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02.03.2012

09:51 Uhr

Mindestens drei Tote

Unglücksflugzeug war eine Cessna

Das Kleinflugzeug, das in Südhessen nahe einer Bundesstraße abgestürzt und in Flammen aufgegangen ist, war eine Cessna. Bei dem Unglück wurden mindestens drei Menschen getötet. Heute laufen die Untersuchungen weiter.

Tote bei Flugzeugabsturz in Hessen

Video: Tote bei Flugzeugabsturz in Hessen

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Egelsbach/BerlinNach dem Flugzeugabsturz mit mindestens drei Toten bei Egelsbach im Rhein-Main-Gebiet laufen heute die Untersuchungen zur Unglücksursache weiter. Beim Absturz des Kleinflugzeugs in der Nähe des südhessischen Flugplatzes Egelsbach sind am Donnerstagabend mehrere Menschen ums Leben gekommen. Ein Polizeisprecher am Unfallort sagte, es seien offenbar drei Leichen gefunden worden. Erwartet worden war auf dem Flugplatz eine Maschine vom Typ Cessna mit bis zu sechs Menschen an Bord: vier Passagiere, Pilot und Copilot.

Das Flugzeug war eine „Citation X“ des US-amerikanischen Herstellers Cessna. Das bestätigte eine Sprecherin des Regionalflughafens Egelsbach am Freitagmorgen. Der Düsenjet mit einem Gewicht von 16 Tonnen könne bis zu zwölf Passagiere transportieren und zähle zu den größten Flugzeugen, die den Flughafen anfliegen könnten. Dort dürfen Maschinen bis zu einem Gewicht von 20 Tonnen landen und starten. .

Derzeit ist die teilweise von Löschschaum bedeckte, von großen Trümmern und umgerissenen Bäumen übersäte Schneise von den Rettungskräften taghell ausgeleuchtet. Eine Stunde brannte das Wrack, der kleine Jet dürfte erst beim Absturz explodiert sein.

Das mit Löschschaum der Feuerwehr überzogene Wrack der Cessna im Wald bei Egelsbach. dpa

Das mit Löschschaum der Feuerwehr überzogene Wrack der Cessna im Wald bei Egelsbach.

Feuerwehrleute und Sanitäter versuchen in den querliegenden Rumpf der vor vier Stunden abgestürzten Cessna zu gelangen, aber noch glüht das Metall. So kommen die Rettungskräfte wegen der Hitze nicht ins Wrack hinein. Möglicherweise liegt ein Opfer auch im Wald, obwohl das Gelände eigentlich abgesucht ist. „Wir haben noch die leise Hoffnung, dass die Maschine irgendwo zwischengelandet ist“, sagt Polizeisprecher Henry Faltin an der Unfallstelle. „Es könnte also jemand ausgestiegen sein.“

Das zwölfsitzige Flugzeug vom Typ Cessna Citation X krachte bei nebeligem Wetter gegen 19 Uhr, wenige Kilometer vor der Landebahn, in ein Waldstück nahe der Bundesstraße 3. Die Maschine sei plötzlich vom Radar verschwunden, sagte eine Sprecherin der Polizei in Offenbach. Nach ersten Erkenntnissen streifte es im Sinkflug Baumwipfel, zerschellte am Boden und ging in Flammen auf. Beim Aufprall gab es demnach eine Explosion, anschließend brannte das Wrack etwa eine Stunde. Die Absturzstelle war weiträumig abgesperrt.

Eine Cessna 750 Citation X auf dem Flughafen Köln/Bonn: Bei der Unglücksmaschine handelte es sich um einen Jet des gleichen Typs. dapd

Eine Cessna 750 Citation X auf dem Flughafen Köln/Bonn: Bei der Unglücksmaschine handelte es sich um einen Jet des gleichen Typs.

Die Absturzursache ist derzeit noch unklar. Dem Hessischen Rundfunk zufolge soll sich der Pilot kurz zuvor bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) abgemeldet und von Instrumentenflug auf Sichtflug umgestellt haben, ohne dass es dabei Auffälligkeiten gab. Auch im Tower habe es keine Anzeichen für Probleme gegeben. Das sagte eine Sprecherin des Flughafens Egelsbach der Nachrichtenagentur dapd.

Die Maschine war der Polizei zufolge im österreichischen Linz mit Pilot, Co-Pilot sowie drei Passagieren gestartet. Offenbar war die Maschine ohne Zwischenlandung auf den Weg zum Flughafen Frankfurt-Egelsbach gewesen. Die Polizei hatte keine Hoffnung, dass einer der Insassen den Absturz überlebt haben könnte.

Ein Polizeisprecher sagte, zum Zeitpunkt des Unglücks sei es in der Gegend nebelig gewesen. Die Rettungskräfte seien mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich wegen der Dunkelheit aber sehr schwierig. Der Flughafenbetreiber konnte zunächst keine näheren Angaben zu dem Unglück machen und bestätigte zunächst nur den Absturz.

Der Flugplatz Egelsbach liegt nur wenige Kilometer südlich von Frankfurt. Er konzentriert sich vor allem auf Geschäftsreisende in kleineren Flugzeugen sowie Hubschraubern. Nach eigenen Angaben ist er der größte deutsche Privatflugplatz.

Anfang Dezember 2009 waren in der Nähe von Egelsbach drei Geschäftsleute aus dem Raum Offenbach beim Absturz eines zweimotorigen Turbopropflugzeugs ums Leben gekommen. Als Unglücksursache wurde damals ein Pilotenfehler ebenfalls im Nebel vermutet. Im Juni 2010 starb beim Absturz eines Sportflugzeugs nahe des Flugplatzes ein 54-jähriger Passagier. Der 56 Jahre alte Pilot, der wegen eines Strömungsabrisses nach einem Steigflug die Kontrolle über die einmotorige Maschine verloren hatte, wurde schwer verletzt.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

02.03.2012, 07:18 Uhr

Dies ist bei weitem nicht der este Unfall dieser Art in Egelsbach. Natürlich, am Ende ist immer der Pilot schuld, da er sich ja wissentlich in diese Situation begeben hat. R.I.P.
Die wahren Schuldigen sitzen jedoch irgendwo bei der Landesregierung, der DFS, beim Regierungspräsidium oder in den örtlichen Aktionsgruppen am Schreibtisch. Sie haben zu verantworten, daß Frankfurt wie die meisten deutschen Großstädte keinen vernünftig ausgestatteten Flugplatz für die Allgemeine Luftfahrt hat, die schon längst systematisch aus den Flughäfen verdrängt wird. Das ist letzten Endes kriminell. Der Schreibtischtäter ist nicht zuletzt eine deutsche Erfindung.

mondau, seit 48 Jahren Pilot, seit 45 Jahren mit Instrumentenberechtigung und Flugzeugeigner aus beruflichen Gründen, seit 25 Jahren im Ausland ansässig - wohlweislich.

shakyjake

02.03.2012, 12:21 Uhr

Mein Beileid den Hinterbliebenen.
Die Politik in Hessen sollte wirklich mal überlegen wieviel weitere Tote es geben muß, bis am Geschäftsflughafen Egelsbach ein modernes Instrumentenlandeverfahren eingerichtet wird.
Die Piloten werden hier gezwungen die Sicherheit des Verkehrsmittels Flugzeug bis auf´s äußerste auszureizen.
Deutschland ist Wirtschaftsstandort und keine Bananenrepublik.

flying_dirk

02.03.2012, 14:56 Uhr

Es ist immer das gleiche, in zweifelhaften Wetterlagen wird anstatt IFR mit VFR weitergeflogen und mit "selbstgestrickte Verfahren" in den Grund geflogen.

Es wird Zeit, dass kleine Verkehrslandeplätze in hinreichender Zahl mit verläßlichen GPS Anflugverfahren versorgt werden, so dass IFR Anflüge sicher möglich werden.

Wie viele Flugzeuge müssen in Egelsbach denn noch in den Grund fliegen?!

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