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19.07.2014

13:02 Uhr

Mittelmeer

19 Tote auf Flüchtlingsboot vor Lampedusa

Italienische Rettungskräfte haben vor der Küste Lampedusas 18 Tote geborgen, ein weiterer Mann starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Der Flüchtlingsstrom aus Afrika nimmt nicht ab, dieses Jahr werden es bis zu 100.000 sein.

Rettungskräfte beim Einsatze: Zehntausende Flüchtlinge versuchen übers Mittelmeer nach Europa zu kommen. Reuters

Rettungskräfte beim Einsatze: Zehntausende Flüchtlinge versuchen übers Mittelmeer nach Europa zu kommen.

RomItalienische Rettungskräfte haben von einem völlig überladenen Flüchtlingsschiff vor der Insel Lampedusa 18 Tote geborgen. Ein weiterer Mann sei beim Transport auf die italienischen Mittelmeerinsel gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Samstag. Auf dem Schiff befanden sich demnach mehr als 600 Menschen, die Opfer seien offenbar erstickt. Derzeit werden fast täglich Flüchtlinge vor der italienischen Küste aufgegriffen.

Die Einsatzkräfte wurden von einem Handelsschiff alarmiert, das knapp 150 Kilometer vor Lampedusa im Mittelmeer unterwegs war, wie Ansa berichtete. Zwei Flüchtlinge seien mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus in Palermo auf Sizilien gebracht worden. Die Küstenwache und die Marine konnten zunächst nicht für eine Stellungnahme erreicht werden. Wegen des ruhigen Sommerwetters hat zuletzt die Zahl der Bootsflüchtlinge erheblich zugenommen.

Der Umgang der EU mit Flüchtlingsbooten

Italien

Wenn Flüchtlinge auf See in einer Notsituation sind, machen sich Fischer laut Gesetz nicht strafbar, wenn sie Hilfe leisten - im Gegenteil, sie sind sogar dazu verpflichtet. Dennoch berichten Medien immer wieder über die Angst der Fischer, bei einem Eingreifen wegen Förderung illegaler Einwanderung angeklagt zu werden. Tatsächlich ist dies 2007 passiert, laut Medienberichten soll es sich dabei aber um Sonderfälle gehandelt haben. Demnach gerieten diese Fischer in Verdacht, Menschenschlepper zu sein. Sie wurden vor Gericht freigesprochen. Trotzdem löste ihr Fall eine öffentliche Debatte aus.

Griechenland

Auch hier sind alle Seeleute per Gesetz verpflichtet, Menschen in Seenot zu helfen - und auch hier ist die Auslegung das Problem. Wer systematisch Migranten rettet und sie nach Griechenland bringt, läuft Gefahr, als Schleuser angeklagt zu werden. Schleuser wiederum können sich als Retter ausgeben. Aus diesem Grund informieren Fischer immer die Küstenwache über die Entdeckung von Bootsflüchtlingen und die Rettungsaktion. Menschenrechtsorganisationen werfen der Küstenwache vor, die Flüchtlinge mit gefährlichen Manövern zur Rückkehr in die Türkei bewegen zu wollen. Es gibt aber auch Berichte über Flüchtlinge, die ihre Boote selbst zum Kentern bringen, damit ihnen geholfen werden muss.

Spanien

Hier muss Flüchtlingen, die mit ihren Schiffen in Seenot geraten sind, in jeden Fall geholfen werden. Dies schreibt der Artikel 98 der UN-Seerechtskonvention vor, die auch von Spanien ratifiziert wurde. Dies bedeutet, dass beispielsweise Fischerboote oder Fährschiffe zu einer Hilfeleistung verpflichtet sind. Die Pflicht zur Hilfe gilt allerdings nur, solange das eigene Schiff und dessen Besatzung dadurch nicht in Gefahr geraten.

Die italienische Marine greift nahezu täglich hunderte Migranten auf, die mit Schiffen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen versuchen. Die Flüchtlinge stammen meist aus Eritrea, Somalia und Syrien, doch auch Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan und weiteren asiatischen und afrikanischen Ländern nehmen die gefährliche Überfahrt auf sich. In den vergangenen acht Monaten erreichten nach offiziellen Angaben mehr als 73.000 Flüchtlinge Italien. Die Regierung in Rom rechnet bis Jahresende mit insgesamt 100.000 Flüchtlingen.

Unterdessen traf ein Handelsschiff im sizilianischen Hafen Porto Empedocle ein, das am Donnerstag vor der libyschen Küste 61 Flüchtlinge in Seenot gerettet hatte. Ihr Boot sank während der Rettungsaktion, wobei bis zu 41 Menschen ums Leben kamen, wie Ansa berichtete. Die Überlebenden stammten demnach aus Gambia, Ghana und Mali. Laut italienischen Medien traf zudem ein italienisches Marineschiff mit 2168 geretteten Migranten im Hafen von Salerno ein.

Von

afp

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