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02.09.2011

16:18 Uhr

Mirco-Prozess

Ex-Frauen des Angeklagten: „keine Sex-Bestie“

Ein Jahr nach dem Tod des zehnjährigen Mirco aus Grefrath versucht das Gericht immer noch das Motiv des 45-jährigen mutmaßlichen Mörders zu ergründen. Seine drei Ex-Frauen hatten jedenfalls nur nette Worte für ihn übrig.

Der Prozess um den ermordeten kleinen Jungen aus Grefrath geht weiter. dpa

Der Prozess um den ermordeten kleinen Jungen aus Grefrath geht weiter.

KrefeldEin Jahr nach der Ermordung des zehnjährigen Mirco aus Grefrath bleibt das Motiv seines mutmaßlichen Mörders ein Rätsel. Alle drei Ex-Frauen des Angeklagten schilderten den 45-Jährigen am Freitag im Zeugenstand als friedfertigen, treusorgenden Familienvater. Er sei ein ruhiger, besonnener Mensch und nie gewalttätig geworden, sagten die Frauen am Krefelder Landgericht aus.

Sein Sexualleben sei völlig normal gewesen. Keine der Frauen hat ein Anzeichen für pädophile Neigungen bemerkt. Sie habe sich sogar überlegt, ob ihr Ex-Mann mit seinem Geständnis jemanden schützen wolle, sagte eine der Frauen. Alle drei Frauen hatten auf ihr Recht verzichtet, nicht auszusagen.

Sie habe mit ihrem Mann nach dem Verschwinden Mircos über den Fall gesprochen, sagte seine 33-jährige letzte Ehefrau, die erst seit wenigen Wochen von ihm geschieden ist. Er habe sich entsetzt gezeigt über das Verschwinden.

Einen Tag nach der Entführung Mircos habe sie mit ihrem Mann ein großes Volksfest besucht. Sie habe dabei keine Änderung in seinem Wesen und Verhalten feststellen können. Auch der Wagen sei eher unordentlich und nicht penibel gereinigt gewesen. Wann ihr Mann am Tattag nachts nach Hause gekommen sei, wisse sie nicht.

Seinen Job habe er gerne gemacht, auch wenn er mit seinem Chef in München Meinungsverschiedenheiten gehabt habe, sagte die 33-Jährige. Deshalb habe er innerhalb des Unternehmens wechseln wollen und sich darauf gefreut. Dass er zum Stressabbau stundenlang mit dem Auto umhergefahren sei, könne sie nicht bestätigen. Ihr Ex-Mann sei ein ausgeglichener, hilfsbereiter Mensch, „für den die Familie alles bedeutet hat“.

Schwiegereltern loben mutmaßlichen Täter

Auch die früheren Schwiegereltern verloren über Olaf H. kein schlechtes Wort. Sie habe ihn als Arbeitskollegen vor vielen Jahren in ihr Team geholt und schätzen gelernt, sagte die ehemalige Schwiegermutter aus, deren Tochter Olaf H. als dritte Frau geheiratet hatte.

Sehr unterschiedlich wurde der damalige Telekom-Manager von seinen Kollegen beurteilt: Die Zeugenaussagen variierten zwischen „nett, lustig und hilfsbereit“ bis „Blender, Lügner, unsympathisch, machtbewusst und eiskalt“.

Auch über die Frage, wie sehr der Angeklagte zur Tatzeit unter Stress stand, gingen die Meinungen auseinander. Während Kollegen von „extremem Druck“ berichteten, beschrieben andere den 45-Jährigen als faul und unzuverlässig. Olaf H. hatte im Polizeiverhör behauptet, Mirco umgebracht zu haben, um damit beruflichen Stress abzureagieren.

Mit der Befragung von Zeugen aus dem privaten und beruflichen Umfeld will sich das Gericht ein Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten machen. Olaf H. hatte die Tat zwar gestanden, sich bei seinen verschiedenen Versionen aber in Widersprüche verwickelt. Mirco war am 3. September 2010 auf dem Nachhauseweg entführt und ermordet worden. Nach fünf Monaten hatten die Ermittler den bis dahin unbescholtenen Familienvater Olaf H. in Schwalmtal festgenommen. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

Von

dpa

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