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04.02.2004

16:06 Uhr

Mittlerweile 16 Todesopfer

Fehlalarm in Dresden

Wieder sind in Asien junge Menschen der Vogelgrippe zum Opfer gefallen. In Vietnam starben zwei 15 und 16 Jahre alte Mädchen und ein 24-Jähriger, in Thailand ein siebenjähriger Junge. In Deutschland hat sich hingegen auch der zweite Verdacht auf Vogelgrippe als Fehlalarm erwiesen.

HB BERLIN/HANOI. „Der Patient, der im Krankenhaus Dresden-Neustadt seit einigen Stunden liegt und untersucht wird, hat nachweislich keine Influenza, weder A noch B noch die berühmte Vogelgrippe“, sagte der Sprecher des sächsischen Sozialministeriums, Karltheodor Huttner, der dpa.

Die Vereinten Nationen sprachen sich unterdessen auf ihrem Krisentreffen in Rom für eine Massenimpfung von Geflügel in Asien aus, um der Tierseuche Herr zu werden.

„Wir sind zum Schluss gekommen, dass eine neue Strategie nötig ist, um die Vogelgrippe zu besiegen“, sagte Joseph Domenech von der Welternährungsorganisation FAO in Rom der dpa. Diese sehe neben der Tötung von Tieren auch Massenimpfungen vor, die allerdings teuer seien. Nach Einschätzung der Weltorganisation für Tiergesundheit OEI in Paris könnte ein Tierimpfstoff in drei Monaten vorliegen. Das Krisentreffen in Rom dauert bis zu diesem Donnerstag.

Im Hinblick auf deutsche Touristen warnte der Hamburger Virologe Herbert Schmitz davor, bei jedem Erkältungssymptom gleich an Vogelgrippe zu denken. „Würde man Passagiere eines Flugzeugs aus Thailand untersuchen, hätte wahrscheinlich jeder fünfte leichte Halsschmerzen oder ähnliche Symptome“, sagte der Leiter der Virologischen Abteilung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin in einem dpa-Gespräch. Sehr viel wahrscheinlicher sei eine normale Influenza.

Für Touristen sei die Infektionsgefahr mit Vogelgrippe extrem gering. „In Thailand hat bestimmt jeder Zehnte ein krankes Huhn gesehen, und nur ganz wenige Menschen sind gestorben“, sagte Schmitz. „Man muss natürlich an Vogelgrippe denken, bei hohem Fieber.“ Wenn ein Reisender aus Südostasien eine fieberhafte Grippe habe und Kontakt mit lebenden, kranken Hühner hatte, sei ein Test auf Vogelgrippe sicher sinnvoll.

WHO sucht nach einer Erklärung

Durch die Todesfälle in Vietnam und Thailand stieg die Zahl der Vogelgrippeopfer in Asien auf mindestens 16, darunter hauptsächlich junge Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat weiterhin keine Erklärung dafür, warum vor allem Kinder und Jugendliche an der Infektion sterben. Möglicherweise seien sie generell anfälliger für Grippeinfektionen, sagte WHO-Sprecher Dick Thompson auf Anfrage. „Wir müssen noch herausfinden, warum sich Kinder und Jugendliche eher anstecken als andere - das wäre wichtig zu wissen.“

Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) betonte, die wichtigste Sicherungsmaßnahme für Europa sei mit dem EU-weiten Importverbot für jede Art Geflügel aus neun asiatischen Staaten längst ergriffen worden. „Das ist eine Maßnahme die im wesentlichen darauf abzielt, die Tierbestände zu schützen“, und damit mittelbar auch die Verbraucher. Die EU hatte den Importstopp bis 15. August verlängert und zwei weitere Experten zum Kampf gegen die Tierseuche in die betroffene Region geschickt.

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