Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.06.2013

19:16 Uhr

Mittel in Milliardenhöhe

Bund und Länder bereiten Flut-Hilfsfonds vor

Bei dem Treffen im Kanzleramt soll auch über einen Hilfsfonds gegen die Flutfolgen diskutiert werden. Bis zu vier Milliarden will der Bund einem Medienbericht zufolge beisteuern. Allerdings nicht über Steuererhöhungen.

Schaufeln und Paletten mit Sandsäcken in Sachsen-Anhalt: Viele Dörfer sind vom Hochwasser überflutet. dpa

Schaufeln und Paletten mit Sandsäcken in Sachsen-Anhalt: Viele Dörfer sind vom Hochwasser überflutet.

BerlinKurz vor dem Flut-Gipfel im Kanzleramt hat sich Wirtschaftsminister Philipp Rösler für einen Bund-Länder-Hilfsfonds ausgesprochen. Dieses Mittel habe sich schon nach dem Hochwasser 2002 bewährt, sagte der FDP-Vorsitzende am Dienstag im RBB. An der damaligen Höhe der Mittel orientiere sich das Volumen des Fonds, verlautete aus Koalitionskreisen. Darauf hätten sich die beteiligten Ministerien verständigt. Die genaue Ausgestaltung stehe noch nicht fest, es werde aber einen Nachtragshaushalt geben.

Mehrere Länder zeigten sich zur Unterstützung bereit, nahmen aber auch den Bund in die Pflicht. In der Unionsfraktion sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nach Angaben von Teilnehmern, der Bund wolle die Hälfte der Kosten übernehmen, die Länder die andere.

Laut eines Berichts der „Rheinischen Post“ will sich die Regierung mit drei bis vier Milliarden Euro an dem Fonds beteiligen. Darauf hätten sich die Spitzen von Union und FDP unter Beteiligung des Finanzministeriums im Grundsatz geeinigt. In Koalitionskreisen hieß es am Dienstag in Berlin, die Zahlen seien Spekulation und aus der Luft gegriffen. Die genaue Größenordnung und Ausgestaltung des Fluthilfe-Fonds seien noch offen, hieß es an anderer Stelle.

Versicherer schätzen Flut-Schäden

Allianz

Das Hochwasser in Deutschland wird die Allianz nach Analystenschätzungen etwas teurer zu stehen kommen als die Flut 2002. JP-Morgan-Analyst Michael Huttner veranschlagt die Schadensumme für den deutschen Marktführer im Inland in einer Kurzstudie auf 350 Millionen Euro. Das wäre mehr als die 330 Millionen Euro vor elf Jahren.

(Stand: 10. Juni 2013)

Gartenbau Versicherung

Ein Spezialist unter den Versicherer: Dennoch wird die Gesellschaft wohl mehrere Millionen Euro an Schäden begleichen müssen. Allein in Sachsen sei mit einem Schaden von zwei Millionen Euro zu rechnen.

(Stand: 4. Juni 2013)

Gothaer Versicherung

Dem Unternehmen sind etwa 1000 Schäden gemeldet worden mit einem Schadensvolumen von etwa 20 Millionen Euro. Vorstandschef Thomas Leicht rechnet mit einem weiteren Anstieg auf das Niveau der Flut von 2002 – damals seien Schäden in Höhe von 30,2 Millionen Euro gemeldet worden.

(Stand. 7. Juni 2013)

R+V Versicherung

Bei der Versicherung der Volks- und Raiffeisenbanken sind etwa 2.000 Berichte über Schäden eingegangen und es sei kein Ende in Sicht, so eine Sprecherin. Es werde ein „Spitzenschaden“.

(Stand: 6. Juni 2013)

Signal Iduna

Die Versicherung erwartet einen Schaden von bis zu 50 Millionen Euro und damit mehr als im Jahr 2002.

(Stand: 10. Juni 2013)

SV SparkassenVersicherung

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro auf Basis von insgesamt 7.500 Schadensmeldungen.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherungskammer Bayern

Die Gesellschaft rechnet mit einem Schaden von 40 Millionen Euro.

(Stand: 5. Juni 2013)

Württembergische Versicherung

Das Unternehmen rechnet mit einem Schadenaufkommen von gut 50 Millionen Euro. 2002 hatten die Überschwemmungen an Oder und Elbe 44 Millionen Euro gekostet.

(Stand: 10. Juni 2013)

Versicherter Schaden 2002

Deutschlandweit belief sich der versicherte Schaden des als Jahrhundertflut bezeichneten Elbe-Hochwassers vor elf Jahren auf 1,8 Milliarden Euro. In ganz Europa mussten die Versicherer damals nach Daten der Münchener Rück 3,5 Milliarden Euro zahlen.

Versicherter Schaden 2013

Der Branchenverband GDV geht von Kosten aus, die über denen von 2002 liegen. Der Schaden würde in Deutschland also die Marke von 1,8 Milliarden Euro übersteigen. Experten des Dienstleister Aon gehen sogar von vier Milliarden Euro Schäden für die deutsche Versicherungswirtschaft aus. Die Ratingagentur Fitch erwartet immerhin 2,5 bis 3 Milliarden Euro.

(Stand: 12. Juni 2013)

Der Bundesanteil solle die Größenordnung des „Aufbaufonds“ nach der Flutkatastrophe aus dem Jahr 2002 erreichen, schreibt das Blatt weiter. Damals hatten Bund und Länder über einen Fonds rund sieben Milliarden Euro aufgebracht. Dafür wurden Steuersenkungen verschoben und die Unternehmenssteuer erhöht. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt schloss Steuererhöhungen aus. Die Hilfsgelder müssten auch nicht auf die Schuldenbremse angerechnet werden, die Bund und Länder einhalten müssen.

Am Donnerstag treffen sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder zu einem seit längerem geplanten Gespräch. In Regierungskreisen hieß es, es sei sicher, dass man sich angesichts der nahen Bundestagswahl bei diesem Treffen auf milliardenschwere Hilfspakete verständigen werde. Die Flutschäden werden von Experten bereits jetzt höher als die von 2002 eingeschätzt. Die Rating-Agentur Fitch teilte mit, allein auf die Versicherer kämen Kosten von 2,5 bis drei Milliarden Euro zu. Das Hochwasser 2002 hatte die Branche 1,8 Milliarden Euro gekostet.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.06.2013, 19:54 Uhr

...und wo bleibt die EU? Da gibt es extra eine Vereinbarung wenn die Schäden einer Naturkatastrophe groß genug sind?
Solidarität in Europa ist eine Einbahnstraße - das wußte schon Bismarck.

Apropos EU - Warum wird die Kommentarzeile des letzten Türkei-Berichts wieder gesperrt. Offenbar sind die Lesermeinungen im Hinblick auf die Artikeldiskussion des EU-Beitritts nicht erwünscht. Alle Artikel, die keine Gelegenheit zum Kommentieren lassen fasse ich als reine Propaganda-Artikel auf.

lebenshelfer

11.06.2013, 20:01 Uhr

@hafnersp

...kommentier' doch einfach an beliebigen anderen Artikeln, das Thema des Artikels ist doch egal. Einfach deine Meinung zur Politik schreiben, so machens doch alle...

ja234no

11.06.2013, 21:20 Uhr

bitte den Fond großzügig ausstatten, aber : kleine Dörfer bitte im öffentlichen Interesse - Vorbild Braunkohlenbergbau
in NRW - zwangsumsiedeln mit halt ähnlich großzügiger Entschädigung ( gutes neues Haus für altes z.b. ) -dann sind künftig genügend Überschwemmungsgebiete vorhanden - zumindest wenn zusätzlich landwirtschaftliche Flächen bei Bedarf entschädigt + geflutet werden statt imme höhere Dämme zu bauen

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×