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29.08.2011

06:33 Uhr

Milliardenschäden

Nach dem Sturm beginnt die Aufräumarbeit

Bereits heute öffnen die New Yorker Flughäfen wieder. Wirbelsturm „Irene“ ist Richtung Kanada weitergezogen. Mindestens 18 Menschen sind umgekommen, die Gesamtschäden werden auf 7 Milliarden Dollar geschätzt.

Nach dem Sturm: Blick von New Jersey auf die Skyline von New York. Reuters

Nach dem Sturm: Blick von New Jersey auf die Skyline von New York.

New York/Washington/MontrealNach dem Durchzug des Wirbelsturms „Irene“ öffnen die drei großen New Yorker Flughäfen Montagfrüh wieder. Das teilte die US-Luftfahrtbehörde FAA auf ihrer Website mit. Demnach sollten der John F. Kennedy International Airport in New York und der Newark Airport in New Jersey um jeweils 06.00 Uhr Ortszeit (12.00 MESZ) ihren Betrieb aufnehmen, der LaGuardia-Flughafen um 07.00 Ortszeit (13.00 MESZ). Zuvor hatte es seitens der Behörden geheißen, die Flughäfen würden frühestens am Montagabend wieder öffnen.

Die Flughäfen waren angesichts des herannahenden Hurrikans „Irene“ am Samstag geschlossen worden. Insgesamt wurden im Osten der USA 10.000 Flüge gestrichen, darunter auch zahlreiche Transatlantikflüge. New York kam mit einem blauen Auge davon, dafür traf es das ländliche Gebiet der Neuengland-Staaten umso härter: Der Wirbelsturm „Irene“ hat am Sonntagnachmittag (Ortszeit) Vermont im Nordosten der USA heimgesucht und Verwüstungen in einigen Kleinstädten hinterlassen.

Mehrere Gebiete wurden überflutet, eine Frau galt zunächst als vermisst. Die Menschen in dem Gebiet, das für seine Holzhäuser bekannt ist, suchten Schutz in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden. Besonders im südlichen Vermont sei die Situation „furchtbar“, sagte der Sprecher der Katastrophenbehörde, Mark Bosma, dem Sender CNN.

„Einige kleinere Städte sind komplett überflutet. Wir haben Berichte, dass Menschen in Schulen oder Autos festsitzen“, sagte Bosma. „Eine Frau wurde in einen Fluss gespült. Das Wasser ist überall.“

Von dort hat sich „Irene“ am Sonntag (Ortszeit) von der Ostküste der USA weiter in Richtung Norden bewegt und Kanada erreicht. In den am Atlantik gelegenen kanadischen Provinzen und im Südosten von Québec kündigte der Wirbelsturm sich mit heftigen Winden und Regenfällen an und führte zu Stromausfall in etwa 200.000 Haushalten.

Der Minister für öffentliche Sicherheit von Québec, Robert Dutil, warnte vor dem „enormen Sturm“, der Experten zufolge Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern erreichen könnte. Er forderte die Bevölkerung auf, Vorbereitungen dafür zu treffen, 24, 48 oder sogar 72 Stunden zu Hause bleiben zu können. So weit nördlich sind die tropischen Stürme ein seltenes Naturphänomen.

„Irene“ hatte zuvor die Millionenmetropole New York - zumindest im Vergleich zu den befürchteten Schäden - glimpflich davonkommen lassen. Der Hurrikan schwächte sich kurz vor der Ankunft in New York zum Tropensturm ab.

Nach "Irene" scheint die Sonne auf Überflutungen in North Carolina. dapd

Nach "Irene" scheint die Sonne auf Überflutungen in North Carolina.

Dennoch hat „Irene“ hat am Wochenende New York vollkommen lahmgelegt. Die Millionenmetropole glich einer Geisterstadt, nachdem die Behörden Massenevakuierungen angeordnet hatten. U-Bahnen fuhren nicht, Flüge fielen aus, Geschäfte und Theater wurden geschlossen. Doch der Big Apple bliebt von der befürchteten Katastrophe verschont. Andere Regionen kamen zuvor nicht so glimpflich davon.

US-Präsident Barack Obama hat die Bevölkerung vor einer vorschnellen Erleichterung gewarnt. Das in Neuengland anhaltende Unwetter und dessen Folgen seien weiterhin sehr gefährlich. „Das ist noch nicht vorbei“, sagte Obama am Sonntagnachmittag (Ortszeit) im Weißen Haus in Washington.

Die größten Sorgen bereiteten derzeit die Überflutungen in vielen Bundesstaaten sowie die massenhaften Stromausfälle. „Ich will unterstreichen, dass die Auswirkungen des Sturms noch für einige Zeit zu spüren sein werden. Die Erholung kann Wochen dauern“, sagte er.

Der Präsident lobte ausdrücklich das Vorgehen der Behörden, von den Evakuierungen vor dem Sturm bis zu den Aufräumarbeiten danach. „Dieser beispielhafte Einsatz zeigt, wie gut die Regierung auf allen Ebenen auf die Bedürfnisse der Bevölkerungen eingehen kann“, sagte er.

Überschwemmungen in Rockaway Beach (New York) nach dem Sturm. AFP

Überschwemmungen in Rockaway Beach (New York) nach dem Sturm.

Insgesamt waren Hunderttausende auf der Flucht und mindestens vier einhalb Millionen Menschen ohne Strom. Die Zahl der Todesopfer infolge des Wirbelsturms „Irene“ an der US-Ostküste ist auf mindestens 21 gestiegen. Aus acht US-Staaten wurden Tote gemeldet, darunter zwei Kinder.

Ein elfjähriger Junge starb im Staat Virginia, als ein Baum auf ein Haus stürzte. In North Carolina wurde ein Kind bei einem Autounfall auf einer Kreuzung getötet, an der die Ampeln nicht in Betrieb waren. In Florida wurden bei schwerem Wellengang ein Surfer und ein Spaziergänger in den Tod gerissen. Weitere Menschen starben durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste.

Der inzwischen deutlich abgeschwächte Tropensturm hat an der Ostküste der USA wohl geringeren wirtschaftlichen Schaden verursacht als befürchtet. „Irene hat mehreren Gegenden ein blaues Auge verpasst, den wirtschaftlichen K.O.-Schlag hat es aber offenbar nicht gegeben“, erklärte Ryan Sweet von Moody's Analytics.

Der versicherte Schaden werde sich vermutlich zwischen zwei Milliarden Dollar (rund 1,38 Milliarden Euro) und drei Milliarden Dollar bewegen, hieß es in einer vorläufigen Einschätzung der Unternehmensberatung Kinetic Analysis. Demnach wird der Gesamtschaden voraussichtlich über sieben Milliarden Dollar betragen.

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