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23.01.2004

11:41 Uhr

Mittel zum Zweck

Es geht auch ohne

VonU (Schulte Döinghaus, D. Hintermeier; Handelsblatt)

Selfsponsoring: Die Nackheit grassiert und mausert sich zur Trendsportart.

Grad neckisch lupft Gesine Paulus den Rand ihres luftigen Hutes, derweil Ulrike Wenzlawski entschlossen einen Pulswärmer ins Schwarzweiß-Bild rückt. Ansonsten sind die beiden lediglich in irgendetwas weitmaschig Gestricktes gehüllt, das vage an Fischernetze – Ostsee! Rostock! – erinnert und viel zum Schauen freigibt, aber noch mehr zum Ahnen.

Paulus und Wenzlawski sind erstens Handballerinnen des Zweitligaklubs PSV Rostock, zweitens zwei von 16 ziemlich entblößten Vereinskameradinnen, deren Fotos den Jahreskalender 2004 des Postsportvereins schmücken. Und drittens sind sie die aktuelle Verkörperung eines gewissen Trends zur Nacktheit, der seit zwei, drei Jahren im Sportgeschäft erkennbar ist.

Das ZDF staunte: „Ob Eisschnellläuferin Anni Friesinger, Claudia Pechstein oder Tim Lobinger – das öffentliche Entblößen mausert sich zur Trendsportart.“ Egal, wie man es nennt: Aufmerksamkeit ist den Sportlern garantiert, natürlich auch die von Sponsoren. So haben die neckischen Nacktposen den Rostockerinnen jetzt sogar zu höheren Weihen verholfen. Während eines Sportsponsoring-Kongresses auf der in Kürze in München beginnenden Sportartikelmesse ISPO wollen die knackigen Kalender-Girls des PSV Rostock mit einigen älteren Herren über „Sex sells: Nackte Haut im Sport“ diskutieren. Ein wenig besorgt fragt die Kongressleitung in ihrem Programmheft: „Wie sollten sich Sportler positionieren?“

Wenn sie’s so halten wie die Handballerinnen von der Ostsee, könnten 10 000 Euro an Einnahmen für ihren Verein zusammenkommen. Dank einer fünfstellig verkauften Kalenderauflage.

Prüderie? Ach was. Rostocks Mädels knüpfen an Poster und Nacktkalender an, die die australische Frauenfußball-Nationalmannschaft und andere produzieren ließen: die Firebrigade der New Yorker Feuerwehr, wohltätige Hausfrauen in Yorkshire, demonstrierende Landwirtschaftsstudenten in Berlin, aber auch die Volleyballer des VfB Friedrichshafen. Vor allzu viel Nacktheit im Sportmarketing und -sponsoring warnt dennoch Ralf Scheitenberger, Geschäftsführer der M.S. Sportmarketing in München. „Viele Sportler hoffen, damit bekannt zu werden oder ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Das ist aber kurzfristiges Denken, das – wirtschaftlich gesehen – nicht aufgeht.“

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