wer möchte, kann sich auch gegenüber beim Volksfest-Klassiker „Breakdance“ im Kreis herumwirbeln lassen.

Neue, spektakuläre Fahrgeschäfte sind erst für 2017 angekündigt – in diesem Jahr ist wegen des Zentral-Landwirtschaftsfests weniger Platz auf dem Festgelände. So muss der Frozen-Yoghurt-Stand als nächste Station herhalten. Bürgermeister Schmid gibt wieder Interviews. Und immer wieder die selben Fragen und die selben Antworten. Das Sicherheitskonzept wurde optimiert, doch es gilt auch: „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.“

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